Zugleich erneute die Commerzbank Zweifel an der hohen Zustimmung zu dem Übernahmeangebot. Nach eigenen Informationen belaufe sich die Summe der von Profi- und Privatanlegern angedienten Aktien auf weniger als zwei Prozent, schrieb sie. «Die angedienten Aktien stammen überwiegend von mit der Unicredit verbundenen Banken und Parteien.» Es sei weiter nicht transparent, «in welchem Umfang geliehene Aktien angedient und welche Absicherungsvereinbarungen in diesem Kontext getroffen wurden».
Noch Hürden bis zu einer Übernahme
Mit dem höheren Anteil der Unicredit wird eine Übernahme der 156 Jahre alten Commerzbank wahrscheinlicher. Die Unicredit kann an der Börse weitere Aktien kaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Damit eine Übernahme kommt, müssten aber nicht nur mehr Commerzbank-Aktionäre ihre Anteile verkaufen, sondern auch die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.
Dennoch ist der Druck auf die Commerzbank nochmals gestiegen. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) appellierte an Commerzbank und Unicredit, sich an einen Tisch zu setzen. «Jetzt geht es darum, einen gemeinsamen Weg zu suchen und einen konstruktiven Dialog auf höchster Management-Ebene zu führen.» Der Finanzplatz Frankfurt und die Commerzbank als wichtiger Mittelstandsfinanzierer dürften nicht geschwächt werden.
Kahlschlag befürchtet
Unicredit-Chef Orcel will mit einer Übernahme der 1870 gegründeten Commerzbank eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den US-Häusern. Er sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen bei der Commerzbank und will deren Auslandsnetz ausdünnen. Mit der Hypovereinsbank (HVB) ist die Unicredit bereits in Deutschland aktiv. Die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank fürchten einen Kahlschlag. Allerdings baut auch die Commerzbank Tausende Stellen ab, um profitabler zu werden.
Was macht die Unicredit mit ihrer Macht?
Mit ihrem Anteil hätte die Unicredit nach Umsetzung des Übernahmeangebots wahrscheinlich eine Mehrheit auf der Hauptversammlung der Commerzbank, weil üblicherweise nicht alle Anteilseigner erscheinen. Die Unicredit könnte sogar 49,65 Prozent der Stimmrechte ausüben, weil die eigenen Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt sind. Beim Aktionärstreffen im Frühjahr 2027 werden acht Aufsichtsräte neu gewählt. Erst zuletzt hatte die Unicredit mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements gedroht.
Experten erwarten, dass bald Bewegung in das Übernahmeringen kommt. Analysten der Bank BNP Paribas glauben, dass die Unicredit in den nächsten Monaten Verhandlungen mit der Bundesregierung führen wird, um einen Kompromiss zu finden und sich ihre Unterstützung zu sichern. Der Bund kann eine Übernahme zwar nicht verhindern, hat aber das Recht, zwei Kandidaten für den Commerzbank-Aufsichtsrat vorzuschlagen.
Zuletzt wurde der Übernahmekampf zur Schlammschlacht. Die Commerzbank hat wiederholt kritisiert, dass eine angemessene Übernahmeprämie und ein überzeugender Plan für ein gemeinsames Geschäftsmodell fehlen. So warf die Commerzbank der Unicredit vor, ihre Aktienposition «künstlich aufzublähen» - was die Unicredit zurückwies. Zur Klärung schaltete die Commerzbank die Finanzaufsicht ein, der Gesamtbetriebsrat stellte sogar Strafanzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation.