Je länger man sich auf eine Sache konzentriert, desto mehr verschwimmen irgendwann die Grenzen. Mit dem Ergebnis, dass am Ende folgende Erkenntnis steht: Schinken ist wie Obstkuchen. Und das kam so: Nachdem ich am Wochenende beim Italiener wie selbstverständlich eine Pizza mit Schinken und Champignons bestellt hatte - und erst nach der Hälfte den Fauxpas bemerkte - war die Not nicht unbedingt groß, aber das schlechte Gewissen doch zumindest in greifbarer Nähe.
Was also tun? Weiter-essen und nachdenken. Nachdenken darüber, dass es kaum Lebenslagen gibt, in denen man nicht mit dem Gedanken: "Es hätte auch noch schlimmer kommen können", ein wenig für Entlastung sorgen könnte. Schlimmer würde ich in meinem Fall für eine Salami-Pizza in Anspruch nehmen - mehr Wurst geht ja kaum. Oder gar eine Lasagne - mit tatsächlichem Fleisch. Schinken ist also vielleicht gar nicht ganz so schlimm. Hinzu kommt Folgendes: Aus gut informierten Kreisen weiß ich, dass in früheren Fastenaktionen, namentlich beim Süßigkeitenfasten, ein Kollege gegen Ende auch schon mal bei einem Stück Obstkuchen zugeschlagen hat, mit der Begründung: Obstkuchen ist ja auch nur bedingt wirklich Kuchen. Und was für Süßwaren gilt, muss auch für Wursterzeugnisse gelten. Als hätte sie es geahnt, hat mir eine Kollegin dann prompt ein Kochbuch für Brotaufstriche mit den Worten überreicht: "Die Portionen sind sehr groß, wenn du was machst, mach von allem die Hälfte - außer von der Möhrenbutter, die ist wirklich richtig lecker." Und frei nach dem Motto: Hinten sind Rezepte drin, folgt hier die Zutatenliste für die Möhrenbutter: 50 Gramm gemahlene Mandeln, 50 Gramm weiche Butter, ein Esslöffel Honig, ein Esslöffel Zitronensaft, eine Prise gemahlener Ingwer und 100 Gramm junge, geraspelte Möhren. Wenn mal kein Schinken im Haus ist, sicher eine gute Alternative.