2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei ihren ersten beiden Sitzungen dieses Jahres legte sie dann Pausen ein. Angesichts der unsicheren Weltlage bei zeitgleich hoher Inflation rücken Zinssenkungen in weite Ferne.
Ökonomen erwarten, dass es im Jahresverlauf maximal noch zu einer Lockerung um 25 Basispunkte auf 3,25 bis 3,5 Prozent kommen könnte. Entscheidend dürfte dabei sein, wie sich die Lage im Iran weiter entwickelt und welche Rolle der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh spielt, der auf Powell folgen soll. Dieser war nur wenige Stunden vor dem Zinsentscheid vom Bankenausschuss des Senats bestätigt worden. Nun muss der gesamte Senat noch grünes Licht geben.
Ökonomen befürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt Zinslockerungen erwirken könnte. Darauf angesprochen, gab Powell zu, dass er die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr sehe. Powell könnte im Vorstand bleiben wollen, um ein Gegengewicht zu Warsh darzustellen.
Angst vor politischer Einflussnahme auf Fed durch Trump
Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Teuerungsrate und möglichst starker Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Fed das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Zuletzt erhöhte die Notenbank ihre Erwartungen an die Teuerungsrate von 2,4 auf nun 2,7 Prozent im laufenden Jahr. Sie liegt damit deutlich über ihrem eigenen Zwei-Prozent-Ziel.
Trump könnte über Warsh versuchen, erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen zu nehmen. «Gerade bei steigender Inflation sind Glaubwürdigkeit und Erwartungsteuerung der Fed entscheidend», kommentierte Stephan Bales von der Förderbank KfW. Trump hatte klargemacht, dass er Warsh vorgeschlagen hatte, weil dieser Zinserhöhungen ablehnt.
Augen auf EZB gerichtet
Ein Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank wird am Donnerstag erwartet. Dabei dürfte die Notenbank den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins erneut bei 2,0 Prozent belassen. Zwar hat der Iran-Krieg die Inflation im Euroraum nach oben getrieben auf 2,6 Prozent im März und damit weit über das mittelfristige Inflationsziel der EZB von 2,0 Prozent. Doch Ökonomen gehen davon aus, dass die Notenbank weitere Daten abwartet, um die Folgen des Iran-Krieges besser beurteilen zu können.
Dass die EZB notfalls bereit wäre zu handeln, hat Präsidentin Christine Lagarde mehrmals betont. Der Krieg im Nahen Osten werde sich kurzfristig durch höhere Energiepreise «erheblich auf die Inflation auswirken», warnte sie kürzlich beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Allerdings würden höhere Zinsen Kredite für Firmen und Verbraucher verteuern. Die EZB steckt in einer Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudämmen, läuft sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen.