Wegen gesperrter Drehkreuze am Golf steigen die Asien-Buchungen bei Lufthansa deutlich. Konzernchef Spohr sieht Chancen, warnt aber auch vor Risiken im aktuellen Marktumfeld.
Der Lufthansa-Konzern sieht in der Nahostkrise zumindest kurzfristig auch Chancen für sein eigenes Geschäft. Die Vorbuchungen für Direktflüge in Richtung Asien lägen derzeit 75 Prozent über dem Vorjahreswert, sagte Konzernchef Carsten Spohr bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Grund sind die stillstehenden Drehkreuze der Golf-Airlines Emirates und Qatar aus den Arabischen Emiraten, die sonst einen Großteil des Verkehrs nach Asien, Australien und Afrika abwickeln.
Angesichts der fortgesetzten Raketen- und Bombenangriffe im Iran und Anrainerstaaten werde die Lufthansa alles tun, um gestrandete Gäste von eigenen und fremden Fluggesellschaften aus der Region zu holen, sagte Spohr. Derzeit könnten die Lufthansa-Airlines jedoch aus Sicherheitsgründen manche Flughäfen nicht ansteuern.
Zusätzliche Flüge geplant
Die Flugzeuge kann das Unternehmen aber an anderer Stelle gut gebrauchen: Wegen der starken Nachfrage werde der Konzern in den nächsten Tagen zusätzliche Flüge etwa nach Bangkok, Singapur, Kapstadt, Shanghai oder Delhi anbieten, kündigte Spohr an. Auch bei der Luftfracht gebe es eine Sondernachfrage, berichtete er aus dem Geschäft von Lufthansa Cargo.
In den kommenden Wochen will Lufthansa auch Riad in Saudi-Arabien verstärkt anfliegen. Dorthin war am Freitag ein Linienflug aus München unterwegs, musste aber wegen einer Flughafensperre nach Kairo abdrehen. Das Flugzeug sollte später dennoch den saudischen Flughafen ansteuern, um danach mit mehr als 200 Passagieren an Bord zurück nach München zu fliegen.
Höhere Ticketpreise kommen
Kunden müssen sich wegen des verknappten Angebots und der notwendigen Umfliegung gesperrter Lufträume auf höhere Ticketpreise einrichten. Es sei aber noch zu früh, um langfristige Entwicklungen zu erkennen, sagte Spohr. Grundsätzlich sei es ein hohes Risiko für Europa, wichtige Verkehrsströme unmittelbar an der iranischen Grenze zu bündeln. Gegen starke Preissteigerungen beim Kerosin sei Lufthansa im laufenden Jahr großenteils mit Termingeschäften geschützt.
Vergessliche Passagiere?
«Wir wissen letztendlich nicht, wie lange dieser Effekt am Golf anhält. Ob das eine Zäsur ist oder eine nur eine vorübergehende Erscheinung», sagte der Lufthansa-Chef. Allerdings dürften sich die Reiseströme nach seiner Einschätzung nicht nur kurzfristig verschieben. So werde die Golfregion als Reiseziel sicher künftig attraktiv bleiben, doch die dortigen Drehkreuze für Umsteigeverbindungen dürften langsamer wachsen als zuletzt. Allerdings macht sich Spohr keine Illusionen: «Es gibt Menschen, die schnell vergessen und das günstigste Ticket wieder kaufen.»
Im laufenden Jahr will der Manager das Flugangebot auf der Langstrecke ausbauen und den Gewinn des Konzerns im Tagesgeschäft deutlich steigern. Dazu beitragen soll das Sanierungsprogramm für die Kernmarke Lufthansa Airlines, die 2025 in die schwarzen Zahlen zurückkehrte.