Bad Bocklet wird sich wohl juristische Unterstützung holen und seine Argumente gegen den durch das Gemeindegebiet geplanten Verlauf der alternativen Südlink-Stromtrasse 018 fachkundig formulieren lassen. Das war das Ergebnis einer längeren und sehr engagiert geführten Diskussion am Dienstag im Gemeinderat.
Eigentlich wollte Bürgermeister Wolfgang Back (CSU) in der ersten Ratssitzung des Jahres nur unter "Verschiedenes" die Gemeinderäte über den aktuellen Stand der Diskussionen und des mit den verantwortlichen Politikern geführten Dialogforums informieren. Er selbst habe bei allen Gesprächen mehrfach die Gegenargumente aus Bockleter Sicht vorgetragen und diese seien auch aufgenommen worden. "Die Trasse durchschneidet unsere Gemeinde."

Allerdings riet Back dem Gemeinderat, mit Beschlussfassungen noch zu warten, bis diese Verhandlungen innerhalb der kommenden zwei Wochen abgeschlossen sind. Doch das Thema erhitzte ein weiteres Mal die Gemüter.

Bekannten Anwalt einschalten

Gemeinderat Helmut Wi- schang (ULB) wollte nicht abwarten und stellte den Antrag, schon jetzt den bekannten Verwaltungsrechtler Lutz Eiding (Hanau) mit der Ausarbeitung juristisch einwandfreier Gegenargumente zu beauftragen. "Die Teilnahme an politischen Foren bringt doch nichts." Die Gemeinde brauche rechtssichere Argumente, die im Falle einer Klage sofort vorgebracht werden können. "Wir haben nur eine Chance, wenn wir eine solche Kapazität mit unserer Interessenvertretung beauftragen." Sonst würde es am Ende heißen: "Wir sind alle dagegen, aber niemand hat's gesagt." Notfalls sollte sich Bad Bocklet mit Burkardroth zusammenschließen. "Die haben doch gleiche Interessen." Die angedachte Trassen-Alternative 018 zweigt bei Riedenberg von der Autobahn A7 nach Osten ab und verläuft vorbei an Burkardroth und Bad Bocklet. Bei Burghausen geht sie dann weiter nach Süden.

Ortsbezogene Betrachtung

Kurdirektor Thomas Beck, derzeit Sprecher der Arbeitsgemeinschaft "Bäderland Bayerische Rhön", hielt dagegen, man müsse das Thema statt ortsbezogen eher regional sehen. "Was sollen denn unsere Gäste denken, wenn sie entlang der Stromtrasse in unser Bäderland kommen?" Einseitige Argumente nur aus Sicht Bad Bocklets seien in diesen Verhandlungen weniger zielführend. Beck: "Wichtigste Gegenargumente sind doch der Naturschutz und der Erhalt des Biosphärenreservat, für den wir solange gekämpft haben." Dem hielt Wischang kämpferisch entgegen: "Natürlich ist mein Vorschlag gnadenloser Egoismus." Schließlich seien sie die Gemeinderäte von Bad Bocklet. "Wir müssen ja noch nicht schießen, aber wenigstens unser Pulver im Trockenen haben und in Stellung gegangen sein."

Aus Formalgründen verschoben

Das Argument überzeugte, doch konnte ein entsprechender Beschluss aus formalen Gründen nicht gefasst werden, da Wischangs Antrag nicht offiziell auf der Tagesordnung stand. Dennoch einigte sich das Gremium einstimmig darauf, den Hanauer Juristen wenigstens schon mal zu kontaktieren, sonst aber das baldige Ergebnis der laufenden Verhandlungen noch abzuwarten und erst danach in zwei Wochen das weitere Vorgehen im Gemeinderat zu beschließen. Eine Vollmacht zur Klage hatte der Gemeinderat dem Bürgermeister bereits vorab erteilt.