"Ethnische Säuberung": Merz geht hart mit AfD ins Gericht

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Bundeskanzler Merz und AfD-Chefin Weidel sind am Mittwoch im Rededuell direkt aufeinandergetroffen. Die Angriffe von Weidel konterte Merz dabei mit großer Wucht.

Update vom 09.09.2026, 14.55 Uhr: Merz wirft AfD "ethnische Säuberung" vor": Hitzige Generaldebatte im Bundestag

Drei Tage nach dem überwältigenden Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Partei im Bundestag scharf kritisiert. Er beschuldigte die Partei in der Generaldebatte zum Haushalt unter anderem der "Verachtung unserer demokratischen Institutionen" und einer "permanenten Herabsetzung der Repräsentanten unseres Staates". "Sie wollen unser Land destabilisieren", sagte der CDU-Vorsitzende.

Zuvor hatte AfD-Chefin Alice Weidel als erste Rednerin erklärt, dass die schwarz-rote Koalition aus ihrer Sicht am Ende sei. "Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben es Ihnen in der Sprache des demokratischen Souveräns mit aller Klarheit mitgeteilt: Schwarz-Rot ist vorbei", sagte die Oppositionsführerin. Klöckner droht AfD-Abgeordneten mit Ausschluss.

Abgeordnete stören Rede: Klöckner muss eingreifen

Merz wurde während seiner gesamten Rede von Zwischenrufen der AfD unterbrochen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner rügte zweimal das Verhalten der Abgeordneten der Partei, die vom Verfassungsschutz in mehreren Bundesländern als rechtsextremistisch eingestuft wird. "Wir sind hier nicht auf dem Fußballplatz", sagte die CDU-Politikerin – und drohte den Abgeordneten, sie aus dem Plenarsaal zu entfernen. "Wenn das hier nochmal passiert, so ein Verhalten, schmeiß' ich Sie raus."

Es war das erste Aufeinandertreffen von Merz und Weidel nach dem Erdrutschsieg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt. Sie konnte ihr Ergebnis von 2021 dabei mehr als verdoppeln und wurde mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Mit Hilfe des BSW könnte sie nun eine Regierung bilden – ob das BSW dafür zu gewinnen wäre, ist aber noch nicht klar. Die CDU fiel dagegen um fast 20 Prozentpunkte auf nunmehr 17,2 Prozent ab.

Für das Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wird in der CDU der Kanzler mitverantwortlich gemacht. Er hatte schon am Montag Fehler und Defizite eingeräumt und versprochen, die Politik der Bundesregierung besser erklären zu wollen. Man müsse "die Menschen auch in ihrer ganzen Emotionalität" stärker erreichen. Die Generaldebatte war die erste Gelegenheit, sein Versprechen wahrzumachen. In seiner Rede konzentrierte er sich jedoch zunächst darauf, die stärkste Oppositionspartei zu attackieren – als ob er selbst der Oppositionsführer wäre. "Ja, Frau Weidel, heute können Sie vor Kraft kaum laufen", so begann er seine Rede. Minutenlang arbeitete er sich an der Auftaktrede der AfD-Chefin ab, kritisierte ihre Haltung zu Russland und ihre Energiepolitik.

Merz wirft AfD "ethnische Säuberung" vor

Die schärfste Attacke erfolgte jedoch beim Thema Migration. Merz warf der AfD auch im Hinblick auf den von ihr verwendeten Begriff "Remigration" vor, "ethnische Säuberung" nach Herkunft und Hautfarbe betreiben zu wollen. Dass die AfD in Sachsen-Anhalt nicht die absolute Mehrheit erreicht hat, wertete Merz als Misserfolg. Die Partei habe damit ihr Wahlziel verfehlt, alleine regieren zu können. Er bezichtigte die AfD in Sachsen-Anhalt auch des "Wahlbetrugs", weil sie nun nach Möglichkeiten sucht, mit Hilfe anderer an die Regierung zu kommen – obwohl sie das vorher ausgeschlossen habe.

Für die bevorstehenden Wahlen prophezeite Merz der AfD: "Nirgendwo in Deutschland werden Sie mit dieser Politik Mehrheiten bekommen." Was die eigenen Konsequenzen aus der Wahl angeht, blieb Merz bei dem, was er schon in den vergangenen Tagen gesagt hatte. Er bekräftigte, an seinem Reformkurs festhalten zu wollen, auch wenn man sich "Details anschauen" müsse. Merz wiederholte auch, dass es gerade für die jüngeren Generationen eine neue Erzählung geben müsse, welchen Sinn die Reformen machten. Merz hatte dafür bereits den Titel "Wohlstand für alle Generationen" kreiert. Was das konkret bedeuten könnte, verriet der Kanzler jedoch noch nicht.

Ursprungsmeldung vom 09.09.2026, 10.21 Uhr: Weidel schießt scharf gegen Kanzler Merz

AfD-Chefin Alice Weidel hat ihre Rede in der Haushaltsdebatte des Bundestages für scharfe Angriffe Richtung Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) persönlich genutzt. Merz sei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht nur abgestraft worden, die CDU sei "pulverisiert" worden, sagte sie beim ersten direkten Aufeinandertreffen mit dem Kanzler nach dem denkwürdigen Wahlsonntag. 

Merz habe die Botschaft der Wähler in Sachsen-Anhalt nicht verstanden. "Das ist auch nicht weiter relevant, weil Ihre Zeit ist ohnehin abgelaufen. Die Bürger wollen den Politikwechsel, und sie werden ihn bekommen", sagte Weidel. Sie wiederholte das Ziel ihrer Partei, absehbar im Bund zu regieren. 

Weidel: AfD will im Bund regieren - CDU in Sachsen-Anhalt "pulverisiert"

In ihrer Rede griff Weidel die Migrationspolitik der Regierung an und machte diese verantwortlich für Kriminalität und Probleme der inneren Sicherheit im Land. In der Außenpolitik warf sie der Bundesregierung "Kriegspropaganda" und eine Verschärfung der Konfrontation mit Russland vor. Die AfD-Chefin kritisierte erneut auch die Energiepolitik. Die Energiewende erdrücke die Wirtschaft. "Die Energiewende ist verlorenes und verbranntes Geld."

Weidel sieht die schwarz-rote Koalition im Bund nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ohnehin am Ende. "Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben es Ihnen in der Sprache des demokratischen Souveräns mit aller Klarheit mitgeteilt: Schwarz-Rot ist vorbei", sagte sie. Die Menschen wollten einen Politikwechsel und kein Weiter-so.

Weidel griff auch die Finanzpolitik der Bundesregierung an und warf Merz eine beispiellose Schuldenpolitik vor. Die Staatsfinanzen seien zerrüttet. Er hinterlasse "verbrannte Erde". "Sie treiben Deutschland in Rekordzeit in die Staatspleite", sagte Weidel. Der Haushaltsentwurf der Regierung sei eine Kapitulationserklärung der Koalition und verfassungswidrig. 

Vorschaubild: © Christoph Soeder/dpa