"Traditionsreicher Produktionsstandort": Schließung in Franken löst Protest aus

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Das Playmobil-Werk in Dietenhofen soll nach 57 Jahren geschlossen und die Fertigung ins Ausland verlegt werden. Gegen die Pläne des Spielwarenriesen gab es nun eine Protestaktion vor Ort.

Die Fertigung im Playmobil-Werk im mittelfränkischen Dietenhofen (Landkreis Fürth) wird Ende Juni 2026 eingestellt - nach 57 Jahren. Wie die Horst-Brandstätter-Gruppe mit Sitz in Zirndorf Anfang Februar bekanntgab, sollen die berühmten Playmobil-Figuren zukünftig in anderen Werken des Unternehmens hergestellt werden. Diese Entscheidung hat zur Folge, dass 350 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.

Dietenhofens Bürgermeister Rainer Erdel zeigte sich "fassungslos" über die Nachricht. Er betonte, dass dies nicht nur für die betroffenen Angestellten, sondern für die gesamte Gemeinde ein schwerer Schlag sei. Die Schließung des Werks habe weitreichende Konsequenzen für die lokale Wirtschaft und das soziale Gefüge. Vor dem Produktionsstandort haben am Dienstag (17. Februar 2026) nun zahlreiche Beschäftigte öffentlichkeitswirksam ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. 

Playmobil-Schließung in Dietenhofen: Belegschaft protestiert gegen Arbeitsplatzverlust

Laut Angaben der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) demonstrierten rund 200 Playmobil-Mitarbeiter aus Früh- und Spätschicht gegen die geplante Standortschließung. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten die IGBCE und der Betriebsrat. Sabrina Emrich, Leiterin des IGBCE-Bezirks Nürnberg, sprach sich für eine ergebnisoffene Diskussion über Alternativen aus. Sie verwies auf die Bedeutung der Mitbestimmung in Transformationsprozessen und bezeichnete die Kundgebung als ersten Schritt, um die Geschlossenheit der Belegschaft zu demonstrieren.

"Ihr habt diese Marke aufgebaut, die inzwischen weltweit bekannt ist. Das ist das Ergebnis eurer geleisteten Arbeit. Diese ist kein Kostenfaktor, sondern ein ganz wichtiger Standortvorteil", sagte Emrich an die Protestierenden gerichtet. Der Landesbezirksleiter der IGBCE in Bayern, Harald Sikorski, kündigte an, die Gewerkschaft werde gemeinsam mit den Beschäftigten kämpfen, bis die Unternehmensleitung in Verhandlungen eintrete. Er forderte die Entwicklung von Zukunftskonzepten in Zusammenarbeit mit Betriebsrat und Gewerkschaft.

"Es ist nicht zu akzeptieren, dass das Unternehmen, welches sich durch eure hervorragende Arbeit Jahrzehnte lang am Markt behauptet hat, jetzt bedingt durch Missmanagement und falsche strategische Entscheidungen solche Schritte plant", wird Sikorski in der Mitteilung der Gewerkschaft zitiert. Seine Botschaft: "Wir erwarten, dass in herausfordernden Zeiten gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft Zukunftskonzepte entwickelt werden. So geht man nicht mit Menschen um, die teilweise seit Jahrzehnten hier arbeiten."

"So einfach darf man einen traditionsreichen Produktionsstandort nicht aufgeben"

An der Kundgebung beteiligten sich der Mitteilung zufolge auch Playmobil-Betriebsräte, Vertreter der Betriebsseelsorge sowie Akteure der IG Metall. Die Kundgebung markiert laut IGBCE den Auftakt weiterer Proteste. "Ziel ist es, die Unternehmensleitung zu Verhandlungen über Alternativen zur Standortschließung zu bewegen und Perspektiven für die 350 betroffenen Beschäftigten zu entwickeln", heißt es in der Verlautbarung. "So einfach darf man einen traditionsreichen Produktionsstandort nicht aufgeben."

Als Reaktion auf den massiven Jobabbau hatte Playmobil am 9. Februar angekündigt, den betroffenen Mitarbeitern bei deren "Neuorientierung" zu helfen. Das Unternehmen plant demnach eine entsprechende Jobbörse, um den vom Produktions-Aus in Dietenhofen betroffenen Angestellten Unterstützung und Perspektiven aufzuzeigen. 

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Vorschaubild: © Michael Kniess / IGBCE