Apple zieht sich als Großkunde zurück – Varta kämpft mit sinkender Nachfrage und tiefroten Zahlen. Was steckt hinter dem Absturz der Batterie-Ikone?
Es hätte eine deutsche Industrie-Erfolgsgeschichte werden können. Varta wollte vom Boom der Batterien profitieren, in Zukunftstechnologien investieren und mit den ganz Großen der Branche mithalten. Stattdessen meldete das traditionsreiche Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen nun beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Ziel dieses Schrittes ist es laut dem Unternehmen, die wirtschaftliche Zukunft zu sichern und eine nachhaltige Fortführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen.
Varta will sein Überleben mit dem Gang zum Insolvenzgericht langfristig sichern. «Die Antragstellung erfolgt daher nicht aufgrund einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb», teilte das Unternehmen mit. Das Geschäft mit den Haushaltsbatterien sei nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.
Varta nennt Gründe für Insolvenzantrag
Wesentliche Ursachen für die erneute Krise seien deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungskurseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden, so Varta. Dabei handelt es sich um Apple. Die finanziellen Spielräume seien somit in den letzten Monaten immer enger geworden.
Nach Unternehmensangaben sind neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH von der Antragstellung betroffen.
Die wichtigsten Geldgeber – darunter die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – sehen inzwischen keine tragfähige Gesamtlösung mehr. Wie diese Woche bekannt wurde, wollen sie das Geschäft mit Haushaltsbatterien herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen. «Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen», erklärte ein Sprecher der Gruppe.
Unternehmen mit langer Geschichte
Die Anfänge von Varta - der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von «Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren» zusammen - reichen bis ins Jahr 1887 zurück. Bereits Forscher Fridtjof Nansen hatte Varta-Batterien bei einer Polar-Expedition dabei. Heute hat Varta nicht mehr viel mit der Gesellschaft gemein, die als Accumulatoren-Fabrik in Hagen gegründet wurde. Der Grund: Varta geriet schon in den 1990er Jahren in die Krise, wurde aufgespalten und stückweise verkauft.
Der Österreicher Michael Tojner stieg 2007 ein. Er kaufte die Sparte für Mikrobatterien und brachte sie zehn Jahren später an die Börse. Tojner schien den richtigen Riecher gehabt zu haben: Der Börsengang galt als Erfolg. Getrieben wurde die Entwicklung hauptsächlich von der rasant steigenden Nachfrage nach wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien - zum Beispiel für kabellose Kopfhörer und Smartwatches.