Die Bauzinsen in Deutschland bewegen sich einer Übersicht des Geldratgebers Finanztip zufolge vergleichsweise stabil nahe der Vier-Prozent-Marke. Ein weiterer Zinsschritt der EZB bis zum Jahresende sei bei den Bauzinsen bereits eingepreist, sagt Finanztip-Experte Dirk Eilinghoff.
Zinserhöhung im September erwartet
Die EZB sei mit dem aktuellen Zinsniveau gut aufgestellt, «um nicht auf jede Preisschwankung reagieren zu müssen und die Entwicklungen vorerst beobachten zu können», meint Andreas Bley, Chefvolkswirt des Bankenverbandes BVR. «Angesichts der Lage am Persischen Golf stehen die Zeichen aktuell auf eine Zinserhöhung im September.»
Ökonomen erwarten eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr, aber keine Serie. Denn wenn die EZB die Zinsen zu stark anhebt, läuft sie Gefahr, die ohnehin schon unter erheblichem Druck stehende Wirtschaft abzuwürgen.
EZB-Präsidentin Lagarde bezeichnete die jüngste Entwicklung am Persischen Golf als alarmierend. Spekulationen, sie könnte im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich vorzeitig als EZB-Präsidentin abtreten, trat die Französin entgegen. Sie werde nicht vor 2027 gehen, sagte sie. «Wenn sich am Horizont Wolken abzeichnen, bleibt der Kapitän auf dem Schiff. Und es sind Wolken am Horizont zu sehen», bekräftigte Lagarde.
Höhere Leitzinsen sind gut für Sparer
Sparer könnten von steigenden Leitzinsen profitieren - allerdings nur dann, wenn Banken und Sparkassen die besseren Konditionen an ihre Kundschaft weitergeben. Das war nach der jüngsten Leitzinserhöhung im Juni gerade einmal bei jedem sechsten von 823 Geldhäusern in Deutschland der Fall (17 Prozent), wie eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox ergab.
Im Schnitt seien die Tagesgeldzinsen bei diesen Instituten 0,18 Prozentpunkte angehoben worden. Durchschnittlich bringt Tagesgeld bei bundesweit verfügbaren Angebote der Verivox-Analyse zufolge derzeit 1,38 Prozent Zinsen. Einige Banken locken Neukunden zeitweise mit bis zu 4 Prozent aufs Tagesgeld.
Oberstes EZB-Ziel: Stabile Preise
In ihrer jüngsten Prognose aus dem Juni geht die EZB davon aus, dass die Teuerungsrate im Euroraum im Schnitt des laufenden Jahres wegen des Iran-Kriegs bei 3,0 Prozent liegen wird. Eine neue Preiswelle wie in der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 will die Notenbank unbedingt verhindern.
Damals stand die EZB in der Kritik, den Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte bis auf mehr als zehn Prozent hoch, in Deutschland verteuerten sich Energie und Lebensmittel rasant. Die Preiserhöhungen wirken bis heute nach: Nahrungsmittel sind rund ein Drittel teurer als 2019.