In der kommenden Woche ist die schwarz-rote Bundesregierung ein Jahr im Amt. Die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit sinkt dramatisch. Die Union sieht nur einen Weg, aus dem Tief herauszukommen.
Die Union will mit schnellen Reformbeschlüssen Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung zurückgewinnen. «Wir müssen zu politischen Entscheidungen kommen», forderte Unions-Fraktionschef Jens Spahn zum Auftakt einer zweitägigen Klausurtagung der Führung der Bundestagsfraktion in Berlin.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht fest davon, dass als erster Schritt das Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung und die Eckpunkte für den Haushalt 2027 wie geplant am Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden. Er könne das «mit einem ziemlich klaren Ja beantworten», sagte er am Rande der Klausur. Er stieß am Abend für eine Aussprache zu den Beratungen hinzu.
Die Abstimmungen über die Gesundheitsreform seien in der Schlussphase, aber der Regierungsentwurf sei «praktisch fertig und verabschiedungsreif», so Merz. Bei den Eckwerten des Haushaltes gebe es «noch ein paar Themen», die besprochen werden müssten.
Union und SPD hatten beim jüngsten Koalitionsausschuss vereinbart, das Sparpaket für die Krankversicherungen an diesem Mittwoch zusammen mit dem Haushalt im Kabinett zu beschließen. Der Entwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht vor, dass die gesetzlichen Krankenkassen im nächsten Jahr um 19,6 Milliarden Euro entlastet werden. Im Blick stehen Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und der Pharmabranche - aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der Mitversicherung von Ehepartnern.
«Reden und Gastbeiträge alleine, die reichen nicht»
Spahn wies darauf hin, dass die nächsten Reformschritte die Steuerreform und die Rentenreform seien. Es gehe darum, «einen Unterschied in der Sache zu machen», aber vor allem auch darum, «Vertrauen wiederzugewinnen», sagte Spahn. «Pressekonferenzen, so wichtig sie sind, Reden und Gastbeiträge alleine, die reichen nicht.»
Am Dienstag will der Fraktionsvorstand, dem rund 60 der 208 Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU angehören, ein Positionspapier beschließen, in dem die Dringlichkeit «mutiger Strukturreformen» betont wird. Wachstum sei Voraussetzung einer soliden Haushaltspolitik, einer starken Sozialpolitik und einer selbstbewussten Außen- und Europapolitik. «Hier braucht es mehr Tempo und konkrete Reformanstrengungen noch in den nächsten Monaten.»
Koalition im Umfragekeller
Die Union hofft, mit den weitreichenden Reformentscheidungen den Abwärtstrend in den Umfragen zu drehen. Nächste Woche, am 6. Mai, ist die schwarz-rote Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) ein Jahr im Amt. In den Umfragen ging es in dieser Zeit nach unten. Union und SPD liegen zusammen nur noch zwischen 36 und 42 Prozent und hätten damit keine parlamentarische Mehrheit mehr. Bei der Bundestagswahl waren es noch 44,9 Prozent.