Verheerender Waldbrand auf dem Brocken - Feuerwehr hat schlimmen Verdacht

4 Min

Am Wochenende hielt ein großflächiger Waldbrand am Brocken die Feuerwehr in Atem - unter anderem waren Löschflugzeuge im Einsatz. Nun gibt es erste Mutmaßungen zur Brandursache.

Update vom 09.09.2024: Verheerender Waldbrand am Brocken - war es Brandstiftung?

Lange Rauchschwaden am Brocken, Feuerwehren, Flugzeuge und Hubschrauber im Dauereinsatz bei Sommerhitze: Am höchsten Berg des Harzes haben Einsatzkräfte am Boden und aus der Luft das gesamte Wochenende über gegen einen großen Waldbrand gekämpft. Nachdem eine Ausbreitung des Feuers inzwischen verhindert werden konnte, richtet sich der Blick nun vor allem darauf, wie der Brand ausgebrochen ist und welche Rolle das Totholz bei der Bekämpfung des Feuers spielt.

Der Harzer Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse hält es für möglich, dass das Feuer bewusst gelegt worden ist. "Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen", sagte Lohse der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies darauf, dass das Feuer am Freitag zeitgleich an mehreren Stellen ausgebrochen war. Die Brandstellen hatten sich später zu einer größeren Feuerfront vereinigt.

"Ist nicht ausgeschlossen" - Wurde der Brand am Brocken gelegt?

Die Polizei teilte auf Anfrage mit, dass ein Brandermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. Nähere Angaben zur Brandursache seien aber erst möglich, wenn man den Brandort untersuchen könne, hieß es. Der Harzer Nationalparkchef Roland Pietsch geht nicht von Brandstiftung aus. "Aufgrund der Unzugänglichkeit des Geländes halte ich es für unwahrscheinlich, dass dort an acht Stellen in naher zeitlicher Reihenfolge Feuer gelegt werden konnte", sagte Pietsch der Deutschen Presse-Agentur. 

Rund um den Gipfel war am Wochenende immer wieder das Dröhnen der Löschhubschrauber zu hören, die nacheinander Wasser über den Flammen abwarfen. Auch Löschflugzeuge waren immer wieder unterwegs. Am Samstagabend war es den Einsatzkräften schließlich gelungen, eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. In der Nacht zu Sonntag wurden die Arbeiten unterbrochen, es gab aber Patrouillenfahrten. Ziel sei es, den Brand am Sonntag so weit zu löschen, dass nur noch Nachlöscharbeiten notwendig seien, sagte Lohse.

Vor Ort hofften die Einsatzkräfte auf Regen am Sonntagabend. Doch es blieben Zweifel. Oft regne es sich im Westharz ab, sagte der Leiter des Krisenstabes, Immo Kramer, der dpa. "Im Ostharz bleibt oft nicht mehr so viel übrig." Die Flugzeuge und Hubschrauber sollten noch bis Sonntagabend im Einsatz sein. "Bis Sonnenuntergang wird weitergeflogen", sagte Kramer. Am Montag könnten dann vor allem Einsatzkräfte am Boden im Brandgebiet nach Glutnestern suchen.

"Bis Sonnenuntergang wird weitergeflogen" - Feuerwehr noch auf der Suche nach Glutnestern 

Kramer dankte der Bevölkerung und Gastronomen, die die Einsatzkräfte mit Kuchen und anderen Lebensmitteln versorgten. Die Anteilnahme sei groß, sagte Kramer. Die Feuerwehrleute arbeiteten in Schichten und seien froh über die Unterstützung. Vor zwei Jahren hatte der Landkreis den Katastrophenfall wegen eines Brandes am Brocken ausgerufen. Damals war es genau die gleiche Stelle wie jetzt.

"Vieles, was wir 2022 gelernt haben, wurde jetzt umgesetzt", sagte Sachsen-Anhalts Forstminister Sven Schulze (CDU). Die nun betroffene Fläche sei größer als damals, gleichzeitig sei aber weniger Personal und mehr Technik im Einsatz. Er danke allen Kräften für ihren großen Einsatz, so Schulze. Krisenstabsleiter Kramer forderte mehr Engagement von EU, Bund und Ländern bei der Anschaffung von Löschflugzeugen in den nächsten Jahren. "Solche Brände werden auch andere Regionen in Deutschland treffen", sagte er. Darauf müsse man sich vorbereiten, die Refinanzierung der Kosten könnten die Kommunen nicht dauerhaft allein stemmen.

Auch die Diskussionen über das Totholz gehen weiter. Dieses ist laut Brandexperten einer der Gründe für die erhöhte Brandgefahr und erschwerte Brandbekämpfung. Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes warnte erneut vor leichtfertigem Umgang mit Totholz in den Wäldern. Der Verband forderte ein sinnvolles Flächenmanagement im Waldbau. Das beginne mit einer vernünftigen Kartierung, aber auch die Bewirtschaftung und das Management des Totholzes müsse verbessert werden, hieß es. 

Stehendes Totholz gleiche Feuerfackeln, sagte auch Kramer. Die Kombination mit dem trockenen Gras sorge für weite Funkenflüge, sodass immer wieder auch neue Glutnester entstehen könnten. Das Feuer war am Freitag am Königsberg ausgebrochen, einer Nebenkuppe des Brockens, und breitete sich auf eine Länge von rund 1.000 Metern aus. Das Gebiet ist derzeit für Touristen gesperrt. 

Am Freitagnachmittag wurden rund 500 Menschen mit Bussen vom Brocken in Sicherheit gebracht. Es handelte sich laut dem Landkreis Harz um Wanderer und Sportler. Der Weg zum Brocken gilt als einer der meistfrequentierten Wanderwege im Nationalpark Harz. Es war nicht der einzige Brand, der am Wochenende in Sachsen-Anhalt wütete: Bei Oranienbaum im Osten des Landes war eine Fläche von 50 bis 55 Hektar betroffen. Insgesamt waren rund 280 Einsatzkräfte vor Ort, auch Löschhubschrauber unterstützen die Arbeiten. Der Waldbrand war am Freitag in der Nähe der Bundesstraße 107 und eines Wohngebietes sowie unweit einer munitionsbelasteten Fläche ausgebrochen.

Ursprungsmeldung: Waldbrand am Brocken: Feuer breitet sich aktuell nicht weiter aus - 180 Kräfte im Einsatz

Am Freitag (6. September 2024) war ein Brand am Brocken im Harz (Sachsen-Anhalt) ausgebrochen, eine große Feuerfront bildete sich und breitete sich weiter aus. Jetzt gibt es ein erstes positives Signal.

Das Feuer am höchsten Berg Norddeutschlands, der sich in der Gemarkung Schierke der Stadt Wernigerode befindet, breitet sich aktuell nicht weiter aus. "Es ist uns gelungen, unter dem Einsatz von viel Manpower und auch Technik, das Feuer jetzt zu fixieren. Das heißt, es breitet sich im Moment nicht weiter aus", sagte der Harzer Kreisbrandmeister am Samstagnachmittag (7. September 2024) in Schierke am Fuß des Brockens. Es werde nun bis in die Nacht weiter gelöscht. Das Feuer brenne auf einer Länge von rund 1000 Metern. 

Feuer am Brocken im Harz auf 1000 Meter Länge: Kreisbrandmeister informiert über aktuellen Stand 

Zur erwarteten Dauer des Einsatzes sagte Lohse: "Wir rechnen mit mehreren Tagen, hoffen aber, dass mit Änderung der Großwetterlage am Montag hier Schluss ist." Derzeit seien 180 Einsatzkräfte unterwegs. Technisch seien es vier Löschflugzeuge und zwei Hubschrauber, dazu ein Erkundungshubschrauber der Landespolizei Thüringen. Erwartet würden noch drei Löschhubschrauber der Bundeswehr. Gegenwärtig sei man dabei, die Logistik aufzubauen, da die Hubschrauber und Flugzeuge nicht überall landen könnten. Es ginge zudem darum, das Betanken mit Sprit und Wasser sicherzustellen, sagte Kramer.

Das gesamte Gebiet im Nationalpark ist nach Angaben vom Freitag gesperrt, alle Veranstaltungen rund um den Brocken sind abgesagt worden. Der Kreis rief die Menschen auf, Straßen und Zufahrtswege rund um Schierke und den Brocken freizuhalten und die Einsatzkräfte nicht zu behindern. Die Harzer Schmalspurbahnen teilten mit, dass wegen des Waldbrandes die Strecke zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken gesperrt ist. Am Brocken bildeten die Stadt Wernigerode und der Landkreis einen gemeinsamen Einsatzstab.

Am Freitagnachmittag wurden rund 500 Menschen mit Bussen vom Brocken in Sicherheit gebracht. Es handele sich um Wanderer und Sportler, sagte ein Sprecher des Landkreises. Der Weg zum Brocken gilt als einer der meistfrequentierten Wanderwege im Nationalpark Harz. Grundsätzlich ist das Gelände sehr schwer zugänglich.

Vorschaubild: © Swen Pförtner (dpa)