Ähnlich urteilt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). IW-Direktor Michael Hüther kritisierte: «Die Methode Merkel lebt weiter: Noch immer glaubt die Politik, jede Krise mit Geld zuschütten zu müssen.» In der jetzigen Krise wäre es angezeigt, die Menschen auf kommende Härten einzustimmen: «Die höheren Preise an den internationalen Märkten für fossile Energieressourcen bedingen unvermeidlich einen Wohlstandsverlust. Der ist national nicht auszugleichen.»
DIW-Präsident Marcel Fratzscher nannte die Maßnahme kontraproduktiv. «Die temporäre Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel birgt die Gefahr, dass ein erheblicher Teil der Entlastung nicht bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, sondern auf den Konten der Mineralölkonzerne landet.» Gleichzeitig setze sie falsche Anreize, da sie den notwendigen Rückgang des Energieverbrauchs im Straßenverkehr nicht unterstützt.
Was sagen ADAC, Verbraucherschützer und Umweltverbände?
Der ADAC begrüßte die Maßnahme, sie müsse nun aber auch bei den Autofahrern ankommen: «Es muss sichergestellt sein, dass sich die vollen 17 Cent an den Zapfsäulen niederschlagen», sagt Verkehrs- und Technikpräsident Karsten Schulze: Mineralölkonzerne müssten nachweisen, dass Preise angemessen sind und Steuersenkungen weitergegeben würden.
Vom Verbraucherzentrale Bundesverband hieß es: «Ob der teure Tankrabatt tatsächlich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, ist fraglich. Deshalb ist ein Tankrabatt 2.0 aus Verbrauchersicht keine gute Idee.» Greenpeace kritisierte: «Die Senkung der Energiesteuer begünstigt besonders die großen Spritschlucker», der BUND äußerte sich ähnlich.
Was sagt die Mineralölbranche?
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie en2x, der die Markentankstellen in Deutschland vertritt, betonte, dass die Entlastung nichts an der «sich verschärfenden Knappheit an Rohöl und Ölprodukten weltweit und damit auch in Europa und Deutschland» ändere. «Das kann Auswirkungen auf die Rohöl- und Produktpreise haben. Unser Hauptziel ist und bleibt, die Versorgung in Deutschland mit Benzin, Diesel und weiteren Mineralölprodukten unter zunehmend schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten.»
Welche weitere Entlastung ist geplant?
Arbeitgebern soll es in diesem Jahr ermöglicht werden, Krisen-Boni von bis zu 1.000 Euro steuer- und abgabenfrei an ihre Beschäftigten zu zahlen. Finanziert werden soll dies durch eine Erhöhung der Tabaksteuer. Wie stark die Tabaksteuer erhöht werden soll und ab wann, ist unklar.
CDU, CSU und SPD bekräftigten außerdem, mit Wirkung zum 1. Januar 2027 eine große Reform der Einkommensteuer umzusetzen, um kleinere und mittlere Einkommen zu entlasten. Das kostet viele Milliarden, die Gegenfinanzierung ist offen. Im Kernhaushalt des Bundes klaffen in der Finanzplanung in den kommenden Jahren Milliardenlücken.
Was ist beim Kartellrecht geplant?
Das Kartellamt soll besser feststellen können, ob beim «Übergang von einer Marktstörung in eine wirtschaftliche Normallage» sinkende Rohstoffpreise schnell an Verbraucher weitergegeben werden. Das zielt auf den von der Behörde beobachteten «Rakete- und Feder-Effekt»: Die Spritpreise steigen bei steigenden Rohölpreisen oft sehr schnell, also wie eine Rakete - dagegen sinken sie bei nachgebenden Rohölpreisen nur langsam - wie eine Feder.
Zudem will die Koalition darauf hinwirken, dass das Bundeskartellamt Möglichkeiten von Abhilfemaßnahmen nach Sektoruntersuchungen bis hin zu «Vorteilsabschöpfungen» konsequent verfolgt. Die Koalition hatte in einem ersten Maßnahmenpaket bereits die Befugnisse des Kartellrechts erweitert. Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte aber, Verfahren bräuchten ihre Zeit. Den «Knopf zur schnellen Preissenkung» habe auch die jüngste Novelle nicht gebracht.
Wie haben sich die Spritpreise entwickelt?
Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Spritpreise extrem stark gestiegen. Auf dem bisherigen Höhepunkt kurz nach Ostern war ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt um gut 70 Cent teurer als vor Kriegsbeginn, ein Liter Super E10 um gut 41 Cent, wie Zahlen des ADAC zeigen. Erste Maßnahmen der Bundesregierung - die 12-Uhr-Regel, nach der nur noch einmal pro Tag die Preise erhöht werden dürfen - und zusätzliche Befugnisse für das Bundeskartellamt hatten zunächst keine durchschlagende Wirkung.
Zuletzt waren die Preise wieder ein Stück weit gefallen, weil der Ölpreis zwischenzeitlich deutlich nachgab. Am Montag lagen die Spritpreise im bundesweiten Schnitt nach dem mittäglichen Sprung aber über dem Preis zum selben Zeitpunkt am Vortag. Vor dem Sprung war E10 noch minimal billiger als zum Vortageszeitpunkt, danach lag der Kraftstoff mit 2,181 Euro pro Liter um 1,7 Cent über dem Vortageswert. Auch Diesel war vor dem Sprung um Cent-Bruchteile billiger als am Sonntag, danach mit 2,385 Euro aber 2,1 Cent teurer.
Hintergrund des Anstiegs dürfte der nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran wieder deutlich höhere Ölpreis sein.