Auto an Auto zieht vorbei an der Mondlandschaft neben der Römershager Talbrücke. Vollbepackte Limousinen auf dem Weg in den Urlaub nach Süden oder Norden, Lkw mit Waren aus und für ganz Europa. Kaum einer der Fahrer weiß, dass sie Spalier bilden für einen feierlichen Moment: den Baubeginn für Abriss und Wiedererrichtung der Autobahnbrücke. Bis November 2028 soll das dauern.

55 Jahre hat die Römershager Überführung auf dem Buckel. Eine lange Zeit. Im Jahr der Fertigstellung 1967 rechneten die Planer damit, dass die A 7-Brücken 80 bis 100 Jahre überstehen, berichtete Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes. Damals konnte man sich nicht vorstellen, dass einmal mehr als 10.000 Autos pro Tag darüber rollen.

Welch ein Irrtum. Das Verkehrsaufkommen hat in den vergangenen mehr als fünf Jahrzehnten sprunghaft zugenommen. 45.000 Fahrzeuge passieren die Römershager Talbrücke heute im Schnitt täglich. "Besonders der Schwerlastverkehr tut weh", sagte Krenz beim Festakt und schloss dabei alle Autobahnbrücken Deutschlands mit ein.

Brücken sind nach und nach "fällig"

Das Resultat dieser Entwicklung lässt sich auch im Landkreis Bad Kissingen beobachten. Neun A 7-Autobahnbrücken stehen auf dessen Gebiet. Fast alle sind oder waren im (Neu)Bau (Klöffelsberg, Thulbatalbrücke) oder stehen kurz davor (Grenzwaldbrücke bei Speicherz). Dadurch, dass sie alle mit der A 7 in den Jahren 1965 bis 1968 entstanden, sind sie jetzt mehr oder weniger "fällig".

95 Millionen Euro investiert der Bund nun in die Römershager Baustelle, die insgesamt etwa fünf Kilometer Autobahn umfasst. Die neue Brücke ist 322 Meter lang, wird maximal 39 Meter über dem Seitental des Höllgrabens schweben. Anders als bei der klobig wirkenden Jetzt-Konstruktion wird die betonierte Fahrbahnplatte künftig von einem Fachwerk aus Stahlrohren getragen - was der Brücke ein aufgelockertes Antlitz verleiht.

"Das ist zwar aufwendiger, verbraucht aber weniger Material", berichtet Hartmut Metz, als Geschäftsbereichsleiter Brückenbau an der Außenstelle Würzburg der Autobahn GmbH Nordbayern für die unterfränkischen Autobahnbrücken zuständig. Die Änderung soll auch auf die Anwohner angenehmer wirken.

Metz besitzt eine persönliche Bindung zur Brückenbaustelle. Der Katzenbacher, 1964 geboren, berichtet, dass die Ende der 1960er-Jahre neu gebauten Überführungen Tourismusmagneten gewesen seien. Seltsam, sie abbrechen und neu errichten zu müssen. Metz fungierte außerdem in den Jahren 2009 bis 2013 als Bauleiter an der wenige Kilometer entfernten Sinntalbrücke bei Riedenberg.

Vor dem Aufbau steht der Abbruch. Der soll laut Metz bei Römershag zum Jahreswechsel 2022/23 beginnen. Als erstes fällt das Teilbauwerk in Fahrtrichtung Würzburg, während der Verkehr auf je zwei eingeengten Spuren pro Fahrtrichtung auf der Fahrbahn nach Fulda läuft.

Die Planer haben sich gegen eine Sprengung wie bei der Sinntalbrücke entschieden. Dies deshalb, weil die aktuelle Brücke ein schweres Bauwerk ist, bei einer Sprengung eine große Erschütterung auf die Anwohner nahe der Brücke zukommen würde. Auch fällt das Gelände unter der Brücke relativ steil ab. Sogenannte Fallbetten, auf denen das herabfallende Material auftreffen würde, zu schaffen, wäre eine Herausforderung. Zudem kann das Material nicht über Baustraßen durch den viel zu engen Ort abtransportiert werden.

Deswegen entschied man sich für einen "Abbruch auf Vorschubbrüstung". Das heißt, ein Gerüst wird unter den abzureißenden Abschnitt gehängt. Der herausgemeißelte und zerkleinerte Beton fällt auf diese Plattform, wird mit Baggern herausgelöffelt und abtransportiert - und zwar auf Baustraßen, die allesamt zur Autobahn führen. So fällt laut Metz nichts herunter und die Anwohner werden nicht mit Baufahrzeugen belastet. Genauso soll es mit dem Material laufen, das beim Abriss der Pfeiler anfällt.

Mehr Krach für Anwohner?

Bei Römershags Ortssprecher Dieter Seban wollte beim Baubeginn trotzdem keine rechte Freude aufkommen. "Ich habe mehr die Sorge wegen der Lärmbelästigung während der Abbrucharbeiten." Froh sei er hingegen über die 2,50 Meter hohe Spritzschutzwand, die nach Fertigstellung der Brücke auch den Krach für die Anwohner mindern soll.

Seban sprach auch mit Verantwortlichen des Bauprojekts, darunter Susanne Henckel, Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, und Reinhard Pirner von der Autobahn GmbH sowie Landrat Thomas Bold (CSU). Er fragte nach einer Umleitung, wenn die Baustelle voll gesperrt sei. Diese dürfe nach Norden nicht durch Bad Brückenau, sondern über Gersfeld zur Anschlussstelle Fulda-Süd laufen.

Laut Hartmut Metz ist eine Komplettsperrung in der Bauphase nicht geplant. Aber sie könne vorkommen - wegen eines Unfalls oder bei Instandsetzungen an Markierungen oder Betonbegrenzungen. Die Verantwortlichen wollen Sebans Anregung berücksichtigen.