Amthor sieht keinen Automatismus für neue Mischfinanzierung
«Klimaanpassung ist selbstverständlich eine wichtige gesamtstaatliche Aufgabe, die Bund, Länder und Kommunen gemeinsam und auf Augenhöhe bewältigen müssen», sagte der im Kanzleramt für die Bund-Länder-Zusammenarbeit zuständige Amthor. «Aus dieser Erkenntnis folgt für mich aber kein Automatismus für eine neue verfassungsrechtlich verankerte Mischfinanzierung.»
Der Staatsminister betonte, in der Gesamtdiskussion sollte nicht vergessen werden, dass der Bund schon heute beträchtliche Finanzmittel über bestehende Förderprogramme in die Fläche vergebe. Er nannte die Anpassung urbaner und ländlicher Regionen an den Klimawandel, den Waldumbau und die Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen.
«Zudem hat der Bund insbesondere mit seinem "Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität" schon beträchtliche Mittel zur Verfügung gestellt, die - ganz ohne erneute Verfassungsänderung - auch für Maßnahmen der Klimaanpassung genutzt werden können», sagte Amthor. Diese Mittel könnten nicht nur im Rahmen der Bundeszuständigkeiten, sondern etwa im Hinblick auf den Länderanteil von 100 Milliarden Euro auch schon heute flexibel genutzt werden.
CSU reagiert mit strikter Ablehnung
Scharfe Kritik kam aus dem CSU-regierten Bundesland Bayern. Innenminister Joachim Herrmann erklärte, eine Grundgesetzänderung, die dem Bund neue Kompetenzen gebe und zu Zuständigkeitsstreitereien im Föderalismus führe, sei der völlig falsche Weg. «Wir brauchen weder Gemeinschaftsaufgaben noch Grundgesetzänderungen, sondern rasches konkretes Handeln für mehr Hitzeschutz von jeder Behörde in Deutschland in ihrem ureigenen Zuständigkeitsbereich.»
DGB will einen «Hitzegipfel»
Unterstützung erhielt die SPD vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Sein stellvertretender Vorsitzender Stefan Körzell, forderte zudem einen «Hitzegipfel unter Beteiligung der Sozialpartner und Zivilgesellschaft, um über kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz zu beraten».
Joachim Rock, der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, begrüßte das von der SPD ebenfalls geforderte Sofortprogramm zur Förderung von Klimaanpassung und Hitzeschutz für Pflegeheime, Krankenhäuser und Kitas. «Richtig zu lüften, ausreichend Wasser bereitzustellen oder andere kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, reicht angesichts extremer Hitze nicht aus.»
Grundgesetzänderung beschäftigt schon Arbeitsgruppe
Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums erläuterte in der Bundespressekonferenz, die Umweltminister aller 16 Länder hätten bei ihrer Konferenz im Mai den Bund aufgefordert, eine Grundgesetzänderung voranzutreiben. Darum kümmere sich nun eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe.