Eigentlich ist die Straße "Im Sinntal" nur für Anlieger frei. Das hindert Einheimische nicht daran, sie als Abkürzung durch den Ort zu benutzen. "Diese Thematik beschäftigt uns schon seit längerer Zeit", sagte Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW). 2012 hatten Anwohner eine Sperrung für den Durchgangsverkehr beantragt. Die Räte beließen es jedoch bei Appellen an die Vernunft aller Bürger. Eine generelle Sperrung beschlossen sie nicht.
Wie vor zwei Jahren ergriff Georg Fuchs jetzt erneut das Wort für die Hauseigentümer. Sie wollen gegen künftige Verbesserungsbeiträge Einspruch einlegen, weil die Straße durch den Durchgangsverkehr zusätzlich belastet werde.

Nichtöffentlicher Ortstermin

Zwei Lösungen besprachen die Gemeinderäte bei einem nichtöffentlichen Ortstermin: Eine komplette Freigabe oder eine einseitige Sperrung. Bei einer Sperrung im Bereich der Bahngleise müssten die Rettungsdienste informiert werden. Eine einseitige Sperrung wurde nicht gut geheißen. Die Beschilderung "Anlieger frei" solle aber aufrecht erhalten werden, lautete der Tenor.
Wolfgang Illek (PWG) betonte bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, dass die Höhe von Ausbau- oder Verbesserungsbeiträgen nicht von der Widmung der Straße abhängt. Hans-Joachim Gehrlein (PWW) wollte wissen, ob eine komplette Sperrung dazu führt, dass Grundstückseigentümer beziehungsweise Landwirte keinen Zugang mehr zu ihren Grundstücken oder bewirtschafteten Flächen hätten. Dies sei nicht der Fall, so der Bürgermeister, denn die Zufahrt sei selbst bei einer einseitigen Sperrung im Bereich der Bahnschiene von unten her jederzeit gewährleistet.
Gehrlein rief dazu auf, die Sorgen der Anwohner ernst zu nehmen. Es gehe darum, dass eine gewisse Gruppe von Autofahrern nicht mehr unnötig durchfahre. Es gehe nicht darum, Grundstückseigentümer zu behindern.

Ruf nach der Polizei

Holger Trump (CSU/PWG) betrachtet es als Aufgabe der Polizei, die Verkehrsdisziplin zu überwachen. "Es ist die Uneinsichtigkeit mancher Autofahrer, die uns hier Probleme macht", so Kleinhenz zerknirscht. Eine einseitige Sperrung an der Bahnschiene könnte nach Ansicht des Rathauschefs eine zusätzliche Belastung für die Anlieger bedeuten, weil der Verkehr häufiger in der Straße hin- und her fließt.

Straßenzustand nicht schlecht

Laut Georg Fuchs ist die Zahl der Landwirte überschaubar. Allerdings werde durch die schweren Fahrzeuge, Landmaschinen und Anhänger die Straße belastet. "Wir wussten damals nicht, dass der Durchgangsverkehr eines Tages solche Ausmaße annehmen würde. Hätten wir das früher gewusst, wären wir sofort für eine Sperrung gewesen."
Bürgermeister Kleinhenz hob hervor: "Der Zustand der Straße ist nicht so schlecht." Außergewöhnliche Schäden seien nicht zu erkennen. Herbert Nowak (OWII) zeigte sich skeptisch, ob das Thema auf die Schnelle zu lösen ist. Bei einer Einbahnregelung müssten alle von unten her zu ihren Häusern fahren, also an allen Wohnhäusern vorbei.
Wolfgang Illek (PWG): "Warum gibt es eigentlich so viele Leute, die dort fahren und andere ärgern wollen? Ich kann das einfach nicht verstehen." Oliver Masso (CSU/PWG) stellte die Frage in den Raum, wie man überhaupt Provokateure aus der Straße fern halten könne. Denn eine einseitige Sperrung würde an diesem Problem möglicherweise gar nichts ändern, mutmaßte Masso.

Bisher keine Zählung

Walter Rüttiger (PWW) vertrat die Ansicht, dass eine Sperrung ein Nachteil für die Straße insgesamt sein dürfte. Eine Verkehrszählung im Sinntal gab es laut Bürgermeister Kleinhenz nicht.
Hans-Joachim Gehrlein (PWW) regte eine probeweise Sperrung an. Sebastian Hauke ging dazwischen: "Will die Mehrheit der Anwohner überhaupt eine Sperrung?" Dies soll bei den Anliegern einschließlich aller Mieter in den kommenden Wochen direkt erfragt werden.
Nach der Anliegerbefragung könnte es eine probeweise Sperrung geben, und zwar vom 1. Mai bis zum 30. Juli 2015. Die Sperrung soll ohne großen Kostenaufwand erreicht werden, was durch große Sandsteine möglich wäre. "Es ist keine einfache Materie. Vielleicht bekommen wir es irgendwann doch noch in den Griff. Wenn die Bürger Vernunft annehmen, dann hat sich das Problem von selbst gelöst. Das wäre das einfachste", hofft Bürgermeister Kleinhenz.