Bis 31. August wird es in ganz Bayern keine Großveranstaltung geben, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Landkreis Bad Kissingen kann sich also auf einen stillen Sommer einstellen. Beliebte Klassiker, die wie das Kissinger Rakoczy-Fest Zehntausende anziehen, wird es in diesem Jahr nicht geben.

Gerhard Schneider vertritt als Geschäftsführender Beamter gerade den Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Noch vor der Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder, der den bayerischen Sonderweg weiter geht, sagte er: "Das Rakoczy-Fest wird entfallen." Ob es noch eine Hoffnung für den Kissinger Sommer gibt, lässt er offen. "Vielleicht sind bis dahin im kleinen Rahmen Konzerte möglich", sagt Schneider. Aber einen vollen Regentenbau wird es heuer sicherlich nicht geben.

Für Kissingen als Festivalstandort kommt das einer Katastrophe gleich. Die Konkurrenz, beispielsweise in Salzburg, ist groß. Wenn die Corona-Entwicklung weitergeht wie bisher, könnten die Klassikfans nach Österreich abwandern. Montag Mittag wird es dazu einen Zusammenkunft mit Intendant Tilmann Schlömp geben. Der glaubt: "Vermutlich müssen wir den Kissinger Sommer, wie wir ihn kennen, im Großen und Ganzen absagen. Das ist sehr enttäuschend, denn da steckt Herzblut drin, wenn ich mir ansehe, wie die Proben gelaufen sind, wie sich die Musiker vorbereitet haben - das ist enttäuschend."

Die Offroad-Messe "Abenteuer Allrad" hat sich schnell angepasst. Thomas Schmitt, Sprecher der Firma pro-log: "Wir können die Messe vom 11. bis 14. Juni nicht durchführen. Aber wir bemühen uns jetzt um einen Ausweichtermin. Ins Visier nehmen wir die September-Mitte. Allerdings müssen wir erst Rücksprache mit unseren Händlern und Ausstellern halten. Über 300 hatten sich im Juni angemeldet - so viele werden es im September sicherlich nicht mehr sein."

Großes Entsetzen herrschte nach Bekanntgabe der langen Einschränkung auch bei Team des beliebten Open airs "Ab geht die Lutzi" in Rottershausen. "Das ist erst mal bitter", fasst Christian Stahl, einer der Organisatoren, zusammen. "Wir müssen uns jetzt erst einmal sortieren." Es gäbe vieles zu klären, Rückgaberechte der Tickets beispielsweise - oder aber auch die Prüfung, ob es Gutscheine für nächstes Jahr geben könnte.

Auch die "Kleinen" erwischt es, wie den TSV Ebenhausen. Die hätten im Mai 100 Jahre Sportverein gefeiert. Festausschuss-Vorsitzender Sebastian Dees: "Vielleicht können wir später im Jahr feiern? Wir wissen es noch nicht. Aber es gibt Schlimmeres, wenn es ganz dumm läuft, feiern wir nächstes Jahr das 101. Jubiläum - die Kosten halten sich bis jetzt in Grenzen."

Münnerstadt: Der neue Rat entscheidet

Besonders schmerzlich trifft die Situation die Stadt Münnerstadt, die in diesem Jahr ihr 1250-jähriges Jubiläum feiern will. Bislang konnte außer dem Neujahrsempfang noch keine der geplanten Veranstaltungen durchgeführt werden. Trotzdem ist Bürgermeister Helmut Blank zuversichtlich, dass das Stadtjubiläum nicht sang- und klanglos der Corona-Epidemie zum Opfer fallen wird. Die Lockerung der kleinen Schritte heißt für ihn auch, dass vielleicht einige Veranstaltungen statt im Juli dann im Laufe des Septembers im kleineren Umfang durchgeführt werden können. Damit wäre auch der Gastronomie und der Geschäftswelt geholfen. Eine Absage des Jubiläums zum jetzigen Zeitpunkt wäre seiner Meinung nach keine Option. Sicher ist aber auch, dass einige Programmpunkte entfallen, so das Konzert des Heeresmusikkorps, weil der Ersatztermin ein Problem sein wird. Letztendlich aber muss der neue Stadtrat entscheiden, wie er vorgehen wird, so Helmut Blank.

Die Verantwortlichen der Münnerstädter Heimatspielgemeinde haben mit diesem zeitlichen Vorgaben fast schon gerechnet, sagt die Vorsitzende Claudia Kind. Betroffen ist auf jeden Fall der 1. Spieltag, der auf das letzte Augustwochenende fällt. Die beiden weiteren Spieltage sind im September geplant. Man müsse jetzt sehen, welche Beschränkungen es genau gibt und dann überlegen, wie die Saison vielleicht doch organisiert werden kann. "Wir müssen gucken, wie die Größenvorgaben sind". Vielleicht lasse sich ja mit Abstandsmaßnahmen etwas machen. "Wir müssen flexibel sein", meint die Heimatspielerin. Auf jeden Fall hat Claudia Kind das Heimatspieljahr noch nicht ganz abgeschrieben.

Sorge um Maßbacher Theater

Maßbachs Bürgermeister Matthias Klement geht davon aus, dass die Veranstaltungsbeschränkungen für die örtlichen Vereine das Ende der Festsaison 2020 bedeuten. Glück im Unglück: Große Jubiläumsveranstaltungen stehen heuer im Markt Maßbach kaum an. Matthias Klement hat Verständnis für die Entscheidung der Staatsregierung und hält die Beschränkungen für gerechtfertigt. "Ich mache mir allerdings Sorgen um unser Theater", sagt Matthias Klement. Für das Theater Schloss Maßbach sei die Freiluftsaison existenziell. Man müsse jetzt sehen, ob sich die Saison regeln lässt, beispielsweise durch Abstandsregelungen für Besucher.

Bad Brückenau: Stadt- und Parkfest abgesagt

Bad Brückenau treffen die Ankündigungen nicht ganz so hart. Die Stadtverwaltung hatte das Stadtfest, das eigentlich Ende Juni hätte starten sollen, bereits Anfang April abgesagt. Der zweite Höhepunkt im Sommer, das Parkfest im Staatsbad Mitte Juli, fällt nun auch aus. Die Vorbereitungen dafür waren aber noch nicht angelaufen, da fraglich erschien, ob überhaupt gefeiert werden könnte.

Bleibt der Pinklauf am 3. Ok tober. In diesem Jahr würde der Charitylauf zugunsten von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, zum zehnten Mal organisiert werden. Viele Vereine wirken hier mit, mehr als 1500 Läuferinnen waren im ver gangenen Jahr dabei. Im Moment sei noch nicht klar, ob der Pinklauf stattfinden könne, sagt Kathrin Romeis-Merten, Leiterin der Tourist-Info. "Wir hoffen natürlich sehr, dass er nicht abgesagt werden muss."

Hammelburg: Viele Vereine betroffen

Hammelburgs Bürgermeister Armin Warmuth geht nach derzeitigem Stand davon aus, dass Veranstaltungen wie Volksfest, Wein- und Gaumenfreuden, Weinfest im Schlossgarten und Höflesfest nicht stattfinden werden. Für das FC-Weinfest gibt es bereits einen Ersatz-Termin am ersten Septemberwochenende. Man hoffe allerdings, von der Regierung noch detaillierte Hinweise zu bekommen, welche Veranstaltungen unter den Begriff "Großveranstaltungen" fallen. Erst dann könne man klare Aussagen treffen, so das Stadtoberhaupt.

Die meisten Feste in und um Hammelburg werden von Vereinen organisiert, wie zum Beispiel Kunst im Schlossgarten (kunstvereint), das Wein- und Gaumenfreudenfest (Weinbauverein) und das Konzert der Wonderfrolleins (kulturbunt) im Juni, die Jubiläumsfeste im Juli von FC Westheim (90 Jahre), Freiwillige Feuerwehr Obereschenbach (145 Jahre) und das Höflesfest im August.

Auch der Truppenübungsplatz hat Jubiläum. Zu dessen 125-jährigem Bestehen soll es einen großen Wandertag am 9. August geben und der wird auch nicht abgesagt. "Wir halten die Fahne hoch", sieht Hauptmann Jörg Göbel noch keinen Grund für eine Absage. "Wandern darf man ja und wir haben fünf Stunden Startzeit, wir haben also noch die Hoffnung, dass er stattfindet", teilt er auf Nachfrage mit. Notfalls entscheide man im Juli die Veranstaltung auf September zu verschieben. Es handele sich nicht um riesige Finanzmittel und abgesagt sei schnell. Aber es wäre schade um die umfangreiche Vorplanung, die die Stabsfeldwebel Andreas Pütz und Heiko Haas übernommen haben, meint Göbel. Gut sieht es auch für die Federweißerfeste aus, die in verschiedenen Orten ab Mitte September geplant sind.

Ausweichtermin steht

Betroffen von den Beschränkungen ist unter anderem auch das viertägige Weinfest des FC Hammelburg, das Mitte Juli zum 65. Mal auf dem Marktplatz stattgefunden hätte. Hier haben sich die Verantwortlichen bereits im Vorfeld wegen der Corona-Pandemie Gedanken gemacht. "Wir haben schon vor zwei Wochen einen Ausweichtermin Anfang September festgelegt", teilt Vorsitzender Alexander Köhler auf Anfrage mit. Er leitet zusammen mit Christian Ohmert und Dimitri Jampolski den Verein. Der Termin ist zwar bereits im Veranstaltungskalender der Stadt eingetragen, ob das Fest dann tatsächlich stattfindet sei jedoch noch nicht klar. Musiker und Stadt seien zwar grundsätzlich damit einverstanden, aber man müsse erst die weitere Entwicklung abwarten. "Es kommt darauf an, unter welchen Auflagen Feste im September stattfinden dürfen und ob wir sie erfüllen können", so Köhler. Schließlich müsse das Fest wirtschaftlich durchführbar sein. Spätestens etwa zwei Monate vorher muss die Entscheidung fallen.