Morgens und abends geht sie zum gläsernen Wandelgang im Kurpark in Bad Bocklet. Dort sieht Martina Faber nach, ob tote Vögel am Boden liegen. Sie findet viele. Von jedem Vogel macht sie ein Foto. Ihre Funde dokumentiert sie in einer Liste (siehe Infobox). "Für die Vögel ist es eine Katastrophe", sagt sie.

Auf Steine, die unter dem Wandelgang liegen, schrieb sie die Vogelart und wann sie die Tiere gefunden hat. Daraus stellte sie ein Mahnmal zusammen: Jeder Stein steht für einen Vogel, der sterben musste, weil er gegen eine Glasscheibe flog. "Die Grabsteine haben etwas bewirkt. Die Leute sind darauf aufmerksam geworden", sagt sie. Dann jedoch sei sie gebeten worden - von wem, das will sie nicht öffentlich sagen -, es zu unterlassen, Vogel-Grabsteine aufzustellen. "Das mache ich jetzt nicht mehr", sagt sie.

Vogelschlag auch an anderen Orten ein Problem

Aber: Auf das Leid der Vögel aufmerksam machen, das will sie weiterhin. Und sie will Aufmerksamkeit schaffen für das Problem, denn nicht nur in Bad Bocklet sterben auf diese Weise viele Vögel. Martina Faber ist in der Kissinger Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz. Sie sagt: "Es betrifft alle Glasflächen, die nicht ausreichend markiert sind: Bushäuschen, Schallschutzwände, Autohäuser." Von der Pressestelle des Landratsamt Bad Kissingen heißt es dazu: "Vogelschlag ist uns andernorts nicht bekannt, was natürlich nicht heißt, dass es ihn nicht gibt."