Es ist still geworden um die Initiatoren der Fairtrade-Stadt. Zumindest im vergangenen halben Jahr traten sie in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung. Schon im März - so war es vorgegeben - hätte eine Rezertifizierung des Fairtrade-Labels für die Stadt Bad Brückenau stattfinden sollen. "Wegen der Kommunalwahl mussten wir es verschieben", erklärt Dirk Hönerlage, Mitglied der Lenkungsgruppe rund um die Fairtrade-Stadt. Doch dann kam Corona und verzögerte den Antrag erneut.

Vor wenigen Wochen schickte Hönerlage schließlich die Unterlagen für die Rezertifizierung nach Köln in die Zentrale der Fairtrade-Kampagne, die deutschlandweit Städte auszeichnet. In einem Abstand von zwei Jahren müssen die teilnehmenden Städte vorweisen, dass die Kriterien einer Fairtrade-Stadt noch erfüllt werden (siehe Infokasten).

Viele Aktionen

"Ich rechne damit, dass alles durchgeht und wir für das laufende Jahr wieder die Rezertifizierung erhalten", ist sich Hönerlage sicher. Und das, obwohl in diesem Jahr kaum Aktionen rund um das Thema stattgefunden haben. Doch für den Erhalt des Zertifikates ist genau das eine wichtige Voraussetzung.

Ein Fakt kommt der Gruppe von Ehrenamtlichen zugute: Für die Rezertifizierung zählen alle Aktivitäten und Berichte aus den vergangenen zweieinhalb Jahren. Und das waren nicht wenige. Beispielsweise erhielt das Franz-Miltenberger-Gymnasium im vergangenen Jahr das Label Fairtrade-Schule, ein weiterer Baustein der Fairtrade-Stadt.

Regionale Aspekte

Der Jobblogger des Landkreises berichtete im vergangenen Jahr über die Aktivitäten rund um die Eine-Welt-Gruppe, aus der die Initiative der Fairtrade-Stadt hervorging. Am Pinklauf versorgen die Ehrenamtlichen jedes Jahr die Läufer mit frischem, regionalem Obst. "Dabei geht es nicht nur um faire Grundbedingungen, sondern auch um den ökologischen und regionalen Anbau", zählt Hönerlage die Eckpunkte der Idee auf.

Zahlreiche kleine Gesten gehören ebenso zu einer Fairtrade-Stadt, wie der 2. Bürgermeister und Mitstreiter Jürgen Pfister (PWG) berichtet. Beispielsweise zählen auch der Ausschank fair gehandelten Kaffees im Rathaus und den Stadtratssitzungen sowie der Einbezug fair gehandelter Lebensmittel in Präsentkörben mit dazu. "Im Hintergrund passiert eine Menge", bestätigt Pfister.

Fairtrade-Landkreis?

Die Verantwortlichen der Lenkungsgruppe seien in Gesprächen mit dem Einzelhandel und weiteren großen Institutionen in der Stadt. "Für eine kleine Stadt wie Bad Brückenau stehen wir nicht schlecht da", resümiert Hönerlage. Auch die Mittelschule als städtische Einrichtung gilt als potenzielle Fairtrade-Schule.

Immerhin, fügt Hönerlage an, sei die Stadt im Jahr 2012 die erste im Landkreis gewesen, die sich dem fairen Handel verschrieben hatte. Danach erst folgten Hammelburg und Bad Kissingen. Auch Pfister ist sich sicher: "Ja, die Kriterien für eine Rezertifizierung werden alle erfüllt." Er geht sogar noch einen Schritt weiter: "Es würde mich freuen, wenn wir die Zertifizierung eines Fairtrade-Landkreises bekommen."

Eine Schwachstelle mussten die Initiatoren allerdings feststellen. "Die Gastronomie ist leider etwas unterrepräsentiert", sagt Hönerlage. Es seien zwar Gastronomen in der Initiative mit dabei, allerdings gebe es hier noch Luft nach oben.

**INFOKASTEN**

Bad Brückenau als Fairtrade-Stadt

Beginn Mit der Bewerbung als Fairtrade-Stadt im Jahr 2012 machten die Bürger der Stadt deutlich, dass für sie soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit unteilbar ist und der verantwortungsvolle Umgang mit den knappen Ressourcen eine wichtige Aufgabe darstellt - nicht zuletzt mit Blick auf nachfolgende Generationen.

Es engagieren sich sowohl die örtlichen Geschäftsleute als auch Kirchengemeinden und Schulen für den fairen Handel. Und sie fordern und fördern damit die Sicherung sozialer Rechte für alle.

Kriterien Alle zwei Jahre muss die Zertifizierung erneuert werden. Dabei kommt es auf mehrere Punkte an: Eine Lenkungsgruppe organisiert und steuert vor Ort die Aktionen. Sie trifft sich regelmäßig und plant weitere Schritte zur Einbeziehung regionaler Akteure (Einzelhandel, Gastronomie, Vereine etc.). Fair gehandelte Produkte kommen in der kommunalen Verwaltung zum Einsatz. Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zeigt die Ergebnisse der Kampagne.