Das Amazon Verteilzentrum im Gewerbegebiet an der A71 wird - nach der Corona-Pandemie - seine Tore auch für Vereine und Bürger öffnen, um zu zeigen, wie die Arbeit in den Hallen abläuft. Bei einer ersten Führung zeigten Esteban Cabrera, der Leiter des Zentrums, Manuel Lesch (Amazon Presse) und Thorsten Freers (Amazon Politics) die Strategie und die Philosophie des Versandriesen auf. Amazon möchte eigenen Angaben zufolge nicht nur das größte Angebot der Welt liefern, sondern auch zu den besten Arbeitgebern auf dem Globus zählen.

Die Welt von Amazon umfasst viel mehr als die "Paket-Lieferung". Bekannt sind ja die Angebote im Bereich Medien: TV, Streaming und Audio. Amazon produziert sogar eigene Filme und Serien. Weltweit hat Amazon eigenen Angaben zfolge mehr als 300 Millionen Kunden. Die Logistik-Arbeit rund um das Verteilzentrum an der A71 zählt für Amazon zur "last mile", also zu dem Segment, wo die Ware schließlich an den Kunden ausgeliefert wird. In Deutschland gibt es derzeit mehr als 30 Standorte und die Zahl werde weiter wachsen, teilten die Amazon-Mitarbeiter mit.

12,42 Euro beträgt derzeit der Stundenlohn im Verteilzentrum. Thorsten Freers verwies auf die Aufstiegsmöglichkeiten der Arbeitnehmer. Im dritten Jahr, so Freers, errechne sich dann ein Monatsgehalt (bei Vollzeit) von rund 2600 Euro. Um die 100 Menschen hätte im Verteilzentrum eine Arbeit gefunden, sie kämen aus den Landkreisen Bad Kissingen und Schweinfurt und würden zum Großteil mit einem Bus zum Gewerbegebiet gebracht. Gearbeitet werde im Drei-Schicht Betrieb. Daneben arbeite eine kleine Gruppe an Führungskräften in der Oerlenbacher Niederlassung.

Das Gehalt der Fahrer lasse sich nicht so einfach errechnen, hieß es. Denn Amazon zahlt pro "Fahrt" an Unternehmer, die dann ihren Fahrern das Gehalt zahlen. Sechs neue Unternehmen würden zur Flotte gehören, die regelmäßig an der A71 vorfährt. Ein Betrieb stamme aus der Region, die anderen fünf aus der Umgebung von Nürnberg.

Bei Amazon gebe es keinen Tarifvertrag, in Oerlenbach (noch) keinen Betriebsrat.

In der Nacht und in den frühen Morgenstunden werden die Pakete abgeliefert. Jedes Paket wird dann gescannt und in den Ablauf integriert. Die vorsortierten Pakete "landen" in bunten Taschen, die übergroßen Pakete werden gesammelt und für den Transport zusammengestellt. Anschließend holen die Fahrer "ihre" Auslieferung ab und transportieren die bestellten Waren direkt zu den Kunden. Kollege Computer stellt die Touren so zusammen, dass keine Fahrt länger als acht Stunden dauert, keine der Taschen mehr als 15 Kilogramm wiegt und die Taschen so bereit liegen, dass der Fahrer zuerst das allererste Paket greifen kann.

Amazon setze auf E-Fahrzeuge und möchte möglichst schnell "klimaneutral" arbeiten. Da die E-Vans derzeit nur rund 100 Kilometer am Stück bewältigen und das Liefergebiet sehr hügelig ist, kommen vorerst normale Fahrzeuge zum Einsatz, heißt es aus dem Unternehmen. Viele der Pakete gelangten in die Rhön, weitere Amazon-Zentren entstünden derzeit in Pommersfelden und in Bayreuth, das Netzwerk der Amazon-Auslieferungen werde so immer enger.

Die meisten der Vans stammen aus großen Leasingverträgen. Amazon arbeitet mit diesen Leasingzentren zusammen und gebe die Rabatte an die Unternehmen weiter. Deshalb haben auch die Vans keine einheimischen KFZ-Kennzeichen.

Das Gewerbegebiet an der A71 sei "ausgebucht", erklärten die Bürgermeister Ludwig Nätscher (Poppenhausen) und Nico Rogge (Oerlenbach). Sie verwiesen auf die bereits abgeschlossenen Verträge, zählten die Großküche der Diakonie und ein Schnellrestaurant von Mc Donalds auf. Die Planungen für den dritten Bauabschnitt laufen bereits, dieser liege dann fast vollständig auf der Gemarkung Rottershausen.

Amazon wird wohl nicht "anbauen", wenn das Geschäft noch stärker boomt: Der Versandriese denkt eher an neue Knotenpunkte mit neuen Verteilzentren in der Bundesrepublik.