Diskussion in Deutschland laut Albig zu verengt
Er wolle keine Koalition mit Radikalen, versicherte Albig der dpa. «Aber Minderheitenregierungen können themenbezogen Antworten geben auf Fragen, die unsere Wähler sehr wohl stellen und die auch in Dänemark zum Beispiel dazu geführt haben, dass die Dänische Volkspartei gewählt wurde.» Dort seien die Wähler zur dänischen Sozialdemokratie zurückgekehrt, als sie bemerkten, dass diese ihnen bessere Antworten geben konnte auf die Fragen, die ihnen wichtig waren, als die Radikalen.
Natürlich wünsche er sich ordentliche Koalitionen bei den kommenden Landtagswahlen, sagte Albig. «Aber gucken Sie nach Magdeburg, da wird einem angst und bange. Wenn wir da Minderheitenregierungen komplett ausschließen, dann kann ich gar nicht erkennen, was Wähler bei der nächsten Wahl noch tun sollen, als uns komplett abzuwählen.» Das bereite ihm Sorge.
SPD kritisiert Albig scharf
Die Kritik aus den Reihen der Sozialdemokraten ließ nicht lange auf sich warten. Eine Zusammenarbeit jeglicher Form schließen Sozialdemokraten aus verschiedenen Landesverbänden aus.
Der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl im kommenden Jahr, Ulf Kämpfer, teilte mit, er schätze Albig, «aber da hat er sich vollkommen verrannt». Dass die demokratische Mitte noch kein Rezept gefunden habe, die AfD zu entzaubern, rechtfertige nicht, zu falschen Rezepten zu greifen.
Der Berliner SPD-Chef und Spitzenkandidat für die Berlinwahl im September, Steffen Krach, sagte «es gibt für die SPD Null gemeinsamen Nenner mit der AfD». Die AfD stehe im absoluten Widerspruch zu allem, wofür die SPD seit Jahrzehnten arbeite. «Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD.»
Ähnlich äußerte sich auch der SPD-Landesfraktionschef und designierte Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jochen Ott, in der «Bild»: «Alles daran ist falsch und verheerend.» Es könne für Sozialdemokraten niemals eine Zusammenarbeit mit den ideologischen Nachfahren einer Partei geben, die uns verfolgt habe.
Zustimmung von AfD und BSW
Zustimmung erhält Albig hingegen von BSW und AfD. So nannte BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht die Brandmauer «Brandstiftung»: «30 oder gar 40 Prozent der Wähler auszuschließen, ist schlicht undemokratisch.» Man müssen die gescheiterte Brandmauer-Politik beenden, bevor sie die Demokratie endgültig zerstöre.
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sagte dem «Handelsblatt», Demokratie funktioniere. «Früher oder später erzwingt der Wählerwille entweder eine Veränderung der Politik oder den Untergang der Parteien, die sich dagegen sperren.» Albig habe verstanden, dass es für die SPD höchste Zeit sei, das zu erkennen.