Ungetrübt ist die Freude auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar nicht. Menschenrechtsverletzungen beim Bau der Stadien und der Umgang mit den Wanderarbeiten löst heftige Kritik aus. Die Vergabe an ein Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, ist umstritten. Nicht wenige fordern sogar einen Boykott der WM. Gleichzeitig ist Fußball, zumal auch noch eine Fußball-Weltmeisterschaft, ein Ereignis, das viele Fans vereint, auf das sie hinfiebern und es lange erwarten.

Gottesdienst zur WM-Eröffnung

In diesem Spannungsfeld zwischen Freude und Kritik steht der Gottesdienst zur Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft am Samstag, 19. November, um 15 Uhr in der Henneberg Halle in Steinach. Rainer Ziegler, Pastoralreferent und Kurseelsorger aus Bad Bocklet, und Gottesdienstbeauftragter Walter Kuhn planen diesen Gottesdienst gemeinsam mit Fußballvereinen aus den Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld.

Es ist ein Gottesdienst der Reihe "Weil´s Dich betrifft" des Pastoralen Raums Bad Bocklet/Burkardroth. Unter diesem Label werden besondere Gottesdienste für spezielle Zielgruppen angeboten. Dieses Mal sind die Fußballfans an der Reihe. "Einen Tag vor der WM werden wir die WM kritisch beleuchten und sie unter den Segen Gottes stellen."

Die Idee für diesen speziellen Gottesdienst, der nicht in einer Kirche, sondern einer Sporthalle stattfindet, hatte Walter Kuhn, ebenso zur Einladung von benachbarten und befreundeten Fanclubs und Fußballvereinen. "Wir wollen Stadionatmosphäre vermitteln. Eingeladen sind alle Sport- und Fußballbegeisterten in Trikots mit Fanschals und Fahnen", so Kuhn. Fantransparente oder -plakate können vor dem Gottesdienst in die Halle gebracht werden.

Vorstellen der Mannschaften

Die Firmlinge aus dem pastoralen Raum und die Sportvereine werden die Teilnehmerländer vorstellen sowie die Kader der Frauen-EM und der Männer-WM zur Hymne präsentieren.

Es soll ein Fest werden, bei dem König Fußball und Jesus Christus im Mittelpunkt stehen. Zwei Könige. Zwei Kronen. Die Dornenkrone und eine weltliche Krone. Gefeiert wird der Gottesdienst an Christkönig, dem Tag im Kirchenjahr, an dem Christus als König verehrt wird. Als ein König, dessen Reich nicht von dieser Welt ist, als ein König der Liebe, der Vergebung und Barmherzigkeit.

Eintreten für Werte

Seine Werte wie Frieden, Gerechtigkeit, Akzeptanz und Respekt seien auch auf den "König Fußball" zu übertragen, betonte Ziegler. Seit Jahren werbe der DFB für Toleranz, Respekt und Anti-Diskriminierung und, dass Hautfarbe oder sexuelle Orientierung niemanden ins Abseits stellen dürfen. "Mit dem Gottesdienst wollen wir die Weltmeisterschaft in Katar unter den Segen Gottes stellen", sagt Ziegler.

Für nicht wenige sei der Fußball eine Art Ersatzreligion. Fußball und Religion verbinde einiges miteinander. Die große Gemeinschaft über Kontinente hinweg und die Begeisterung für eine gemeinsame Sache. "Das ist doch auch, was viele am Fußball so lieben: gemeinsam bangen, gemeinsam jubeln, gemeinsam siegen und, wenn es sein muss, manchmal auch gemeinsam verlieren", sagt Kuhn.

Klar Position beziehen

Die Kritik am Austragungsland Katar und die Schattenseiten dieser WM möchte Ziegler in den Fürbitten in Worte fassen. "Eins ist völlig klar, wir müssen als Christen eine klare Position haben." Er zitiert DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der über den Spagat zwischen Vorfreude und Verantwortung sprach: "Wenn die WM beginnt, steht das Sportliche im Mittelpunkt. Aber wir müssen klar sein in der Positionierung, wenn es um gesellschaftliche und politische Verhältnisse in Katar geht." So sei der WM-Gottesdienst in Steinach auch als Friedensgottesdienst zu verstehen.

Steinacher Musikanten spielen

Für die musikalische Gestaltung des WM-Gottesdienstes sorgen die Steinacher Musikanten. Sie haben es sich nicht nehmen lassen, eigens für diesen Anlass das Stück "You`ll never walk alone" einzustudieren.

Kuhn und Ziegler bezeichnen den Gottesdienst als "Gesamtkunstwerk zwischen Fußballbegeisterung und Spiritualität - eine Stunde für die Seele und den Leib", denn im Anschluss gibt es heiße Würstchen und Getränke und Gelegenheit zum Austausch. Zur Erinnerung gibt es Autogrammkarten, die Kuhn und Ziegler vom Deutschen Fußball-Bund erhalten haben, allerdings ohne Unterschriften.