Neue Nachrichten aus der gehobenen Kulinarik: Der Biber hat sich in Bayern so vermehrt, dass einige Exemplare geschossen und gegessen werden dürfen. Soll als Gulasch mit Rotkraut und Semmelknödeln vorzüglich schmecken. Vom Verzehr der kanadischen Wildgans dagegen wird abgeraten: zu zäh. Schwäne haben auch in Franken ihre Liebhaber, also Feinschmecker. Und Pfauen wurden von den Römern gerne verspeist.

Was das alles mit Literatur zu tun hat? Ein Pfau, der schließlich in der Speisekammer landet, spielt keine geringe Rolle in Isabel Bogdans Debütroman, der auch gleich so heißt. Am Dienstag gastierte sie mit "Der Pfau" im Sassanfahrter Schloss, las einige Kapitel und unterhielt sich mit der Schirmherrin des Festivals, Tanja Kinkel über ihr Buch, versiert geschriebene Unterhaltungsliteratur, geschult vor allem an britischen Vorbildern.


Ausgezeichnete Übersetzerin

Das ist kein Wunder, denn die 48-jährige Autorin arbeitet "hauptberuflich" als mittlerweilen preisgekrönte Übersetzerin - eine zwar immer noch unterbewertete (und -bezahlte) Profession, wie sie sagte, aber immerhin eine von ihr geschätzte. Denn nach längerer Suche, einem Studium der Anglistik und Japanologie, fand sie im Übertragen zunächst eher banaler Texte, dann solcher von Autoren wie Jonathan Safran Foer, Megan Abbott, Nick Hornby und Jane Gardam. Was schon deutliche Hinweise gibt auf ihr eigenes Schaffen. "Der Pfau", vor ziemlich genau einem Jahr erschienen, ist ein Schmunzelbuch, in dem sich skurriles Personal herumtreibt und nicht minder skurriles Viehzeug.

Darunter eben jener Pfau, der auf einem schottischen Landsitz lebt. Einem etwas heruntergekommenen Landsitz. Bogdan hat sich ihr langjähriges Urlaubsdomizil als Vorbild genommen. Das Gehöft hat sich eine Gruppe Kollegen aus der Investmentabteilung einer Bank für ein Teambuildingseminar ausgesucht. Das heißt - es wurde mit sanftem Druck dorthin gezwungen samt leicht neurotischer Chefin, Psychologin und Köchin. Wer je genötigt worden ist, an derlei teilzunehmen, wird die Kulisse samt Whiteboard, Flipcharts und Sprechblasen in Wölkchenform wiedererkennen. Und übergriffigen Fragen wie "Was ist mir wichtig? Worauf bin ich stolz? Was wünsche ich mir?".

Immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Verweigerung karriereschädlich sein kann. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Wohl oder übel richten sich die Banker in der Bruchbude ein, bauen mehr oder minder zähneknirschend eine Hütte und was die Psychologin sonst noch für sie in petto hat. Bis ein Pfau, der auch noch aggressiv auf alles Blaue reagiert, alles durcheinanderbringt ...

Bogdan beherrscht den leicht ironischen Unterton, die stiff upper lipp des britischen Unterhaltungsromans. Dazu trägt ihr Faible für die indirekte Rede bei. Tanja Kinkel entlockte der Kollegin viele Details aus der Autorenwerkstatt. Wie sie sich etwa Schauspieler imaginiert und daran ihre Figuren entwickelt. Oder aus der Perspektive jeweils einer Person oder auch einmal eines Hundes schreibt und die Erzählstränge am Schluss noch einmal bündelt.

Die Autorin kommt offen und natürlich rüber und gewinnt spürbar gleich die Sympathien des Publikums. Ihr Buch beginnt viel versprechend mit unterkühltem Humor, und man erwartet eine Eskalation der Ereignisse. Doch allzu harmlos bleibt das alles am Ende, nur leicht aufschäumend und nicht ätzend. Auch wenn der Pfau verspeist wird, auch wenn die Handlung auf eine Pointe zusteuert. Das ist kein Monty Python's, das ist eher Agatha Christie. Ein Buch, das gewiss bei keinem Leser aneckt und trotzdem nicht trivial ist. Und das ist ja auch schon etwas.