In welchen Branchen arbeiten sie vor allem?
«Wir finden eigentlich aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit, dass sich die syrischen Geflüchteten gut in den Arbeitsmarkt integriert haben», sagt die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles. Syrische Staatsangehörige arbeiteten vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, in der Pflege, im Handel und in der Logistik. Das seien Branchen, die Arbeitskräfte bräuchten.
Die Beschäftigungsquote liege derzeit für alle syrischen Geflüchteten bei 47 Prozent. Darin sind auch die enthalten, die gerade erst angekommen sind. Bei Männern aus Syrien liegt die Beschäftigungsquote nach Erkenntnissen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) um die 70 Prozent, sie ist damit vergleichbar mit den Deutschen.
Für die Gruppe, die seit 2015/2016 in Deutschland lebt, liege sie sogar bei 60 Prozent. Zum Vergleich: Deutsche Staatsbürger haben eine Beschäftigungsquote von 71 Prozent.
Wie wäre die Lage im Gesundheitssystem ohne Syrer?
Syrische Ärzte bilden laut Deutscher Krankenhausgesellschaft die größte Gruppe unter den ausländischen Ärzten in Deutschland. «Sie haben damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung», sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Henriette Neumeyer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Ende 2024 hätten 5.745 syrische Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern gearbeitet.
Auch in der Krankenpflege seien syrische Fachkräfte von größter Bedeutung. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft gehe von mehr als 2.000 syrischen Pflegekräften in deutschen Krankenhäusern aus. «Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgung», so Neumeyer. «Eine Rückkehr zu forcieren, wäre aus Sicht der Gesundheitsversorgung nicht produktiv.»
Wie ist die Lage in Syrien?
Die politische und sicherheitspolitische Lage in Syrien ist mehr als ein Jahr nach dem Sturz Assads weiterhin fragil. Es kam seitdem zu mehreren Gewaltwellen, bei denen Hunderte Menschen getötet wurden. Es gab Gefechte mit Minderheiten wie den Drusen im Süden oder den Alawiten an der Küste. Anfang des Jahres kam es zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und kurdisch dominierten Kräften im Norden des Landes. Fachleute warnen auch vor einem Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
Besonders die von der einstigen Opposition gehaltenen Gebiete sind noch immer stark zerstört. In vielen großen Städten liegen ganze Viertel in Trümmern. Ein Leben ist dort kaum möglich.
Werden die in Deutschland lebenden und hier ausgebildeten Syrer dort nicht dringend gebraucht?
Ja, die erworbenen Ausbildungen können beim Wiederaufbau des Heimatlandes hilfreich sein, finden Wissenschaftler. Umgekehrt kann aber auch Deutschland profitieren, wenn Netzwerke entstehen und Deutschland am Wiederaufbau und auch in der Zeit profitiert, erläutert IAB-Forscher Weber. «Es geht um die Zukunft eines Landes - und Deutschland hat die Chance, daran Anteil zu nehmen.»