«Kaufe sie, sie ist noch nicht vergewaltigt worden»
«Bevor er mich gekauft hat, hat er mich angeschaut», sagte sie in ihrer Aussage. Er habe ihren Schleier abgenommen und ihr Haar betrachtet. «Er und seine IS-Freunde verspotteten mich und sagten: Kaufe sie, sie ist noch nicht vergewaltigt worden.» Damals war sie noch ein Kind: «Meine ganze Kindheit war Gewalt.»
Das Gericht geht davon aus, dass sie auf Vorschlag der Angeklagten in den Haushalt geholt wurde, damit ihr Mann sich keine zweite Ehefrau sucht. «Da schien ihr eine zweite Sklavin das geringere Übel, weil man sie auch wieder verkaufen konnte.»
In dem Haushalt des Ehepaares habe sie Geschirr spülen und putzen müssen - und sei nachts von dem Angeklagten vergewaltigt worden. «Er hat einen Stock geholt und auf meine Fußsohlen eingeschlagen», sagte sie. Und: «Er hat mich dazu gezwungen, mit ihm zu schlafen.» Zuvor habe er das zweite jesidische Mädchen, das er in seiner Gewalt hatte, und das damals höchstens sieben Jahre alt war, ebenfalls vergewaltigt. Dieses Mädchen hatte die Angeklagte sich laut Gericht als sogenannte «Brautgabe», als Hochzeitsgeschenk, gewünscht.
Einmal habe die Angeklagte sie angezogen und geschminkt, bevor der Mann sie dann fesselte und vergewaltigte - so schilderte es die junge Frau vor Gericht.
Anklägerin sprach von «monströser Gewalt»
«Die monströse Gewalt liegt so fern jeglicher Menschlichkeit, dass sie unwirklich erscheint», erklärte die Vertreterin des Generalbundesanwalts. Alles habe dem Ziel des IS gedient, den jesidischen Glauben zu vernichten. Die heute 30-jährige Ehefrau, die sich einem Gutachter gegenüber einsichtig und Reue gezeigt («moralisch waren meine Augen zu»), hatte sich im Prozess entschuldigt und in ihrem letzten Wort gesagt: «Es tut mir leid». Ihr Ehemann äußerte sich nicht.
Im August 2014 führte der IS einen Angriff auf das Siedlungsgebiet der Glaubensgemeinschaft der Jesiden im Umkreis des im Nordwesten des Iraks gelegenen Sindschar-Gebirges durch. Er hatte zum Ziel, die jesidische Religion zu vernichten, indem ihre Angehörigen zwangskonvertiert, religiös umerzogen, verschleppt, versklavt, Frauen und Mädchen vergewaltigt und Männer, die nicht konvertieren wollten, hingerichtet wurden.
Nach dem Auslaufen der UN-Mission Unitad teilte das Auswärtige Amt damals mit: «Insbesondere Verbrechen gegen Minderheiten wie die jesidische Gemeinschaft in Irak konnten so dokumentiert werden.» Und weiter: «Dank der Arbeit des Unitad-Teams konnten 68 Massengräber identifiziert und exhumiert werden.»
Er hoffe, «dass dieser Strafprozess zur historischen Aufarbeitung» beitrage, sagte der Vorsitzende Richter. Und dass er «dem Volk der Jesiden ein Stück seines Selbstvertrauens und seiner Hoffnung zurückgibt».