Das Bayerische Ärzteorchester (BÄO) zählt zu den traditionsreichsten, größten und besten unter den Ärzteorchestern in Deutschland. Mit 180 aktiven Musikern, der Hauptteil davon Medizinstudenten, bietet das Orchester ihnen die Möglichkeit, musikalische Praxis auch über den Studienzeitraum hinaus zu erhalten.
Hervorgegangen ist das BÄO aus dem Orchester der Münchner Medizinstudenten und wurde 1967 von Prof. Dr.
Reinhard Steinberg gegründet, der es auch noch heute leitet. Mit 99 Musikern trat das Orchester jetzt in Bad Kissingen auf, wo es seit Jahren regelmäßig Konzerte gibt. "Das Konzert ist das erste in einer Reihe von drei Konzerten und Auftakt zu einer Konzertreise", erklärte Christoph Windisch aus Rednitzhembach bei Nürnberg. Er ist begeistert von dem Orchester und schon lange dabei. Auch sein 17-jähriger Sohn Constantin spielt bereits zum dritten Mal im Horn-Register mit.
Neben dem Konzert in Bad Kissingen steht noch eines in der Bayreuther Stadthalle auf dem Programm. Das Abschlusskonzert der Reise findet im Herkulessaal in der Münchner Residenz statt.

Ein Neuer im Fagott-Register

Der angehende Arzt Arno Franz (Würzburg) ist mit seinem Fagott ebenfalls zum dritten Mal dabei. Er spielt gleichfalls in anderen Orchestern und habe durch Bekannte von diesem Orchester erfahren. Daraufhin habe er sich mit Reinhard Steinberg in Verbindung gesetzt. Nach einem kurzen Vorspiel, bei dem er sein Können zeigen musste, wurde er als zweiter Fagott eingesetzt.
Das BÄO kommt einmal im Jahr für drei musikalische Veranstaltungen zusammen. Den Konzerten ist jedes Mal eine Probewoche auf Schloss Craheim bei Stadtlauringen vorgeschaltet. Die jährliche Probenzeit wird durch Dozenten der Bamberger Symphoniker und der Münchner Philharmoniker unterstützt. Die intensive Arbeit mit erfahrenen Orchestermusikern werde im Ärzteorchester sehr gerne wahrgenommen, beschleunige sie doch erheblich die handwerkliche und musikalische Durchdringung der vorgenommenen Werke.

Das muss man erlebt haben

"Man trifft sich einmal im Jahr. Manche Musiker bringen nach Craheim ihre Familien mit. Es ist fast wie Urlaub mit Proben", schmunzelt Arno Franz. Die Gemeinschaft und das gute, musikalische Ergebnis, spannende Stücke und gute Musiker, das ist es, was für ihn das Orchester so attraktiv mache. "Es ist schön, unter Kollegen zu sein, gute Stimmung zu haben, tolle anspruchsvolle Musik zu spielen, das macht für mich das Orchester aus. Die Probewoche mit rund 100 Musikern muss man erlebt haben", fügt die Geigerin Margarete Greither hinzu. Sie ist Medizinstudentin im achten Semester und kommt aus München. Sie spielt in München auch im Studentenorchester mit und musste sich nicht groß vorbereiten. Mit der Sinfonie "Aus der Neuen Welt" hat sie schon Erfahrungen.

Das Programm

Im Regentenbau standen die Faust-Ouvertüre d-Moll WV 59 von Richard Wagner, Pegasus 51, Konzert für Jazz-Schlagzeug und Symphonie-Orchester von Wilfried Hillers und Antonin Dvoráks Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 (Aus der Neuen Welt) auf dem Programm. Dabei interpretierten die Musiker ihre Werke auf höchstem Niveau und zeigten sich hoch motiviert, erfrischend spielfreudig und virtuos in ihren Ausführungen. Reinhard Steinberg zeigte sich dabei als feinfühliger Dirigent, der sein Orchester stets fest im Griff hatte, präzise und punktgenau die Einsätze gab. Besonderer Höhepunkt war Claudio Estay Gonzáles, der grandios mit dem Orchester das zeitgenössische Jazz-Stück "Pegasus 51" gab. Mit sehr gut besetzten Registern und ausgezeichneten Solisten waren die aufgeführten Werke ein Hochgenuss, die dem Zuhörer eine Gänsehaut vor Wonne über den Rücken jagen konnten. Dies zeigte sich vor allem beim Hauptwerk - Dvoráks Sinfonie "Aus der Neuen Welt". Ein herausragendes Orchester, das seinen guten Ruf wieder einmal bestätigte, und bei dem der minutenlange begeisterte Applaus mehr als gerechtfertigt war. Einziger Wermutstropfen: Das Konzert hätte mehr Besucher verdient.

Generalprobe für München

Traurig darüber war der Klarinettist Dr. Christoph Windisch darüber dennoch nicht: "Man kann das Konzert hier auch als Generalprobe für den Münchner Herkules-Saal sehen, das am Sonntag stattfindet und bei dem wir mehr Besucher erwarten."