160.000 Telefonzellen gab es einst in Deutschland, im Handyzeitalter wurden sie überflüssig und schrittweise abgebaut. 2023 schaltete die Telekom die letzten 12.000 ab und ließ viele von ihnen stehen.
«Bitte warten», steht auf dem Display, und wenig später ist zu lesen: «Entschuldigung, zur Zeit gestört». Doch Warten wäre Zeitverschwendung, denn die angezeigte Störung wird nie behoben: Es ist das Display eines öffentlichen Telefons der Deutschen Telekom, das im Januar 2023 deaktiviert wurde - wie bundesweit 12.000 andere auch. Anrufe wird man damit nie mehr führen können.
Drei Jahre schon steht die graue Metall-Stele als Elektroschrott an einer Straße im Düsseldorfer Stadtteil Benrath - der Hörer wurde abgerissen, Drähte ragen aus einem dicken Kabel, das Metallgehäuse wurde beschmiert. Es ist kein Einzelfall: Auch in Berlin, Köln, Bochum, Tübingen, Stuttgart und zahlreichen anderen Städten stehen die Relikte aus der handyfreien Vergangenheit noch herum. Mal sind es Stelen, mal Häuschen, mal Wandtelefone.
Spätestens Ende 2025 hätten alle öffentlichen Telefonstandorte verschwunden sein sollen, so hatte es die Telekom vor drei Jahren angekündigt und dieses Ziel vor einem Jahr bekräftigt. Nun aber muss der magentafarbene Weltkonzern, der sich so gern für sein Tempo beim Aufbau von Mobilfunk- und Glasfaser-Technik rühmt, einräumen, dass er mit dem Abbau seiner alten Telefonzellen-Technik immer noch nicht fertig ist: Schneckentempo statt Highspeed. Zuvor hatte die «Wirtschaftswoche» über das verfehlte Abbauziel berichtet.
Die Telekom hatte ihre letzten Telefonzellen Ende Januar 2023 abgeschaltet, weil die Nachfrage verschwindend gering war - warum zur Telefonzelle gehen, wenn man ein Handy in der Tasche hat. Im Jahr 2022 machte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit fast jedem dritten öffentlichen Telefon gar keinen Umsatz mehr, im Durchschnitt lag der Umsatz pro Telefonzelle bei wenigen Euro im Monat. «Das stand in keinem Verhältnis zu den Unterhaltskosten, die den Umsatz um ein Vielfaches überstiegen», sagt ein Firmensprecher.
Wie die Telekom die Verzögerung begründet
Aber warum dauert die Demontage so lang? «Der Rückbau ist sehr aufwändig und dauert länger, als wir gehofft hatten», sagt der Telekom-Sprecher. Es brauche mehrere Gewerke, die nacheinander arbeiten müssten und voneinander abhängig seien. «Allein die Arbeiten der Energieversorger können leider mehrere Monate dauern, weil dafür eine Tiefbaumaßnahme erforderlich ist und auch die Energieversorger regionale Abläufe und Auslastungen berücksichtigen müssen.» Für die Entfernung der Häuschen und Stelen rollen Bagger an. «Die Baufirmen können erst beginnen, wenn die Stromlosschaltung erfolgt ist und die behördlichen Genehmigungen vorliegen.»
Kommunalvertreter sind frustriert
Also liegt das Schneckentempo an den Kommunen? Davon wollen die wiederum nichts wissen. Die Telekom habe die alleinige Zuständigkeit, heißt es von der Düsseldorfer Stadtverwaltung. «Die Landeshauptstadt unterstützt den Abbau selbstverständlich in der Zusammenarbeit mit anderen Gewerken und Ämtern.»
In Bochum sind noch 23 alte Telefonstandorte, darunter zwei als Wandtelefonate am Bochumer Hauptbahnhof. Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagt, die Kommunikation mit der Telekom sei «sehr schwierig». Die Firma habe bislang nicht mitgeteilt, wann die Demontage denn endlich abgeschlossen sei.