Kirche müsse stattdessen «sie selbst bleiben, über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen, denen von Anfang und Ende des Lebens». Mehr Spiritualität, weniger Politik.
Der Papst bietet Trump die Stirn
Und was macht der Papst, ja immerhin der Dreh- und Angelpunkt in der katholischen Kirche? Der, so scheint es, springt mutig hinein ins Haifischbecken Kirche vs. Politik. Er wirbt um Frieden, kritisiert Armut, findet kritische Worte zur Künstlichen Intelligenz (KI) und verlangt Klimaschutz.
Dass er US-Präsident Donald Trump die Stirn bietet, finden viele Menschen in Deutschland gut: Mehr als die Hälfte der Bürger befürwortet es, dass sich Leo XIV. politisch äußert. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur hervor.
Unterschiede gibt es aber bei der Frage, zu welchen Themen er Position beziehen soll: Demnach finden es 46 Prozent der Befragten richtig, dass der Papst grundsätzlich Stellung nimmt zu Themen politischer Relevanz. Weitere 25 Prozent der Befragten gaben an, der Papst solle sich nur zu ausgewählten Fragen politischer Relevanz äußern, also etwa zu Krieg und Frieden.
17 Prozent sind der Meinung, der Papst solle grundsätzlich nicht zu politisch relevanten Themen sprechen. 12 Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema. YouGov hat zwischen dem 8. und dem 11. Mai 2.179 Menschen online befragt.
«Das Evangelium ist Politik pur»
Kirche, so sagte es der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Heiner Wilmer, im ZDF, kann gar nicht anders als politisch zu sein. «Das Evangelium ist Politik pur.» Allerdings: Kirche sei nicht partei- oder tagespolitisch. Sie müsse aber Anwältin sein – auch der Erde. «Kirche muss den Schrei der Schöpfung hören, muss achtsam sein, wenn schäbig mit der Umwelt umgegangen wird.» Das gelte auch für humanitäre Katastrophen.
Der gastgebende Bischof des Katholikentags, Franz Jung, wird in seiner Predigt vor der Würzburger Residenz ebenso deutlich: Er warnt vor einer religiösen Rechtfertigung von Gewalt. «Überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet.»
Die Kirche setze sich für die Würde des Lebens ein, etwa für Ungeborene sowie für Kranke, Behinderte und Sterbende.
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), hatte zur Eröffnung des Katholikentags erklärt, es sei Auftrag von Christinnen und Christen, «nicht hinter Kirchentüren zu verschwinden». Das Leitwort des Treffens – «Hab Mut, steh auf!» – bedeute: «Wir müssen uns einmischen.» Eine Kirche, die sich zur Menschenwürde und zur Solidarität bekenne, sei eine politische Kirche.