Kamieth räumte in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» ein, dass sich die Investition in Zhanjiang für BASF später als geplant lohnen werde. Vor Ort erklärte er zudem, Peking habe die Konsumschwäche und Überkapazitäten als Problem erkannt. «Man darf aber keine schnellen und sehr starken Reaktionen erwarten, sondern es wird eher über die Zeit zu einer Normalisierung kommen und dann hoffentlich auch zu einer Stärkung der Binnenwirtschaft», sagte er.
Folgen für den Standort Deutschland?
Vor der Eröffnung des Projekts, das 2018 unter der in China geschätzten Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingetütet wurde, stand das Werk in Zhanjiang bereits in der Kritik. Sorgen vor einer Verlagerung der Produktion von Europa nach China machten sich breit. Kostendruck und ein Sparkurs sorgten bereits dafür, dass der Konzern Tausende Jobs abbaute, darunter auch in Deutschland.
Kamieth entgegnet, es würde sich nicht lohnen, eine Anlage in China zu betreiben, um Produkte von dort nach Europa zu bringen. «Das macht einfach keinen Sinn für uns», erklärte er. Das Werk in Zhanjiang wurde ihm zufolge für den chinesischen Markt gebaut, wo es auch wettbewerbsfähig ist – jedoch nicht für Europa.
Kritiker fürchten zudem eine Abhängigkeit von einem Land wie China. Der Vorstandschef hält dagegen. «Stellen Sie sich vor, wie eine BASF ohne die Hälfte des Weltmarktes China aussehen würde», sagte Kamieth. Das Abkoppeln vom chinesischen Markt sei das viel größere Risiko.
Peking werden Menschenrechtsverletzungen wie in Xinjiang vorgeworfen. Dort hatte BASF Anteile an zwei Joint Ventures verkauft, nachdem Berichte auf Aktivitäten beim Partner hingewiesen hatten, «die nicht mit den Werten von BASF vereinbar sind», wie es hieß. China sei zwar ein autokratischer Staat, aber es sei vertretbar dort zu sein, weil BASF seine Werte dafür nicht «kompromittieren» müsse, sagte Kamieth. Auf den Xinjiang-Fall verwies er aber als Ausnahme.
Was am BASF-Standort Zhanjiang besonders ist
Auch Chinas Machtanspruch auf das unabhängig regierte Taiwan bereitet Sorgen vor einem Konflikt in der Taiwanstraße, der eine der global wichtigsten Schifffahrtsrouten unterbrechen und der Weltwirtschaft massiv schaden würde. Ein Vorgeschmack bietet derzeit der Krieg im Nahen Osten, durch den laut Kamieth in Asien steigende Preise und Versorgungsprobleme mit Rohstoffen auftreten.
Für das Werk in Zhanjiang und seine rund 2.000 Mitarbeiter könnte das bedeuten, im Krisenfall Rohstoffe über andere Wege beziehen zu müssen. Flexibilität an dem weltweit drittgrößten Verbundstandort von BASF soll der eigene Tiefseehafen garantieren, über den Rohstoffe das Werk erreichen. Von dort in den Weltmarkt zu exportieren, planen die Deutschen nicht.
Durch 100 Prozent grünen Strom ist der CO2-Fußabdruck des Zhanjiang-Werks nach Konzernangaben nur etwa halb so groß wie bei anderen Verbundstandorten. Rund eine Million Tonnen Kohlenstoffdioxid fallen dann noch in der Produktion an, etwa durch den «Steam Cracker». Dieser bricht (Englisch: to crack) unter extrem heißem Dampf (Englisch: Steam) Rohbenzin (Naphtha) oder Butangas in kleine Moleküle. Daraus erzeugt BASF dann weitere Produkte.