Bis vor wenigen Tagen wehrte sie noch alle Spekulationen ab, am Donnerstagvormittag wurde es dann offiziell: Grünen-Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann soll Parlamentarische Staatssekretärin werden. "Cem Özdemir ins Bundeslandwirtschaftsministerium begleiten zu dürfen, sehe ich als große Chance", sagt sie in einer ersten Stellungnahme. "Ich bin total begeistert, sie steht für den ländlichen Raum und die Landwirtschaft", kommt selbst Lob von Kreisbauernobmann Edgar Thomas, der mit Rottmann im Kreistag sitzt, allerdings der CSU-Fraktion angehört.

Während der Koalitionsverhandlung hatte Rottmann bereits die grüne Verhandlungsgruppe "Gutes Leben in Stadt und Land" geleitet, nun wird sie an prominenter Stelle mitverantwortlich für die Umsetzung der Pläne der Ampel-Koalition sein. "Denn auf die Menschen im ländlichen Raum und unsere Landwirtinnen und Landwirte kommt es an", begründet sie ihre Entscheidung, und: "Nur mit ihnen zusammen werden wir unsere Ziele im Klimaschutz, im Artenschutz und für eine gesunde Ernährung erreichen."

Rottmann verbinden nach eigenen Worten viele Ziele mit der Landwirtschaft: "Gleichwertige Lebensverhältnisse, sichere Zukunftsperspektiven, nachhaltiger Wohlstand auf dem Land" nennt sie als Beispiele. Um sie zu erreichen, brauche es Verlässlichkeit, Offenheit und Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven. Als Bundestagsabgeordnete eines ländlichen Wahlkreises freue sie sich auf die nächsten Jahre gemeinsamer Gestaltung der Zukunft auf dem Land in ganz Deutschland.

Die Grünen gaben am Donnerstag die Namen aller Parlamentarischen Staatssekretäre in ihren fünf Ministerien bekannt. So sollen Bundesgeschäftsführer Michael Kellner, Europapolitikerin Franziska Brantner sowie der Umwelt- und Wirtschaftspolitiker Oliver Krischer Parlamentarische Staatssekretäre in Habecks Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz werden. Der künftigen Außenministerin Annalena Baerbock werden die Expertin für Rüstungsexporte, Katja Keul, der Verteidigungspolitiker Tobias Lindner und die Europapolitikerin Anna Lührmann als Staatsminister zur Seite stehen.

Staatsminister und Parlamentarische Staatssekretäre müssen dem Bundestag angehören, unterstützen die Minister bei ihren politischen Aufgaben und können auch als Stellvertreter der Minister auftreten, zum Beispiel im Bundestag oder bei politischen Veranstaltungen. Sie kümmern sich um die Kontakte in die Fraktionen und zum Bundesrat.

"Mir ist Özdemir lieber als Hofreiter", sagt Kreisbauernobmann Edgar Thomas. Er sei optimistisch, dass mit Özdemir und Rottmann Kompromisse möglich seien. "Wir verstehen uns sehr gut", beschreibt er sein Verhältnis zu Rottmann. Thomas, der seinen eigenen Betrieb konventionell bewirtschaftet, aber dessen Tochter einen Bio-Bauernhof hat, möchte Rottmann am besten schnell zu einem Austausch einladen.

"Ich könnte mir keine Bessere vorstellen", kommentiert Grünen-Kreisrat Volker Partsch die Nachricht aus Berlin. Er hoffe natürlich, dass sie trotz des zusätzlichen Amtes aus Verbundenheit zur Region ihren Sitz im Kreistag behalte. "Sie ist eine ausgezeichnete Fachpolitikerin und hat Ahnung von der Landwirtschaft", berichtet Partsch von gemeinsamen Besuchen auf konventionell und ökologisch bewirtschafteten Höfen.

"Das kann unserer Region nur gut tun", kommentiert der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) die Entscheidung. "Wir freuen uns, wenn unsere regionalen Abgeordneten in Berlin hochrangig vertreten sind." Und Landrat Thomas Bold (CSU) sagte auf Nachfrage: "Ich würde mich natürlich sehr darüber freuen, wenn Frau Dr. Rottmann zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ernannt wird und gratuliere sehr herzlich." Bold verweist auf Rottmanns Amt als Kreisrätin: "Der Bezug zur kommunalen Ebene ist für die Entscheidungsträger in den Ministerien immens wichtig."