Seit Beginn der Covid-19-Pandemie im Januar vergangenen Jahres sind in Deutschland fast 79 000 Menschen an oder mit Corona verstorben. Im Landkreis Bad Kissingen haben wir seitdem den Tod von 94 Pandemie-Opfern zu beklagen (Stand 18. April). Nicht allein, dass ein solcher Todesfall die Hinterbliebenen völlig unerwartet trifft, wird ihnen zudem noch die Abschiednahme vom Verstorbenen erschwert, da besondere Hygiene-Maßnahmen vorgeschrieben sind. Auch für die Bestattungsunternehmen bei solchen Fällen gelten bestimmte Vorschriften.

Obwohl nach einer Weisung des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei Covid-19-Verstorbenen die "berührungslose Abschiednahme am offenen Sarg mit entsprechendem Abstand möglich" wäre, wird dies allerdings von professionellen Bestattern aus Gründen der Pietät gegenüber den Hinterbliebenen abgelehnt, wie Rüdiger Fehr erklärt, Inhaber des Bestattungsunternehmens Apfelbacher & Fehr: "Wir dürfen den Verstorbenen wegen möglicher Infektionsgefahr gar nicht herrichten, wie es für eine offene Aufbahrung wünschenswert wäre."

Dies bestätigt auch seine Kollegin Mona Meder, Inhaberin von Bestattungen Meder: "Es darf nicht mehr eingekleidet werden. Der Sarg wird fest verschlossen, gekennzeichnet und darf nicht mehr geöffnet werden."

Sarg vollständig desinfiziert

So bleibt den Trauernden nur der Abschied am geschlossenen Sarg, der allerdings vollständig desinfiziert wird, so dass nach Fehrs Worten "eine Berührung der Sarg-Außenfläche absolut ungefährlich" wäre. Ansonsten gelten für Trauerfeiern die im Landkreis vorgeschriebenen Abstands- und Hygiene-Maßnahmen unter Beachtung der nach Raumgröße zulässigen Teilnehmerzahl.

"In jedem Fall sollte eine Einzelabwägung erfolgen. Die Gesundheit aller Beteiligten muss immer im Vordergrund stehen", empfiehlt Elke Herrnberger, Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB), dem über 3000 Bestatter in Deutschland angeschlossen sind.

Mit Schutzanzug und Maske

"Belastbare Fakten zur Ansteckungsgefahr von Covid-19-Verstorbenen stehen allerdings noch aus", verweist Herrnberger auf die Wissenschaft. Allerdings sind die Bestatter in solchen Fällen zum eigenen Gesundheitsschutz grundsätzlich an Paragraph 7 der Bayerischen Bestattungsverordnung gebunden. Danach müssen sie bei der Versorgung eines infektiösen Leichnams mit Schutzanzug, mindestens einer FFP2-Maske, Schutzbrille und Handschuhen ausgestattet sein.

Getränktes Tuch oder Plastiksack

Meder: "Der/die Verstorbene wird in ein mit einem geeigneten Desinfektionsmittel getränkten Tuch eingehüllt und/oder in einem Plastik-Leichensack eingesargt." Die hygienische Vollversorgung des oder der Verstorbenen wie das Waschen und Tamponieren entfällt, ergänzt Fehr.

Beide Unternehmen haben bereits einschlägige Erfahrungen, da sie schon einige an oder mit Covid-19 Verstorbene bestatten mussten. Allerdings ist der fachliche Umgang mit infektiösen Toten ohnehin Teil der üblichen Aus- und Weiterbildung für Bestatter, die bei der hygienischen Versorgung immer den Maßgaben des RKI und der berufsgenossenschaftlichen Informationen folgen. Darüber hinaus gab es für die Mitarbeiter "eine präzise Covid-Schulung und gezielte Einweisung zu ihrem eigenen Schutz", berichtet Fehr.

Zwangsläufig entsteht durch die geforderten Sicherheitsmaßnahmen ein erhöhter Material- und Zeitaufwand. Der finanzielle Mehraufwand allein für die Schutzmaterialien, den die Bestatter bei einem Corona-Sterbefall haben, liegt nach einer Mitgliederbefragung des BDB zwischen 80 und 120 Euro. Darin ist der zeitliche und personelle Mehraufwand noch nicht eingerechnet. Ob überhaupt oder in welcher Höhe diese Mehrkosten dem Hinterbliebenen berechnet werden, ist dem Bestattungsunternehmen überlassen.

Jede Beisetzungsart erlaubt

Ungeachtet der wissenschaftlich ungeklärten Frage, ob ein Corona-Infizierter über seinen Tod hinaus anstecken kann, "ist jede Beisetzungsart bei professioneller Handhabung erlaubt", informieren beide Bestatter. Traditionelle Erdbestattungen sind also ebenso möglich wie Feuerbestattungen. Die Feuerbestattung macht generell mit über 70 Prozent ohnehin schon die häufigste Bestattungsart aus.

Zwar melden bei Erdbestattungen von Corona-Toten manche Friedhofsträger schon Bedenken an wegen der Plastikleichensäcke, hat Mona Meder erfahren, "da diese in der Erde nicht verrottbar sind und die Verwesung des Leichnams gehemmt wird". Doch die meisten Krankenhäuser bestehen auf Plastiksäcke, angeblich auch auf Drängen mancher Bestatter.