Das Konzept gilt in der Branche im Kern als alternativlos, weil die Infrastruktur jahrzehntelang nicht ausreichend in Schuss gehalten wurde und auf manchen Strecken wohl nur eine radikale Sanierung mit Vollsperrung hilft. Die Probleme bei den ersten Generalsanierungen haben aber auch zu viel Kritik geführt. Der Verband der privaten Güterbahnen ärgert sich vor allem über zu lange Umwege für den Güterverkehr, der Interessenverband Allianz Pro Schiene beklagt immer wieder gebrochene Versprechen beim Bauvolumen.
«Die Korridorsanierungen mit mehrmonatigen Vollsperrungen dürfen nicht zum Dauerzustand werden», sagte Geschäftsführer Dirk Flege zu den neuen Plänen der DB. «Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts muss der Sanierungsstau aufgelöst sein. Insofern kann der Zeitplan nicht beliebig gestreckt werden.»
Palla: Umleiterstrecken vor Sanierung besser vorbereiten
Palla kündigte an, dass Strecken nach grundlegenden Sanierungen künftig nicht von einem Tag auf den anderen wieder mit voller Last in Betrieb genommen werden. Man habe etwa aus der Sanierung Hamburg-Berlin gelernt, «dass es keinen Stichtag gibt, an dem wir die Strecke aufmachen, und dann funktioniert alles wie am Schnürchen». Es brauche nach einer grundlegenden Sanierung eine sogenannte Hochlaufphase.
Wichtig sei auch, dass die sogenannten Umleiterstrecken vor Beginn einer Generalsanierung angemessen ertüchtigt seien für zeitweise deutlich mehr Verkehr. Ein Beispiel ist hier die Korridorsanierung zwischen Berlin und Hannover: Weil eine parallel verlaufende Strecke nicht rechtzeitig elektrifiziert werden konnte, müssen die Fahrgäste 14 Monate lang einen Umweg mit 80 Minuten mehr Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover hinnehmen.
«Es geht auch um das Thema, welches Leistungsversprechen wollen wir konkret abgeben», sagte Palla. «Welche Zustandsnote wollen wir erreichen? Welche Baufreiheit garantieren wir? Das wird unterschiedlich sein dann, weil wir auch nicht immer dasselbe machen», so die Bahnchefin. Bei der Sanierung der Infrastruktur sei es insgesamt wichtig, künftig die Bereiche Bauen und Fahren besser in Balance zu bringen.
Was die Bahnchefin in den kommenden Monaten noch plant
Die Südtirolerin leitet den Bahn-Konzern seit knapp einem Jahr. Für die nächsten Monate hat sie neben Sanierung der Infrastruktur drei weitere Schwerpunktthemen ausgemacht: Die Sicherheit an Bahnhöfen und in den Zügen, den Konzernumbau und eine neue Herangehensweise beim Fernverkehr. Dieser solle wieder stärker «das Aushängeschild der Deutschen Bahn» werden.
«Wir wollen das Produkt ICE auf ein neues Level heben», sagte Palla. Details wollte sie nicht verraten, es gehe aber nicht um sauberere Züge oder eine funktionierende Innenausstattung. «Es geht um das Kundenerlebnis, um das Produkt ICE an sich.» Man habe sich viele Konzepte in anderen Ländern angeschaut und die Frage gestellt: «Was könnte in Deutschland funktionieren? Was finden wir gut, was finden wir nicht gut?», sagte Palla. Der genaue Plan soll in den kommenden Wochen vorgestellt werden.