Tatsächlich steht Kanada in der Rangfolge der wichtigsten Importländer für Deutschland nur auf Rang 31, weit hinter China, den Niederlanden und den USA, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. Und bei den Exporten deutscher Firmen kommt Kanada lediglich auf Platz 25 mit einem Volumen von 12,5 Milliarden Euro.
«Potenzial längst nicht ausgeschöpft»
Mit Kanada habe die EU durch das Handelsabkommen CETA bereits eine Grundlage, um die Wirtschaftsbeziehungen weiter zu verbessern, erklärte Treier. «Seit dem vorläufigen Inkrafttreten des Abkommens 2017 ist der Warenhandel zwischen der EU und Kanada um 76 Prozent gewachsen - dennoch ist das Potenzial längst nicht ausgeschöpft.»
Nach Zahlen des BGA ist der Warenhandel zwischen EU und Kanada seit dem vorläufigen Inkrafttreten von CETA zwar binnen acht Jahren von gut 46 auf 81,5 Milliarden Euro gewachsen. Trotzdem mache Kanada nur rund 1,8 Prozent des EU-Warenaußenhandels aus.
Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen
Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada hatte sich in den vergangenen Wochen hochgeschaukelt. Die nun verkündeten Einfuhrverbote träfen einen Warenwert im einstelligen Milliarden-Dollar-Bereich, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter. Dabei geht es unter anderem um Motorräder und Mopeds sowie bestimmte Weine, Biere, Wodka und Schnäpse sowie einige Molkereiprodukte. Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump zudem das Beschaffungswesen von US-Behörden angewiesen, künftig keine kanadischen Produkte mehr zu beziehen.
Zugleich passte die US-Regierung ihre Zölle für einige Produkte an. Für Waren wie Steinsalz und Zement sollten die Einfuhraufschläge mit Wirkung zum 15. September wegfallen, während etwa Geländefahrzeuge und weitere Molkereiprodukte zusätzlich auf die Liste hinzugefügt wurden.
Kanada wehrt sich
Erst in der Nacht zum Dienstag waren kanadische Gegenzölle auf US-Importe in Kraft getreten - etwa auf Produkte aus den Bereichen Stahl und Aluminium, Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Ausrüstung, Papier und Elektronik.
Die Handelsgespräche zwischen den USA und Kanada waren zuvor gescheitert. Die USA hatten danach im August Zölle von bis zu 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar verhängt, darunter Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein.
Trump begründet seine Zölle unter anderem damit, dass Kanada die Vereinigten Staaten seit Jahren «ausbeute». Er behauptete, dass sein Land nicht auf den Handel mit dem Nachbarn angewiesen sei. Dabei ist Kanada laut US-Daten der zweitgrößte Handelspartner der USA.
Sinkende Preise für deutsche Verbraucher?
DIHK und BGA erwarten, dass künftig mehr kanadische Waren nach Europa kommen. «Eine massive Warenumleitung nach Europa würde ich trotzdem nicht erwarten», sagte Jandura. Produkte ließen sich nicht beliebig von einem Markt auf den anderen umleiten. «Kanadische Waren werden jetzt nicht plötzlich zum Schnäppchen im deutschen Supermarkt. Aber mehr Angebot bedeutet mehr Wettbewerb - und das ist grundsätzlich gut für Händler und Verbraucher.»