Noch ungeklärt bleibt, ob das eingefangene Exemplar identisch ist mit jenem Wolf, der bereits am Wochenende im noblen Stadtteil Blankenese gesichtet worden war. Laut Polizei besteht allerdings keine absolute Gewissheit. Wahrscheinlich sei es jedoch dasselbe Tier, erklärte ein Sprecher der Leitstelle. Von mehreren Wölfen im Stadtgebiet gehe man nicht aus.
Sichtungen entlang der Elbvororte seit Sonntag
Seit Sonntag, dem 29. März 2026, häuften sich die Meldungen. Mehrere Bürger hatten einen Wolf beobachtet, wie frühere Angaben der Umweltbehörde belegen. Zunächst tauchte das Raubtier in Parks entlang des Falkensteiner Ufers in Blankenese auf. Später wanderte es weiter nach Osten, nach Nienstedten und Othmarschen. Konkret im Sven-Simon-Park sowie im Schinkelspark am Falkensteiner Ufer in Blankenese erfolgten laut offizieller Pressemeldung der Hamburger Umweltbehörde (BUKEA) die ersten Beobachtungen.
Insgesamt sechs Sichtungen gingen bei der zuständigen Umweltbehörde ein. Aus Othmarschen, Nienstedten und Blankenese kamen Berichte über einen Wolf, der meist beim Überqueren von Straßen beobachtet wurde. Anhand eines Videos und eines Fotos aus der Bevölkerung bestätigte später Norman Stier, Wolfsexperte von der Technischen Universität Dresden, zweifelsfrei: Es handelt sich um einen Wolf.
Chronologie der Sichtungen:
- Sonntag, 29. März 2026: Erste Beobachtungen in Blankenese (Sven-Simon-Park, Schinkelspark am Falkensteiner Ufer)
- Sonntag/Montag, 29./30. März 2026: Weitere Meldungen aus Nienstedten und Othmarschen
- Montag, 30. März 2026: Offizielle Bestätigung der Wolf-Sichtung durch die Umweltbehörde
- Dienstagnachmittag, 31. März 2026: Bissattacke auf Frau in Altona
- Dienstagabend, 31. März 2026: Festnahme des Wolfs an der Binnenalster
Verhaltensregeln bei Wolf-Begegnungen
Bereits am Montagvormittag, 30. März 2026, hatte Philipp Wenzel die Identität des Tieres bestätigt. Der Sprecher der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) stellte klar: Es handelt sich tatsächlich um einen Wolf. Eindringlich warnte die BUKEA, dass Wölfe Wildtiere seien. Annäherungen seien zu vermeiden. Bei Begegnungen mit dem Raubtier gelte: Abstand wahren, nicht fliehen, stattdessen durch lautes Sprechen oder Klatschen auf sich aufmerksam machen.
Als scheu gelten Wölfe grundsätzlich. Menschen weichen sie normalerweise aus. Jungtiere können allerdings neugierig reagieren, wie das Landesamt für Umwelt in Bayern erklärt. Vornehmlich zieht sich ein Wolf langsam und gelassen zurück. Ruhiges Verhalten ist bei einer Begegnung entscheidend. Hunde sollten angeleint werden. Weglaufen oder dem Wolf hinterherlaufen – beides ist zu unterlassen. Das Füttern von Wölfen ist strikt verboten, um die Tiere nicht an menschliche Nähe zu gewöhnen. Die Bezirksregierung Oberfranken hat ausführliche Verhaltenstipps für Begegnungen mit Wölfen veröffentlicht. Auch in Franken kam es in der Vergangenheit zu Wolfssichtungen mitten in Dörfern, die für Verunsicherung sorgten.
Auf seiner Internetseite schreibt das Bundesumweltministerium: "Es gehört zum normalen Verhalten der Wölfe, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite von bewohnten Gebäuden entlanglaufen, nachts dann und wann Dörfer durchqueren oder am Dorfrand nach Nahrung suchen."
Angriffe auf Menschen sehr selten
Übergriffe auf Menschen treten selten auf, heißt es unter Verweis auf eine Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA) aus dem Jahr 2002. Nur wenige Fälle sind dokumentiert, in denen gesunde Wölfe Menschen angriffen. Drei Hauptursachen lassen sich für Wolfsangriffe auf Menschen ausmachen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung.
Ein Vorfall ereignete sich in Deutschland im August 2023: Im Filmtierpark Eschede nahe Celle biss ein Wolf einen achtjährigen Jungen aus Schleswig-Holstein in die Brust. Eine sogenannte "Tierbegegnung" hatte die Familie gebucht. Zunächst schnupperte der Wolf an der Hand des Kindes, dann schnappte er aus ungeklärten Gründen zu. Per Rettungswagen kam der Junge ins Krankenhaus, konnte aber nach ambulanter Behandlung wieder entlassen werden.
Bereits Ende Januar 2026 war ein Wolf im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook beobachtet worden, wie die Hamburger Umweltbehörde mitteilte. Tödlich endete ein Zwischenfall in der Nacht zum Freitag, 13. März 2026: Auf der Autobahn 25 erfasste ein Fahrzeug einen Wolf, wie die BUKEA mitteilt. Erstmals 2013 wurden Wölfe in Hamburg gesehen, der Umweltbehörde zufolge. Seitdem häufen sich die Sichtungen. In den letzten Jahren stieg die Anzahl bestätigter Tiere. Vor allem zwischen März und Mai gehen die meisten Meldungen ein.
Immer wieder Wölfe in Hamburg gesichtet
Hauptsächlich leben Wölfe hierzulande in ländlichen Regionen, wie Informationen der Hamburger Behörde zeigen. Hamburg liegt jedoch im Einzugsbereich mehrerer Wolfsrudel aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Gelegentlich können daher einzelne Tiere – insbesondere junge Rüden auf Wanderschaft – auch in urbanen Gebieten auftauchen. Ein ausgeprägtes Fluchtverhalten zeigte der Wolf bei den bisherigen Sichtungen am Wochenende. Äußerst scheu reagierte das Tier.
Wichtige Verhaltensregeln bei Wolf-Begegnungen:
- Ruhiges Verhalten zeigen, keinesfalls weglaufen
- Ausreichend Abstand halten, nicht annähern
- Hunde unbedingt anleinen
- Durch lautes Sprechen oder Klatschen bemerkbar machen
- Dem Wolf nicht hinterherlaufen
- Wölfe unter keinen Umständen füttern
- Bei aggressivem Verhalten umgehend die Polizei alarmieren
Zum Gesundheitszustand des eingefangenen Wolfs lagen zunächst keine Informationen vor. Weshalb das Tier sich in der dicht besiedelten Metropole aufhielt, bleibt ebenso ungeklärt wie die Frage, warum es die Frau attackierte. Ein Statement der Umweltbehörde wird im Laufe des Mittwoch, 1. April 2026, erwartet, wie ein Polizeisprecher ankündigte.
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