Omikron trifft langsam auch die Intensivstationen: Erstmals seit Mitte Dezember gibt es wieder einen Anstieg bei der Zahl auf Intensivstationen behandelter Covid-19-Patienten. Laut Tagesreport des Divi-Intensivregisters waren am Sonntag (23. Januar 2022) 2426 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung erfasst - und damit 28 mehr als am Vortag. Am Montagvormittag kamen nochmals zwölf Einweisungen dazu, aktuell liegen also 2438 Menschen mit Corona in einem Intensivbett.

Ein Anstieg war zuletzt im Tagesreport vom 13. Dezember gemeldet worden, um 21 auf 4926 Patienten. Danach war die Zahl stetig gesunken. Bisher schien sich die Welle der neuen Corona-Virusvariante Omikron nicht auf die Intensivstationen niederzuschlagen, dies könnte sich nun ändern. Experten hatten stets davor gewarnt, dass im Zuge rasant steigender Fallzahlen auch die Zahl der Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung wieder steigen dürfte, auch wenn Omikron seltener zu schweren Verläufen führt als die zuvor dominierende Variante Delta. Die schiere Masse an Infektionen in der Bevölkerung würde automatisch wieder mehr schwere Verläufe hervorbringen.

Wieder mehr Corona-Patienten auf Intensivstationen: "Richtige Belastung" steht noch bevor

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte ebenfalls in den vergangenen Wochen einen Anstieg der Corona-Patienten, die intensiv behandelt werden müssen, vorhergesagt. Die noch niedrige Hospitalisierungsrate sei eine "irrelevante Momentaufnahme", da die Infektionswelle in Deutschland erst noch komme. "Die richtige Belastung auf den Intensivstationen würde ich Mitte, Ende Februar erwarten, das ist noch ein Monat hin und dann hoffe ich, dass es dann noch gut aussieht", sagte Lauterbach. Bis dahin rechnet der SPD-Politiker mit mehreren hunderttausend Neuinfektionen pro Tag. Den Höhepunkt an Infektionen werde die Omikron-Welle voraussichtlich Mitte Februar erreichen.

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Doch auch weniger schwere Corona-Verläufe belasten die Kliniken. Der Ärzteverband Marburger Bund warnte bereits Anfang Januar vor einer Überlastung auf den Normalstationen und in den Notaufnahmen durch Corona-Erkrankte. "Wenn man nur die Intensivbettenbelegung als Maßstab für Corona-Maßnahmen heranziehen würde, wäre das zu kurz gegriffen und bei Omikron sogar trügerisch", so die Vorsitzende, Susanne Johna im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Zahl der bundesweit in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen hatte bereits in den vergangenen Tagen wieder merklich zugelegt. Zu Beginn der vergangenen Woche lag sie noch bei 3,14 - am Freitag (21. Januar 2022) bei 3,77. Regional gibt es große Unterschiede. Die Behandlung von Corona-Patienten sei mit einem erheblichen zusätzlichen Aufwand verbunden, erklärte Johna. Sie müssten isoliert werden, brauchen teils Sauerstoff und das Personal müsse spezielle Schutzkleidung tragen.

Mehr Covid-Patienten auf Normalstationen und Personalausfälle

Das Personal in den Kliniken hat zudem selbst mit Infektionen zu kämpfen. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter mehr als 240 Kliniken hat ergeben, dass überdurchschnittlich viele Mitarbeitende derzeit ausfallen. Fast drei Viertel der Krankenhäuser berichten von höheren Personalausfällen im patientennahen Bereich als sonst um diese Jahreszeit. "Die Daten lassen vermuten, dass die deutlich höheren Personalausfälle auf Omikron-Infektionen bei Krankenhausmitarbeitenden zurückzuführen sind", so der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.

Bereits jedes zweite Krankenhaus gab an, wegen des Personalmangels nicht mehr alle Betten auf den Normalstationen betreiben zu können. Fast jede zweite Klinik kann seine Intensivstationen nicht mehr voll betreiben. Bei steigenden Krankenhausaufnahmen aufgrund der Omikron-Welle könnte es somit doch schneller zur Überlastung kommen als gedacht.

mit dpa

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