Die Reform des Heizungsgesetzes sorgt für Unsicherheit: Welche Kosten kommen auf Mieter und Eigentümer zu? Details zum Schutz vor steigenden Nebenkosten fehlen bislang.
Nach der Einigung der schwarz-roten Koalition auf eine Reform des Heizungsgesetzes bleibt unklar, wie Mieterinnen und Mieter vor dem Risiko steigender Heizkosten geschützt werden sollen. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums konnte am Tag danach keine Details nennen und verwies auf nun nötige Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung.
Die von der Ampel-Regierung beschlossene Regelung, wonach jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollte, soll wegfallen. Der Einbau von Gas- und Ölheizungen soll weiter möglich sein, wenn ab 2029 anteilig klimafreundliche Brennstoffe genutzt werden.
Warum der Mieterbund Kostensteigerungen fürchtet
Der Deutsche Mieterbund sowie viele Experten fürchten Kostensteigerungen für Mieterinnen und Mieter. So verteuert der CO2-Preis das Heizen mit fossilen Brennstoffen, Netzentgelte dürften steigen beziehungsweise mit dem Umstieg auf Fernwärme und Wärmepumpen auf weniger Schultern verteilt werden - und schließlich könnten wegen Knappheit die Preise klimafreundlicher Gase steigen.
«Vermieter entscheiden über Heizung, Energieträger und Gebäudezustand - die daraus resultierenden Heiz- und Investitionskosten werden aber von den Mietern getragen», erklärte DMB-Präsidentin Melanie Weber-Moritz. Besonders Menschen mit niedrigerem Einkommen, die in Gebäuden mit hohem Energieverbrauch wohnten, treffe dies.
Biogas derzeit deutlich teurer als Erdgas
Aktuell ist das von der schwarz-roten Koalition fürs Heizen ins Spiel gebrachte Biogas für Verbraucher deutlich teurer als herkömmliches Erdgas. Laut Vergleichsportal Verivox liegt der Durchschnittspreis dieser Gastarife derzeit rund 25 Prozent über denen von Gas ohne Bioanteil. Auf die Bewohner eines Einfamilienhauses mit Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden könnten damit nach Verivox-Rechnung Mehrkosten von rund 492 Euro zukommen.
«Wer bei einer neuen Heizungsanlage auf eine reine Gasheizung mit Biogas-Anteil setzt, muss mit höheren Brennstoffkosten rechnen», erklärt Verivox. «Wer stattdessen eine Wärmepumpe einbaut, hat zwar höhere Anschaffungskosten, spart aber bei den Energiekosten.» Welche Heizung sich in welchem Zeitraum rechne, hänge von baulichen Gegebenheiten ab. Dafür rät Verivox zu einer Energieberatung.
Die Beratungspflicht vor dem Einbau einer neuen Gas-, Öl- oder Holzheizung soll nach dem Willen der Koalition entfallen. Es solle keinen Zwang geben, die nötigen Informationen seien vorhanden, sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt, es sei unklar, ob künftig genug grüne Gase zur Verfügung stünden und rät: «Wer jetzt über die Anschaffung einer neuen Heizung nachdenkt, sollte zunächst eine gute und unabhängige Beratung in Anspruch nehmen und keine übereilten Entscheidungen treffen.»