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Kulmbach
Ausflugstipp

Markanter Aussichtssturm: Warum der Eklogit-Turm auf dem Weißenstein weltweit einzigartig ist

Der Eklogit-Turm auf dem Weißenstein bei Stammbach (Landkreis Hof) ist ein Unikat. Er diente einst als Wartturm der Plassenburg.
 
Der Weißenstein war ein Wartturm der Plassenburg. Foto: Erich Olbrich
Der Weißenstein war ein Wartturm der Plassenburg. Foto: Erich Olbrich
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Es gibt in der Umgebung von Kulmbach gleich zwei Berge, die den Namen Weißenstein tragen: Einer liegt im Steinwald und ist mit einer Burgruine bekrönt, der andere befindet sich bei Stammbach und hat einen Aussichtsturm. Dieser Turm gehörte zur Kette der Warttürme der Plassenburg. Hier treffen die Landkreise Kulmbach, Bayreuth und Hof zusammen.

Bereits im Mittelalter war der 618 Meter hohe Weißenstein von großer strategischer Bedeutung. Durch seine exponierte Lage gehörte er zu den markgräflichen Warttürmen, man kann von ihm bis zur Kulmbacher Plassenburg und zu weiteren Türmen in der Gegend schauen. Markgraf Friedrich gab die Signaltürme 1498 in Auftrag, der "Hauptmann auf dem Gebirge", Kunz von Wirsberg, übernahm den Bau.

Tag und Nacht besetzt

Notwendig geworden waren sie wegen der Fehde mit den Guttenbergern, die immer wieder zu Plünderungen im markgräflichen Gebiet führte. Die Türme waren stets mit zwei Wachen besetzt, die Tag und Nacht die Umgebung und die anderen Türme beobachteten. Bei Angriffen konnten diese schnell lokalisiert, mit Feuer bei Nacht oder Rauchsignalen am Tage gemeldet und mit bewaffneten Truppen bekämpft werden.

Der Weißenstein gehörte lange Zeit zum Kloster Himmelkron. Die Nähe des Hügels zu Stammbach führte jedoch zu ständigen Konflikten.

So soll der klösterliche Wald um 1550 durch die Stammbacher ziemlich abgeholzt worden sein. Der Hügel zeigte sich anschließend kahl, nur mit kümmerndem Heide- und Beerkraut bewachsen.

Geldstrafe für Holzfäller

Die selbstbewussten Oberländer stellten um 1670 sogar die Besitzansprüche des Klosters infrage und beanspruchten den Wald am Weißenstein für sich. Eine Sachverständigenkommission stellte in den Grundbüchern zu Gunsten der Himmelkroner fest, dass alles so stimmte, wie es war; was die Stammbacher freilich nicht abhielt, weiter Holz einzuschlagen. Ein Gericht verurteilte sie deswegen zu einer hohen Geldstrafe.

Letztmals wurden zwischen 1701 und 1704 Wachen auf dem Weißenstein postiert, weil man Auswirkungen des Spanischen Erbfolgekriegs befürchtete. Die markgräfliche Verwaltung stimmte schließlich 1705 dem Ansinnen der Stammbacher zu, den Berg zu kaufen; wobei der baufällige Turm nicht zum Erwerb zählte.

1707 war der Turm ganz verfallen, ein 1896 errichteter Holzturm hielt den Witterungseinflüssen nicht lange stand, so dass 1898 ein steinerner Rundturm mit einer Höhe von sieben Meter errichtet wurde. Bei seinem Bau stieß man auf die Fundamente eines mittelalterlichen Turms.

Bäume wuchsen zu hoch

1864 ließ Bürgermeister Andreas Schoepf das Gebiet am Weißenstein wieder aufforsten. 1924 folgte der Beschluss, einen neuen, höheren Weißensteinturms zu errichten.

Notwendig wurde dies, weil die 1864 gepflanzten Bäume den nur sieben Meter hohen Turm schnell überragt hatten. Der Entwurf stammte von Architekt Hans Reissinger aus Bayreuth, der bereits den Asenturm auf dem Ochsenkopf geplant hatte. Am 21. Mai 1925 folgte die Einweihung der nun 19 Meter hohen Aussichtswarte, die 14 000 Reichsmark gekostet hatte.

Der neugebaute Turm dürfte weltweit das einzige Gebäude sein, das aus Eklogit erbaut ist. Das Baumaterial wurde direkt unterhalb des Turmes in einem eigens dafür angelegten Steinbruch gebrochen. Eklogit ist ein seltenes, dunkelgrünes Gestein mit auffälligen roten Einschlüssen, schwerer als andere Hartsteine wie Granit oder Basalt. Das Eklogit-Vorkommen am Weißenstein ist das größte in Mitteleuropa. Da das Gebiet unter Naturschutz steht, ist ein Mitnehmen der Steine verboten, aber in der weiteren Umgebung kann man schon noch fündig werden.

Ganzjährig zugänglich

In unmittelbarer Nähe zum Turm informiert heute eine Tafel über die geologischen Besonderheiten des Weißensteins. Der Turm ist ganzjährig öffentlich zugänglich, er bietet grandiose Fernblicke zu den Jurahöhen bei Kulmbach und Lichtenfels, zur Plassenburg, zur Veste Coburg, zum Frankenwald mit Döbraberg und zum Fichtelgebirge mit dem Waldsteinzug, dem Schneeberg und dem Ochsenkopf.

Direkt neben dem Turm befindet sich eine schöne, ganzjährig bewirtschaftete, traditionsreiche Gaststätte. 1899 nur als Unterstandhütte gebaut, wurde sie 1904 ein festes Gasthaus, das 1926 nochmals erweitert wurde.

"Hier stehen wir aus Überraschung, aus übergroßer Verwunderung über das majestätische schöne und weite Natur", schrieb dereinst Benediktiner Stöhr. Und weiter: "Theater, anfangs ganz stumm und ungezwungen, wonnetrunken, entzückt, unentschlossen, wohin wir zuvor die Augen wenden oder heften wollen, und rufen endlich mit Begeisterung aus: ,Gott, wie groß und mächtig bist Du, wie groß und erhaben Deine Schöpfung'."