Kritiker werfen ihr vor, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Vor dem Hintergrund wurde spekuliert, dass sie womöglich gar nicht Teil der neuen Linke-Fraktion im Berliner Landesparlament werden würde.
Antisemitismus in der Linke ist ein Streitthema
Am Dienstag bekannte sich die Fraktion in ihrer konstituierenden Sitzung ausdrücklich zum Kampf gegen Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels. Alle Abgeordneten unterzeichneten eine entsprechende Erklärung - auch Emde.
Auf Instagram kritisierte sie die Erklärung allerdings und bemängelte unter anderem, sie nenne nur selektiv Details aus Partei-Beschlüssen zu dem Themenkomplex.
Nicht erwähnt werde darin etwa ein Beschluss der Linken, die das israelische Vorgehen im Gaza-Krieg seit einem Parteitag im Juni offiziell als «Völkermord» bezeichnet. Sie sei unfreiwillig zur Protagonistin eines Schmierentheaters geworden, inszeniert unter anderem von SPD und Grünen, beklagte Emde. Die beiden Parteien führen aktuell Sondierungsgespräche mit der Linke über eine mögliche Regierungszusammenarbeit.
Dass sie in die Fraktion aufgenommen wurde, sei «ein kleiner Geländegewinn gegen die Staatsräson», sagte Emde. Den rechtlich unspezifischen Begriff der «Staatsräson» hatte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geprägt. Im März 2008 sagte sie im israelischen Parlament: «Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung ist Teil der Staatsräson meines Landes.»
Linke, Grüne und SPD finden nur schwer zueinander
Die Diskussion um ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus erschwert die Gespräche zwischen Linken, Grünen und SPD von Anfang an. Grüne und SPD hatten eine Verständigung darüber zur Voraussetzung von Sondierungen gemacht und darauf gepocht, es dürfe nicht bei einer pauschalen Verurteilung von Antisemitismus bleiben.
Tatsächlich hatten die drei Parteien vor Beginn der Sondierungsgespräche am vergangenen Donnerstag ein gemeinsames Papier zum Thema Antisemitismus vorgestellt. Grüne und SPD unterbrachen die Sondierungen am Dienstag dann aber, weil die von den Fraktionsmitgliedern bei ihrer Sitzung unterschriebene Erklärung aus Sicht der beiden Parteien deutlich hinter dem Einigungstext zurückblieb.
Inzwischen laufen Sondierungen wieder, nachdem sich die drei Parteien darauf geeinigt haben, ihre gemeinsame Erklärung im Fall einer Regierungsbildung in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. Denkbar ist, dass die Gespräche am Wochenende abgeschlossen werden.
Doch selbst für den Fall, dass die drei Parteien sich Koalitionsverhandlungen über eine gemeinsame Landesregierung vornehmen, ist das Thema Vorgehen gegen Antisemitismus nicht vom Tisch.
Die Linke hat für den 31. Oktober einen Landesparteitag in Aussicht gestellt, bei der über die Sondierungsergebnisse abgestimmt werden soll - inklusive der Aufnahme der Erklärung der drei Parteien zum Antisemitismus in den Koalitionsvertrag.