Hat Markus Söder wirklich eine Chance auf das Kanzleramt?

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Markus Söder
Je höher der Druck auf Kanzler Merz steigt, desto häufiger fällt auch der Name von Markus Söder als möglicher Nachfolger.
Markus Söder
Peter Kneffel/dpa

Erst Ende Juli hat Markus Söder eine Kanzlerschaft für sich einmal mehr ausgeschlossen. Das war vor der jüngsten Krise um Kanzler Merz. Öffnet sich das historische Fenster doch noch für den CSU-Chef?

Politik ist ein schnelles Geschäft. Entsprechend kurz ist manchmal die Halbwertszeit politischer Aussagen. Ende Juli war es, als Markus Söder wieder einmal gefragt wurde, ob er noch einmal als Kanzlerkandidat zur Verfügung stünde, sollte es nötig sein. Der CSU-Vorsitzende antwortete: Das Kapitel sei abgeschlossen. «Die Frage stellt sich heute nicht - und sie wird sich auch in Zukunft nicht mehr stellen», sagte der 59-Jährige dem «Handelsblatt».

Sechs Wochen und eine Landtagswahl in Sachsen-Anhalt später stellt sich für viele genau diese Frage aber nun doch. Das CDU-Desaster von Magdeburg hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ins Wanken gebracht und Spekulationen über einen Kanzlertausch rasch befeuert. Und der Name, der neben NRW-Regierungschef Hendrik Wüst (CDU) am häufigsten genannt wird, ist: Söder.

Söder warnt vor «Elfmeter ohne Torwart für die AfD»

Nur nicht von Söder selbst freilich. Und auch die gesamte CSU versucht alles, sich tunlichst zurückzuhalten. Von der CSU werde es «auf keinen Fall» einen Kanzlersturz geben, lässt Söder selbst am Wochenende via «Bild am Sonntag» wissen. Auf nochmalige Nachfrage, ob er das auch für die CDU ausschließt, sagt er: «Für die CDU bin ich nicht zuständig, da bin ich nicht der Vorsitzende.» Obwohl die Aussage für sich genommen nur logisch ist, dauert es nicht lange, bis einige dahinter einen Seitenhieb in Richtung Merz verstehen wollen. 

Später, bei einem gemeinsamen Presseauftritt mit Sachsens Ministerpräsident und CDU-Vize Michael Kretschmer, wird Söder noch auf andere Weise deutlich. Ein «Desaster» wäre es, würde nach dem Ampel-Aus auch die nächste Bundesregierung nach kurzer Zeit scheitern, mahnt er und warnt vor einem «Elfmeter ohne Torwart für die AfD». Und mehr noch, Söder fordert von der Bundesregierung mehr Tempo, bessere Kommunikation und keine Fehler.

Allein: Eine Absage an eine Kanzlerkandidatur ist all dies nicht. Aber muss Söder sich überhaupt so klar positionieren, wie es sich derzeit so viele wünschen? Fehlende Loyalität gegenüber Merz kann man ihm eigentlich nicht vorwerfen. Vielmehr müssten doch auch namhafte CDU-Politiker Merz den Rücken stärken. Und mit jedem Tag, an dem sein Name in dieser Debatte genannt wird, wächst seine Stellung als Spitzenpolitiker. 

Im Bayerischen Fernsehen gibt sich Söder am Montagabend «überzeugt davon», dass Merz noch der richtige Kanzler sei. Nach seiner eigenen Ambition befragt, betont er alles und nichts sagend: «Ich bin Ministerpräsident in Bayern und tue alles dafür, dass Bayern stark bleibt.»

Was für Söder spricht

Tatsächlich wird Söders Name derzeit - wie auch schon in früheren Jahren - auch in der CDU gerne bei der Kandidatensuche genannt. Unbestritten ist der ehrgeizige Franke einer der profiliertesten und bekanntesten Unionspolitiker bundesweit. Und in Zeiten wie diesen ist mitentscheidend: Ihm trauen viele eher als Merz oder auch Wüst zu, der immer stärker werdenden AfD Kontra zu geben, gerade auch kommunikativ und in den sozialen Medien.

Auffällig ist auch, wie Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) als Gast auf einer CSU-Klausur den Gastgeber lobt. Es brauche in der aktuellen Phase «dieses CSU-Gen», sagt er. «Markus Söder ist der Politiker in Deutschland, der die meisten Menschen zu einer Veranstaltung in ein Festzelt bekommt.»

In den Rankings der beliebtesten Politiker ist Söder ebenfalls gut vertreten - für Hendrik Wüst gilt das aber in gleicher Weise. Der Chef der mächtigen CDU in Nordrhein-Westfalen und Ministerpräsident des Landes liegt in der Gunst der Deutschen gar noch etwas vor dem Franken.

Was gegen Söder spricht

Gegen Söder spricht vor allem: Merz. Auch in der CSU wird es, im Moment jedenfalls, für ausgeschlossen gehalten, dass der Kanzler einfach so hinschmeißt. Vor allem: Viele, auch Söder selbst, argumentieren, dass auch ein etwaiger Nachfolger mit genau denselben Problemen zu kämpfen hätte.

Gegen die Variante spricht auch, dass Söder als Kanzler keine direkte Durchsetzungskraft in der CDU hätte. Damit wäre der Regierungschef praktisch immer auf Unterstützung des CDU-Chefs angewiesen. In Teilen der CDU wird es zudem gar als Risiko gesehen, Söder jetzt den Kanzlerposten anzudienen. Denn niemand glaubt, dass der dann nur in der aktuellen Krise die Kohlen für die Union aus dem Feuer holen würde und danach den Anspruch auf das Amt wieder an die CDU zurückgeben wird. 

Dies dürfte gerade Wüst missfallen, dem viele nachsagen, bei ihm sei es nicht die Frage, ob er nach Berlin gehen wolle, sondern nur wann. Hier wird immer wieder die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 25. April 2027 als wichtige Wegmarke genannt - diese Wahl wolle (und müsse) er zunächst einmal gewinnen, heißt es. Andere in der Union lassen den Zeitplan nicht gelten und sehen Wüst schon früher in der Verantwortung, sollte Merz jetzt scheitern.

Wie es jetzt weitergeht

Bis kommenden Montag wird erst mal nichts passieren. Da sind sich alle Beteiligten in CSU wie CDU einig. Doch was dann passiert, ist offen wie selten. Was, wenn die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern - wie schon die in Sachsen-Anhalt - zur Niederlage für die CDU wird, wenn die CDU dort gar aus dem Landtag fliegen sollte? Womöglich bekommt Söder dann doch noch seine Chance, nachdem er 2021 Armin Laschet und 2024 Merz den Vortritt lassen musste. Gut möglich ist aber auch, dass sich Geschichte wiederholt und sich am Ende das «historische Fenster» wieder schließt. Fakt ist: Noch nie hat es ein CSU-Politiker geschafft, Kanzler zu werden.