Auch eine Einbindung der britischen Atomwaffen wäre denkbar, auch wenn Großbritannien kein EU-Mitglied ist.
Wie steht Merz zum Angebot Macrons?
Der CDU-Chef hatte sich anders als seine Vorgänger bereits im Wahlkampf zu Gesprächen darüber bereit erklärt und das bei seinem Antrittsbesuch in Paris als Bundeskanzler im Mai bekräftigt. Als Unions-Fraktionschef Jens Spahn (CDU) im vergangenen Sommer eine deutsche Führungsrolle in der Diskussion forderte, bremste er aber zunächst. Es handele sich um eine Aufgabe, «die sich allenfalls in der sehr, sehr langen Perspektive hier stellt, weil es da doch eine große Zahl von Fragen zu beantworten gilt».
Seit der Grönland-Krise, die das Vertrauen zwischen den Europäern und den USA massiv beschädigt hat, geht Merz offensiver mit dem Thema um. Ende Januar sagte er erstmals öffentlich, dass es Gespräche über einen europäischen Atomschirm gebe. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz konkretisierte er, dass er auf Spitzenebene mit Macron darüber spreche.
Ist sich die Koalition einig?
Nur so halb. Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil befürwortet die Gespräche mit Frankreich. Verteidigungsminister Boris Pistorius, Parteifreund von Klingbeil und in der Regierung für die deutsche Beteiligung an der nuklearen Abschreckung zuständig, ist skeptischer. Er warnte in München vor Doppelstrukturen und Doppelbemühungen.
Warum ist die Diskussion eine Gratwanderung?
Weil sie die USA verärgern und zu einem Rückzug der US-Atombomben führen könnte nach dem Motto: Dann schützt euch doch selbst gegen russische Atomraketen! Andererseits könnte sich Trump auch unabhängig von der europäischen Debatte für einen Abzug der US-Atomwaffen entscheiden. Dann wäre Europa der atomaren Bedrohung aus Russland schutzlos ausgeliefert.
Wird Deutschland am Ende selbst Atombomben beschaffen?
Das ist nach aktueller Vertragslage nicht möglich. Deutschland hat sich in zwei völkerrechtlich bindenden Verträgen verpflichtet, keine eigenen Atomwaffen zu besitzen: im sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrag im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung sowie im sogenannten Atomwaffensperrvertrag von 1970. Letzterer sieht vor, dass nur die offiziellen Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien Nuklearwaffen besitzen dürfen.
Allerdings gibt es schon Stimmen in Europa, die für eine Abweichung von dem Vertrag sind. Der rechtskonservative polnische Präsident Karol Nawrocki plädiert für eine atomare Bewaffnung seines Landes. «Der Weg zu einem polnischen Atompotenzial – bei allem Respekt für internationale Regelungen – ist der Weg, den wir gehen sollten.»