Der Iran-Krieg lässt die Spritpreise massiv steigen. Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung passiert erst den Bundesrat. Kurz darauf setzt der Bundespräsident seine Unterschrift unter das Gesetz.
Die schärferen Regeln für Preiserhöhungen an Deutschlands Tankstellen kommen schon für den bevorstehenden Osterreiseverkehr. Nach der Verabschiedung des Gesetzes zum Spritpreispaket der Bundesregierung im Bundestag am Donnerstag stimmte am Freitag auch der Bundesrat dafür. Wenige Stunden später setzte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Unterschrift unter das Gesetz, das jetzt nur noch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden muss.
Damit wird bereits in der kommenden Woche Schluss sein mit den bisher üblichen Spritpreisänderungen teils im Stundentakt an deutschen Tankstellen. Künftig dürfen die Preise nur noch einmal täglich erhöht werden, und zwar um 12.00 Uhr mittags. Preissenkungen kann es dagegen auch weiterhin jederzeit geben.
Bund denkt über Entlastung der Bürger nach
Ob diese Maßnahme wirklich zu niedrigeren Preisen führen wird, ist allerdings umstritten. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU), stellte im Bundesrat Entlastungen der Bürger in Aussicht, wenn sich die Lage nicht entspannen sollte. Als Möglichkeit nannte sie eine Erhöhung der Pendlerpauschale.
Mit der Neuregelung bekommt zudem das Bundeskartellamt mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise. Unternehmen müssen künftig darlegen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Dadurch soll es für das Kartellamt deutlich leichter werden, gegen überhöhte Spritpreise vorzugehen.
Länder kritisieren neue Regeln als nicht weitgehend genug
Viele Länder kritisierten das Maßnahmenpaket des Bundes als nicht weitgehend genug. Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) warf den Mineralölkonzernen vor, den Krieg und ihre Marktmacht auszunutzen, um sich mit unangemessenen Übergewinnen die Taschen vollzumachen. «Das ist inakzeptabel und unanständig», sagte der SPD-Politiker. Er forderte eine Spritpreisbremse zur Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher, um einer drohenden Inflationsspirale von vornherein entgegenzuwirken.
Eine solche Entlastung dürfe aber nicht in erster Linie auf Kosten der öffentlichen Haushalte gehen. «Wir brauchen deshalb zur Gegenfinanzierung dringend eine Übergewinnsteuer, mit der unangemessene Extraprofite zugunsten der Allgemeinheit abgeschöpft werden können», sagte Bovenschulte.
Saarlands Ministerpräsidentin verweist auf Luxemburger Modell
Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sprach von «Wucher». Es gebe aber Möglichkeiten zum Gegensteuern. So lege in Luxemburg der Staat bereits seit 75 Jahren den Höchstpreis für Sprit fest. «Was in Luxemburg schon lange gut geht, das sollte auch für Deutschland funktionieren.» Die stellvertretende SPD-Vorsitzende betonte, auch das Instrument einer Übergewinnsteuer sei «nichts aus der sozialistischen Teufelsküche». Es gehe darum, marktgerechte Preise hinzubekommen.