Polizei äußert sich nach schrecklicher Geiselnahme: Das ist bisher bekannt

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Ein Mann nimmt am Ulmer Münster sechs Menschen als Geiseln. Seine Waffen waren nicht echt, erweist sich später. Was wollte der Mann? Die Hintergründe liegen im Dunkeln.

Update vom 27.01.2024, 21 Uhr: Ist der Geiselnehmer von Ulm vernehmungsfähig?

Mit täuschend echten Soft-Air-Waffen hat ein Mann in einem Lokal am Ulmer Münsterplatz sechs Geiseln in seine Gewalt gebracht - am Freitagabend (26. Januar 2024) beendete die Polizei die Geiselnahme mit Schüssen auf den Mann. Alle Geiseln blieben unverletzt. Der 44-jährige deutsche Tatverdächtige wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert. Die Hintergründe der Tat liegen noch im Dunkeln. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte der Geiselnehmer in einer Tasche und im Wagen noch weitere Waffen wie Messer, Äxte sowie eine Machete.

"Die Ermittlungsbehörden prüfen derzeit mit den behandelnden Ärzten, ob der Beschuldigte vernehmungsfähig ist, damit er dem zuständigen Haftrichter vorgeführt werden kann", hieß es in einer Mitteilung vom Samstag.

Der Mann hatte am Freitagabend gegen 18.45 Uhr mit den scheinbar echten Waffen ein Lokal am Ulmer Münsterplatz betreten, in dem zu dem Zeitpunkt etwa 13 Menschen waren. Noch bevor die Polizei kam, konnte ein Teil der Gäste das Lokal verlassen. Sechs Menschen brachte der Geiselnehmer unter Vorhalt der täuschend echt aussehenden Waffen in seine Gewalt. Fünf davon ließ er später gehen, mit einer Geisel blieb er zunächst im Lokal.

Geiselnahme in Ulm mit Soft-Air-Waffen - Täter schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht

Um 20.20 Uhr kam der Tatverdächtige laut Polizei dann unerwartet mit der Geisel heraus und bedrohte diese mit einer Waffe. Die Polizei ging von echten Waffen und von einer erheblichen Gefahr aus. "Im weiteren Einsatzgeschehen konnte der 44-Jährige durch eine gezielte polizeiliche Schussabgaben handlungsunfähig gemacht werden", hieß es in der Mitteilung vom Samstag. Er wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, Lebensgefahr bestehe nicht.

Der mutmaßliche Täter soll wohl bei der Bundeswehr gewesen sein, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Bei ihm soll es sich um einen Afghanistan-Veteranen handeln. Davon hatte zuvor die Bild berichtet. Nach dpa-Informationen äußerte der 44-Jährige in der Vergangenheit mehrfach Suizidabsichten. Aufgrund der bundesweiten Fahndung und Hinweisen der Ex-Frau des Soldaten hätten sich am Freitagabend Hinweise auf den Aufenthalt des Mannes in Ulm ergeben.

Sicherheitskreise berichteten, der Mann habe wohl während der Geiselnahme angegeben, sich vom Spezialeinsatzkommando (SEK) erschießen lassen zu wollen. Das baden-württembergische Landeskriminalamt übernahm die Ermittlungen.

Hintergründe der Tat noch unklar -Notfallseelsorger betreuten Geiseln

Die Polizei hatte wegen des Einsatzes den zentralen Münsterplatz in Ulm und die Zugänge dorthin gesperrt. Eine Passantin berichtete der dpa, sie habe drei Schüsse gehört. "Mein Herz hat gepumpert." In dem Moment habe sie überhaupt nichts mehr gedacht, sondern sei einfach weggerannt.

Die Geiseln wurden von Notfallseelsorgern psychologisch betreut. Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) sagte am Samstag, er hoffe, alle könnten das dramatische Ereignis schnell verarbeiten. Er sei erleichtert, dass keine Geisel körperlich verletzt worden sei.

Der Münsterplatz liegt im Herzen der 130.000-Einwohner-Stadt an der Donau, an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Das Münster, das mit 161,53 Metern den höchsten Kirchturm der Welt hat, ist das Wahrzeichen der Stadt.

Am Samstag war die Innenstadt wieder voller Menschen, es war Markt. Bei strahlendem Sonnenschein lief eine Demo über den Platz. Dass es am Freitag hier eine Geiselnahme gab, davon zeugte nur noch das geschlossene Lokal.

Ursprungsmeldung vom 27.01.2024, 8.03 Uhr: Schreckliche Geiselnahme in Ulm - mehrere Schüsse - Motiv ist noch unklar

Am Freitagabend (26. Januar 2024) hielt eine Geiselnahme die Innenstadt in Ulm an der Grenze zu Bayern in Atem.

Begonnen hatte die Geiselnahme laut Polizeiangaben gegen 18.45 Uhr. Die Beamten hatten wegen des Einsatzes den zentralen Münsterplatz und die Zugänge dorthin gesperrt.

"Mein Herz hat gepumpert": Schüsse beenden Geiselnahme

Ein Mann hatte laut Lagebericht des Innenministeriums sechs Menschen in einem Geschäft mitten in der Ulmer Innenstadt als Geiseln genommen. Der Verdächtige hat eine Geisel mit einer Schusswaffe bedroht und wollte mit ihr gegen 20.20 Uhr das Geschäft am Ulmer Münsterplatz verlassen, um zu flüchten

Dabei sei es zu den Schüssen der Polizei gekommen. Man nahm an, dass "eine erhebliche Gefahr von ihm ausging", sagte der Staatsanwalt.

Eine Passantin berichtete, sie habe drei Schüsse gehört. "Mein Herz hat gepumpert." In dem Moment habe sie überhaupt nichts mehr gedacht, sondern sei einfach weggerannt.

Wollte sich wohl erschießen lassen: Polizei ermittelt zu Tatmotiv

Der Geiselnehmer vom Ulmer Münsterplatz wurde nach dpa-Informationen durch die Polizeischüsse schwer verletzt. Er ist außer Lebensgefahr. Die Geiseln blieben unverletzt. Der mutmaßliche Täter soll wohl bei der Bundeswehr gewesen sein, wie es aus Sicherheitskreisen hieß.

Er habe mehrere Kurz- und Langwaffen dabeigehabt. Sicherheitskreise berichteten, der Täter habe wohl während der Geiselnahme angegeben, sich vom SEK erschießen lassen zu wollen.

Das Motiv ist nach Angaben der Polizei noch unklar. Nach der Geiselnahme am Ulmer Münsterplatz ermittelt die Polizei weiter zu den Hintergründen der Tat.

Vorschaubild: © Marius Bulling (dpa)