Selten melden sich so viele Räte zu Wort wie in der Sitzung des Stadtrats am Dienstag. Das Forum, der Verband der Einzelhändler aus Bad Brückenau und Umgebung, möchte die Organisation des Stadtfestes übernehmen. Im Grunde finden das alle Stadträte gut, Streit gibt es aber über ein paar Details. Die Knackpunkte: Das Forum möchte nur noch zwei anstatt drei Tage ausrichten. Zudem sollen die Bühnen auf dem Sinnauplatz und in der Altstadt wegfallen.

Das Forum will Niveau heben

"Wir haben ein modernes Stadtfest", sprach sich unter anderem 3. Bürgermeister Dieter Seban (CSU) dafür aus, dass die Bühne auf dem Sinnauplatz erhalten bleibt. "Gerade für die Jugend ist der Freitagabend wichtig!" Dirk Stumpe (PWG) sieht das ähnlich: "Wir haben uns mit den drei Bühnen, die in der Stadt verteilt sind, durchaus etwas gedacht!" Stumpe war mit dabei, als vor Jahren ein neues Konzept auf die Beine gestellt wurde. "Damals war unser Stadtfest totgelaufen. Und auf einmal war es wieder der Brüller. Ich verstehe nicht, warum das jetzt aufgeweicht wird."

Nun. Auch das Forum hat sich etwas bei seinem Antrag gedacht. Vorsitzender Hans Rohrmüller war nicht zur Sitzung des Stadtrats geladen - was einige Räte offen bedauerten. Auf Anfrage der Saale-Zeitung stellt Rohrmüller klar: "Das ist eine Frage der Finanzierung." Seit Anfang des Jahres habe die Gema ihre Gebühren für öffentliche Veranstaltungen deutlich angehoben. Nun gehe es bei der Berechnung um jeden Tag und Quadratmeter. Deshalb möchte Rohrmüller zum ursprünglichen Charakter des Stadtfestes zurück: weniger Tage, weniger Bühnen, höheres Niveau.

Enttäuschung bei einzelnen Räten

"Wenn beim Stadtfest Billigkleidung aus Bangladesch verkauft wird, ist das in einer Fair Trade-Stadt nicht in Ordnung", nennt Rohrmüller zum Beispiel einen Punkt, den er ändern möchte. Zudem wolle er keine teuren Bands in die Stadt holen, sondern regionalen Musikern eine Plattform bieten. Ausdrücklich wünsche er sich eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinen.

Wirtschaftsreferent Hartmut Bös (CSU), mit der Stadtfest-Organisation bestens vertraut, zeigt sich "sehr enttäuscht". Er habe erwartet, dass das Forum das Stadtfest in seiner bewährten Form übernehme. "Wir müssen uns grundsätzlich fragen: Wollen wir ein Stadtfest wie damals oder wollen wir ein modernes Stadtfest mit drei Tagen, drei Bühnen und dem Kinderland im Siebenerpark?"

Die Zeit wird knapp

Vermittelnde Töne kommen aus Volkers. "Das kann man doch alles regeln", setzt sich Petra Hirschmann (CSU) für einen Kompromiss ein. Das Forum solle das Stadtfest zwei Tage lang ausgestalten, die Organisation des Freitagabends könnten die Vereine übernehmen. Ingo Walcher (PWG) widerspricht: "Ich halte es für problematisch, wenn es zwei Veranstalter gibt."

Lange diskutieren die Räte, am Ende einigen sie sich darauf, dass die Stadtverwaltung mit dem Forum noch einmal verhandeln solle. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) zeigt sich nach einem Gespräch mit Rohrmüller am Mittwoch optimistisch: "In der neuen Vereinbarung steht drin, dass es eine Jugendveranstaltung geben wird, ansonsten kürzen wir unseren Zuschuss."

Währenddessen verstreicht die Zeit. Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG): "Weder Stadt noch Forum haben mit den Planungen richtig begonnen. Ist es überhaupt noch machbar, bis Juni ein Stadtfest auf die Beine zu stellen?" Gute Frage.