Laut einer Analyse der US-Denkfabrik Atlantic Council passierten vergangenes Jahr 46 Prozent der Öl-Transporte nach Asien die Straße von Hormus. Damit sei die Region stärker auf Lieferungen durch die Meerenge angewiesen als andere Teile der Welt.
Pakistan ist von den Lieferausfällen vom Golf jedoch besonders betroffen. Nach Angaben des Datenanbieters Kpler kommen 85 Prozent der Öllieferungen des Landes aus dem Nahen Osten. Derzeit seien Bestände noch ausreichend gefüllt, hieß es in einer Mitteilung des Finanzministeriums. Neue Energiequellen sollen das Land in Zukunft jedoch unabhängiger machen.
Pakistans Solarboom federt Textilindustrie ab
Langfristig möchte Pakistan Strom fast vollständig aus eigenen Rohstoffen produzieren - Kraftwerke für Kohle, Wasser, Kernenergie und Erneuerbare decken nach Regierungsangaben bereits fast drei Viertel des Bedarfs. Aber die Sonne soll noch mehr Abhilfe schaffen.
«In Pakistan hat in den vergangenen Jahren ein Solarboom eingesetzt», sagt Nabiya Imran von Renewables First, einer pakistanischen Denkfabrik. Bis Juni 2024 seien 32 Gigawatt Leistung durch Solaranlagen in ganz Pakistan installiert worden, schätzt das Institut. Bisher sei das Stromnetz jedoch nicht ausreichend auf die Erneuerbaren ausgerichtet und es fehlten Batteriespeicher, um die Sonnenenergie den ganzen Tag nutzen zu können.
Besonders die wichtige Textilindustrie des Landes konnte Abhängigkeit von fossilen Energieträgern abbauen. «Der Privatsektor - große Unternehmen, wie auch Mittelständler - haben erheblich in Solarenergie investiert», erklärt Khurram Mukhtar. Der Ökonom hofft, dass Pakistans Textilindustrie als einer der wichtigsten Exportsektoren sogar weltweit zu einem Vorbild für nachhaltige Produktion werden könnte. Dazu müsse die Politik jedoch langfristiger planen.
Derzeit steckt das Land in Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds für die Freigabe von Krediten. Thema dabei sind auch komplizierte Kreditverstrickungen in Pakistans Energieinfrastruktur, die zu einer chronischen Unterfinanzierung des Stromnetzes führen.
Transport bleibt abhängig von fossilen Energien und treibt Inflation
Aber selbst günstiger Solar-Strom kann den Transportsektor bisher nicht entlasten. Mit wenigen Elektroautos im Land treffen höhere Spritpreise Pakistaner hart. Denn nicht nur der Weg zum Kricket-Stadium wird eigentlich per Verbrennungsmotor zurückgelegt.
«Pakistans Lieferketten sind vom Straßentransport abhängig», sagt Afia Malik vom Pakistan Institute of Development Economics. So würden gestiegene Kosten für Kraftstoff schnell von Landwirten zu Verbrauchern durchschlagen. «Das wird ärmere Haushalte direkt treffen», sagt die Ökonomin. Da Nahrungsmittel 37 Prozent der Verbraucherpreise ausmachten, werde die Energiekrise auf die Inflation durchschlagen.