Die deutsche Wirtschaft kommt einfach nicht in Schwung. Institute korrigieren ihre Erwartungen deutlich nach unten und nehmen die Bundesregierung in die Pflicht. Ein Hoffnungszeichen kommt vom Export.
Die Erholung der deutschen Wirtschaft dauert länger als erhofft. Das Münchner Ifo-Institut und das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sehen die Wirtschaft momentan weiter in der Rezession und haben ihre Wachstumsprognosen am Mittwoch deutlich gesenkt: Für das Gesamtjahr erwartet das Ifo-Institut jetzt nur noch 0,2 Prozent, das IfW 0,1 Prozent Wirtschaftswachstum statt bisher 0,9 Prozent. Ein Hoffnungszeichen kam von den deutschen Exporteuren, die im Januar überraschende Zuwächse verbuchten.
Gründe für das schwache Wirtschaftswachstum sehen die Wirtschaftsforscher in der mauen Weltkonjunktur und den gestiegenen Zinsen, aber auch in vielen hausgemachten Problemen. Die Unsicherheit über wirtschaftspolitische Weichenstellungen bremse Investitionen und Konsum, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Hier könnte die Bundesregierung ansetzen.
Positive Entwicklungen erwarten die Forschungsinstitute bei der Inflation und am Arbeitsmarkt. Die Preise dürften dieses Jahr nur noch um 2,3 Prozent steigen. Wachsende Löhne dürften zu einem Anstieg der Konsumausgaben führen. Die meisten Unternehmen seien weiter auf der Suche nach Fachkräften, die Zahl der Beschäftigten dürfte dieses Jahr von 45,9 auf 46,1 Millionen steigen und im kommenden Jahr die Rekordzahl von 46,2 Millionen erreichen. Zwar werde die Zahl der Arbeitslosen dieses Jahr von 2,6 auf 2,7 Millionen zunehmen. Aber das liege vor allem an den ukrainischen Kriegsflüchtlingen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
Exporte legen zu Jahresbeginn zu
Ein Lichtblick kam am Mittwoch vom Außenhandel: Die deutschen Exporte sind im Januar im Vergleich zum Vormonat Dezember um 6,3 Prozent auf 136 Milliarden Euro gewachsen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Zum Vorjahresmonat stand noch ein Plus von 0,3 Prozent. Vor allem die Ausfuhren nach Europa, aber auch das zuletzt schwache China-Geschäft zogen an. Die gedämpfte Wirtschaft in der Volksrepublik war zuletzt ein Belastungsfaktor für die deutsche Wirtschaft, die 2023 leicht schrumpfte.
Die Zuwächse machten nach dem Exportrückgang im Dezember etwas Hoffnung auf eine Belebung des Auslandsgeschäfts, sagte Carolin Herweg, Außenwirtschaftsexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).
Der deutsche Export zeige sich zwar robust, trotz geopolitischer Krisen und konjunktureller Abkühlung in wichtigen Absatzmärkten, sagte Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. «Eine Schwalbe macht aber noch keinen Sommer.» Die Weltwirtschaft sei zunehmend von Protektionismus geprägt. Der DIHK erwartet für das laufende Jahr ein preisbereinigtes Exportwachstum von 0,5 Prozent und ist damit weit optimistischer als die Forschungsinstitute, die ein Minus von 1,4 bis 1,5 Prozent erwarten.
Die deutsche Chemieindustrie produziere immer noch 20 Prozent weniger als vor dem Ukraine-Krieg, sagte Wollmershäuser. Die Erwartung, dass die Produktion mit den sinkenden Energiepreisen zurückkomme, habe sich nicht erfüllt. «Jetzt haben wir sie abgeschrieben.» Auch das werde dem deutschen Export fehlen.