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Kulmbach
Entdecker-Tour (187)

Kulmbacher Sandler-Werbung: Symbol für Qualität und Echtheit

Ein Haus in der Kronacher Straße in Kulmbach ziert eine Riesenwerbung für etwas, das es längst nicht mehr gibt.
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Vor einigen Jahren war die Sandler-Werbung an dem Gebäude Kronacher Straße 9 noch gut zu sehen, heute verschwindet sie mehr und mehr hinter den größer werdenden Bäumen.Erich Olbrich
Vor einigen Jahren war die Sandler-Werbung an dem Gebäude Kronacher Straße 9 noch gut zu sehen, heute verschwindet sie mehr und mehr hinter den größer werdenden Bäumen.Erich Olbrich

Eine der größten Fassadenbeschriftungen in Kulmbach befindet sich am Anwesen Kronacher Straße 9. Die Firma Fischer und Jistel hatte am 12. April 1977 von der Stadt Kulmbach die Genehmigung erhalten, auf einer Fläche von zehn auf sieben Metern eine Werbung für die Sandlerbräu aufzumalen.

Prüfender Blick in den Humpen

Zu Grunde liegt der Gestaltung die Schutzmarke der Sandlerbräu. Ein Braubursche steht im Keller vor einem Fass mit der Aufschrift "Export seit 1831" und betrachtete prüfend sein Werk im Humpen.

Am Eingang des Kellers hingen das bayerische Wappen und eine Laterne, die den Raum nur spärlich ausleuchtete. Davon ist auf der Fassadenfläche nur noch eine vereinfachte Darstellung übrig geblieben: ein Braubursche, der in seinen gefüllten Krug blickt.

Mit diesem Warenzeichen waren alle Sandler-Ausschankstellen gekennzeichnet, auch jede Flasche und jedes Fass trug es als Sinnbild der Qualität und der Echtheit dieser Marke.

Vorzüglicher Geschmack

Das Sandler-Bier zeichnete sich durch einen ganz vorzüglichen Geschmack aus und wurde hoch geschätzt. Ärzte empfohlen es sogar wegen seiner Bekömmlichkeit und des großen Nährwerts.

Für die Wertschätzung der Sandler-Biere sprachen nicht zuletzt auch die Auszeichnungen, die sie auf zahlreichen Ausstellungen erhielten. Stolz wurden diese Medaillen links und rechts des Brauburschen aufgemalt.

Die Sandlerbräu war die älteste exportierende Brauerei Kulmbachs. Den Grundstein legte der pfiffige Büttner-Meister Lorenz Sandler. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts herrschte ein reger Handel zwischen Kulmbach und Sachsen. Die Fuhrleute nahmen sich gerne ein Fässchen Kulmbacher Bier als Reiseproviant mit.

Das nutzte Lorenz Sandler und gab ihnen einige Fässer mit, die sie unterwegs bei den Schankwirten trinken sollten. Der Versuch klappte, die Fuhrleute brachten sogar weitere Bestellungen für die nächste Fahrt mit.

Ein ausschließlich mit Sandler-Bier beladener Wagen fuhr am 11. Oktober 1831 nach Leipzig, ein Meilenstein in der Kulmbacher Biergeschichte. Die tage-, ja oft wochenlange Fahrt ertrug das Bier nur in den kühlen Monaten des Jahres.

Brauen war nicht einfach

Gebraut wurde im städtischen Brauhaus. Zusammen mit weiteren 50 brauenden Bürgern erzeugte gemäß ausgeloster Reihenfolge auch Lorenz Sandler sein Bier. Er war mit der Situation dort nicht zufrieden, denn er musste brauen, wenn er an der Reihe war. Nicht immer war das Wetter dann günstig, zudem war der Weg in die Lagerkeller weit und beschwerlich.

1850 errichtete Lorenz Sandler ein eigenes Brauhaus im Grünwehr, das 1894 durch eine große Mälzerei erweitert wurde.

Mit der Bahnlinie setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, so war die Sandler-Brauerei durch einen eigenen Gleisanschluss mit dem Bahnhof verbunden und konnte mit 30 eigenen Waggons ihr Bier versenden. Für den internen Rangierdienst besaß die Brauerei eine eigene Lokomotive.

Die Sandler blieb bis 1900 ein reines Familienunternehmen. In dieser Zeit rangierte das Unternehmen unter den sechs großen Kulmbacher Brauereien hinter EKU, Reichel, Petz und Rizzi an fünfter Stelle - noch vor der der Mönchshof.

Erst in den 1920er Jahren verfügte die Brauerei über eine eigene Flaschenabfüllanlage. Das Bier wurde damals in Bügelverschlussflaschen gefüllt. Ursprünglich waren die glatten und schweren Flaschen nur mit einem Etikett versehen, später wurden Name und Zeichen in das Glas eingeprägt.

1986 kamen die Abrissbagger

Rückschläge hatte das Braugeschäft schon im Ersten Weltkrieg und danach erlitten. Das war aber noch kein Vergleich zu den schlechten Zeiten des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit. Davon erholte sich die Sandler-Brauerei nur langsam.1970 folgte der Verkauf an den Oetker-Konzern und 1980 der Weiterverkauf an die Reichelbräu. Die Gebäude des traditionsreichen Familienunternehmens am Schwedensteg wurden 1986 abgebrochen. Dort befinden sich heute der Wohnmobil-Stellplatz, ein Großparkplatz und der Festplatz.

Das süffige Sandler-Bier gibt es nicht mehr, die Werbung an der Kronacher Straße 9 ist erhalten geblieben, wird aber durch immer größer werdende Bäume mehr und mehr verdeckt.

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