Der Himmel über der Rhön ist ein ganz besonders Erlebnis. In einer wolkenlosen Nacht offenbart sich die ganze Schönheit des Sternenhimmels. Die natürliche, dunkle Nachtlandschaft und der Sternenhimmel sind aufgrund der geringen Lichtverschmutzung in der Rhön besonders sicht- und erlebbar. Nicht umsonst erhielt das Biosphärenreservat Rhön im August 2014 von der International Dark-Sky Association (IDA) die Anerkennung als Internationaler Sternenpark. Um diese Schönheit den Einheimischen und Touristen näherzubringen und die Gesellschaft allgemein für das Thema "Schutz der Nacht" und Lichtverschmutzung zu sensibilisieren, werden über die drei Biosphärenreservats-Verwaltungen Sternenparkführerinnen und -führer ausgebildet.

Sehr große Resonanz

Mit 90 Anmeldungen stieß das Angebot auf eine weit größere Resonanz, als die Verantwortlichen erwartet haben. Im ersten Ausbildungsgang werden 20 Sternenparkführerinnen und -führer ausgebildet. Es habe eine Auswahl stattfinden müssen, erklärte Nadja Thürbeck, Referentin an der Biosphärenreservats-Verwaltungsstelle in Thüringen. Ausgewählt wurden zehn Frauen und zehn Männer, aus Hessen (sieben Personen), Bayern (sieben) und Thüringen (sechs), zwischen 20 und 60 Jahren. Notwendig werde die Ausbildung, da mittlerweile bundesweit Anfragen für Sternenparkführungen an den Verein Sternenpark Rhön sowie an das Biosphärenreservat herangetragen werden.

Simon Manger (Vorstandsvorsitzender des Vereins) betont: "Wir können unserem Bildungsangebot nicht ausreichend nachkommen. Die Nachfrage ist einfach zu hoch." So sei die Idee zur Ausbildung von zertifizierten Sternenparkführerinnen und -führern entstanden, die am vergangenen Wochenende in der Umweltbildungsstätte Oberelsbach begann. Die Teilnehmenden werden an fünf Wochenenden zusammenkommen und gemeinsam in die Welt der Astronomie eintauchen.

Motivation der Teilnehmer

Florian Janz (Ginolfs) freut sich schon sehr auf die bevorstehenden Ausbildungsinhalte. Er möchte Sternenparkführungen über "Rhönmomente" anbieten. "Vorkenntnisse habe ich keine, bin aber bereit zu lernen." An Sternenführungen habe er schon teilgenommen, und diese besonderen Momente in der Rhöner Nacht mit anderen Menschen teilen, ist ihm Ansporn, zertifizierter Sternenparkführer zu werden.

Aus Bischofsheim ist Matthias Poppe dabei. Bisher unternahm er im Freundes- und Familienkreis Sternenführungen. Der Erdkundelehrer verfügt schon von Berufs wegen über einiges Vorwissen und freut sich aber, in das weite Feld der Astronomie eintauchen zu können. "Es ist ein einmaliges Naturerlebnis, in der Nacht in der Rhön unterwegs zu sein."

Monika Koch kommt aus dem Landkreis Bad Kissingen. Sie hatte elf Jahre ein Naturerlebnisunternehmen in Großbritannien und kam im Zuge des Brexits nach Bad Kissingen. Die Rhön habe sie sich bewusst ausgewählt, weil sie hier ein großes touristisches Potenzial für erlebnispädagogische Angebote sieht.

Nächste Station Bad Brückenau

Nach dem Auftaktwochenende in Oberelsbach geht es Ende März in Bad Brückenau weiter. Fulda, Reichenhausen und Dermbach sind weitere Ausbildungsorte. Eine theoretische und praktische Prüfung steht am Ende der Ausbildungszeit. Neben der Welt der Astronomie werden auch umweltpädagogische, naturkundliche und kulturelle Themen vermittelt. Es geht um Grundlagen der Ökologie, Natur- und Umweltschutz, wobei ein Schwerpunkt die Lichtverschmutzung sei. Beleuchtungstechniken lernen die Teilnehmenden kennen, um den Interessierten bei künftigen Sternenparkführungen konkrete Tipps und Hinweise an die Hand geben zu können. Ein weiterer Schwerpunkt werde der Themenkomplex Kommunikation, Führungsdidaktik und Methodik sein, mit praktischen Übungsmöglichkeiten. Hauptreferent und Ausbildungsleiter Sven Hähle ist seit zehn Jahren im Bereich Natur- und Umweltbildung in der Ausbildung tätig. "Es werden erlebnispädagogische Methoden vermittelt, denn nur mit Fakten und Zahlen ist niemand zu begeistern."

Von Sternenbildern, Sagen und Legenden

Die künftige Sternenparkprofis sollen lernen gute Geschichten zu erzählen über die Orientierung am Sternenhimmel, die Sternenbilder, Entstehung von Tag und Nacht, Mondphasen, Jahreszeiten, Mond- und Sonnenfinsternisse, Planeten, Sterne, Monde, Galaxien, Kometen bis hin zu Mythen, Sagen und Legenden.

Mehrere Hospitationen, Sternenführungen, eine Exkursion ins Planetarium Fulda und eine Stadtführung in Fulda, mit themenbezogener Betrachtung der Beleuchtung, runden die Ausbildung fachpraktisch ab. Zu den weiteren Referenten, neben Hähle und Manger, zählen Joachim Schneider (Leiter des Naturerlebniszentrums Rhön, aktiver Sternenparkführer), Wolfgang Fiedler (Astronomielehrer Henfling Gymnasium Meiningen, aktiver Sternenparkführer), Sabine Frank (Landkreis Fulda, Sternenparkkoordinatorin, aktive Sternenparkführerin), die aktive Sternenführerin Anja Johannes, ihr Kollege Michael Pinato sowie Ulrike Schade (Unesco-Biosphärenreservat Verwaltungsstelle Thüringen, Dienststellenleiterin).