Die Eckwerte des diesjährigen Haushaltsplans für die Marktgemeinde Bad Bocklet schließen mit knapp 9,1 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt sowie fast 4,5 Millionen im Vermögenshaushalt ab. Eine Kreditaufnahme ist nicht eingeplant. Der Schuldenstand pro Einwohner verringerte sich weiter auf nur noch 139 Euro, was 23 Prozent des bayerischen Landesdurchschnitts entspricht. Sowohl der Haushaltsplan als auch die Haushaltssatzung wurden vom Gemeinderat ohne Gegenstimme genehmigt. Vor allem für dieses einstimmige Votum dankte Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) dem Ratsgremium: "Das ist nicht überall so."

Schuldenstand gesenkt

Die Finanzlage der Marktgemeinde hat sich nach Aussage von Kämmerer Patrick Könen als Ergebnis fortdauernder Haushaltskonsolidierung in der Vergangenheit trotz Corona weiterhin positiv entwickelt. "Das hätte ich nicht gedacht", meinte er selbst überrascht und bedankte sich beim Ratsgremium für dessen Unterstützung beim Sparen. "Das ist nicht selbstverständlich." So konnte der Schuldenstand der Gemeinde über alle Jahre allmählich auf nur noch knapp 646.000 Euro gesenkt werden. "Dennoch müssen wir an der sparsamen Haushaltspolitik festhalten", mahnte der Kämmerer und verwies auf die in Zukunft geplanten hohen Investitionen, wofür dann nach vielen Jahren erstmals wieder Kredite in Höhe von etwa 1,06 Millionen (2023) und 1,35 Millionen Euro (2024) aufgenommen werden müssen.

Neues Dorfgemeinschaftshaus

Zu den Investitionen kommender Jahre gehören vor allem der Neubau des Feuerwehrhauses mit Dorfgemeinschaftshaus in Steinach (3,8 Mio), die Sanierung der Von-Henneberg-Straße in Aschach (1,6 Mio), der Neubau der Mittelschule in Bad Bocklet mit vorherigem Umbau der Steinacher Grundschule für den dortigen Kindergarten. "Erst kommt der Kindergarten, dann die Mittelschule", formulierte Sandwall das schrittweise Vorgehen.

Teure Brückensanierung

Außerdem sind Brückensanierungen eingeplant, die trotz aller Fördermittel "sehr hohe Eigenmittel" erfordern, betonte Kämmerer Könen. Hierfür müssen Kredite aufgenommen werden, weshalb in den Folgejahren entsprechend höhere Tilgungsraten bei 20-jähriger Kreditlaufzeit eingeplant werden müssen. Die genauen Kosten können erst nach Vorlage aller Ergebnisse einer in diesem Jahr angesetzten Brückenhauptprüfung kalkuliert werden.

Brennpunkt Feuerwehr

Der Schwerpunkt der Ausgaben im Vermögenshaushalt liegt generell in Verbesserung des Brandschutzes durch bessere Ausstattung der Feuerwehren nach Vorgabe des aktuellen Feuerwehrbedarfsplans. Dies gilt für die Abwicklung zur Erweiterung des Feuerwehrhauses in Bad Bocklet ebenso wie für die Anschaffung von Fahrzeugen für die Feuerwehren in Aschach, Steinach und Hohn, aber auch für bauliche Investitionen in Feuerwehrhäuser. Für alle geplanten Brandschutz-Maßnahmen in den kommenden vier Jahren sind knapp 5,3 Millionen Euro eingeplant. Aber auch für die Schulen soll IT-Ausstattung im Gesamtwert von fast 500 000 Euro beschafft werden. "Es geht voran, wir sind am Puls der Zeit", meinte der Bürgermeister zur Vielzahl geplanter Investitionen. "Aber wir können es uns auch leisten."

Nachkalkulation beim Wasser

Im November 2019 wurden die Gebühren für Abwasser und Frischwasser kostendeckend kalkuliert und für die folgenden drei Jahre festgeschrieben. Im Herbst 2022 wird es deshalb eine Nachkalkulation für die drei Folgejahre geben müssen. Darüber hat der Gemeinderat anschließend ebenso zu beraten wie über die Einführung einer "gesplitteten Abwassergebühr". Im Bestattungswesen waren zuletzt 2006 die Gebühren erhöht worden mit der Maßgabe einer 60-prozentigen Kostendeckung. Doch die wurde in den vergangenen Jahren mit nur etwa 26 Prozent weit unterschritten. "Eine Gebührenanpassung ist daher dringend erforderlich", so der Kämmerer. Ein externer Kommunaldienstleister sei deshalb mit einer Neukalkulation beauftragt worden. Auch hier wird der Gemeinderat im Herbst über neue Gebühren zu entscheiden haben.

Die Rücklagen der Marktgemeinde haben 2022 einen "erfreulichen" Stand von 2,8 Millionen Euro, aus der nach aktueller Planung im laufenden Jahr knapp 760 000 Euro entnommen werden. Außerdem wurde aus dem Sollüberschuss des Vorjahres eine Zuführung zum diesjährigen Haushalt in Höhe von 502 000 Euro eingeplant. "Schon seit Jahren haben wir keine Liquiditätsengpässe gehabt, weshalb es auch im vergangenen Jahr keine Kontoüberziehung gab", schloss der Kämmerer seinen ausführlichen Bericht.

Bürgermeister Sandwall dankte Patrick Könen und seinem Team für die großartige Leistung in der Vergangenheit und die Aufstellung des diesjährigen Haushaltsplans. "Wenn man bedenkt, wo wir herkommen", erinnerte er den Gemeinderat an das Jahr 1979, in dem die Pro-Kopf-Verschuldung noch bei fast 1 000 Euro lag.

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