Vergiss Rom oder Venedig: Fränkische Partnerstadt ist der Urlaubs-Geheimtipp 2026

4 Min

Unser Autor (27) hat eineinhalb Jahre in Würzburgs ziemlich unbekannter Partnerstadt in Spanien gelebt und weiß: Diese Stadt ist ein günstiger und wunderschöner Geheimtipp, der andere Ziele um Längen schlägt.

Wer an Würzburg denkt, hat die Residenz und den fränkischen Wein im Kopf. Wer nach Salamanca reist, findet genau dieses Lebensgefühl in einer spanischen Version wieder – nur lauter, lebendiger und goldener. Seit 1980 sind die beiden Städte Partner. Als Zeichen der Verbundenheit gibt es in Salamanca den Parque de Würzburg, während in Würzburg eine Straße nach Salamanca benannt wurde. Beide Städte teilen zudem eine prestigeträchtige Auszeichnung: Genau wie die Würzburger Residenz gehört auch die gesamte Altstadt von Salamanca seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Doch während Salamanca hierzulande oft nur in Studenten-WGs ein Thema ist, gilt sie vor Ort als pulsierendes Highlight Zentralspaniens. Die knapp 147.000 Einwohner zählende Stadt ist eine der Erasmus-Städte schlechthin. Dank einer der ältesten Universitäten der Welt zieht sie jährlich tausende junge Menschen an. Mit insgesamt über 30.000 Studenten herrscht ein junges Stadtbild, was für eine Energie sorgt, die man sonst nur aus Metropolen wie Madrid oder Barcelona kennt.

Die goldene Partnerstadt Würzburgs: Plaza Mayor und die Doppel-Kathedrale

Der erste Weg in Salamanca führt unweigerlich zur Plaza Mayor. Er gilt als einer der schönsten Barockplätze Europas und ist das pulsierende Zentrum der Stadt. Erbaut im 18. Jahrhundert beeindruckt der Platz durch seine Symmetrie und den goldgelben Sandstein, der bei Sonnenuntergang buchstäblich zu glühen beginnt. Er erinnert stark an den Markusplatz in Venedig - nur gemütlicher. Das gab der Stadt auch ihren Spitznamen: "La Dorada" – die Goldene.

Wer dem Duft der Straßen folgt, sollte auf dem Weg zu den Kathedralen unbedingt einen Hornazo probieren – jene herzhaft gefüllte Teigtasche, die in Salamanca Kultstatus genießt. Oder man greift zu einem klassischen Bocadillo, belegt mit dem hauchdünn geschnittenen, weltberühmten Ibérico-Schinken der Region. So gestärkt erreicht man nach nur wenigen Gehminuten die gewaltigen Kathedralen, die hier imposant in den Himmel ragen und sich nicht vor Rom verstecken müssen. Das Besondere: Es gibt gleich zwei davon, die direkt aneinander gebaut sind. Die Catedral Vieja (12. Jahrhundert, romanisch) und die Catedral Nueva (16.-18. Jahrhundert, Gotik/Barock).

Insider-Tipp: An der Fassade der Neuen Kathedrale gibt es einen kleinen Astronauten und einen Drachen mit einer Eiswaffel in der Hand. Das ist ein Steinmetz-Scherz aus einer Restaurierung von 1992 und zeigt, wie locker die Stadt heute mit ihrer jahrhundertealten Geschichte umgeht.

Das berühmteste Suchspiel erwartet einen jedoch an der prachtvollen Fassade der Universität (Escuelas Mayores): Dort versteckt sich der legendäre Frosch von Salamanca  aus dem 16. Jahrhundert auf einem Totenkopf. Für die Studenten ist er weit mehr als nur ein Ornament – die Legende besagt, dass nur derjenige seine Prüfungen besteht (oder bald heiratet), der den kleinen Kerl ohne fremde Hilfe entdeckt.

Hochspanisch lernen beim Ausgehen

Für alle, die ihr Spanisch aufbessern wollen, ist Salamanca einer der besten Orte der Welt. Hier wird reines Castellano gesprochen – ein glasklares Hochspanisch ohne starken Dialekt.

Es gibt zudem einige Sprachschulen, in denen in kleinen Gruppen die Sprache gelernt werden kann. Besonders effektiv lernt man hier jedoch nicht nur im Sprachkurs, sondern auch beim Ausgehen.

Da die Aussprache der Einheimischen so präzise ist, versteht man selbst in vollen Bars fast alles. Wer mit Grundkenntnissen aus der Schule anreist, verliert hier bei einem Drink am Tresen schnell die Hemmungen zu sprechen.

Geschichte zwischen Pracht und Schatten: Der Fluss und General Franco

Salamanca liegt malerisch am Fluss Tormes. Besonders am Abend bietet das Ufer einen der schönsten Blicke auf die Stadt. Die alte römische Brücke (Puente Romano), die über den Fluss führt, ist nicht nur ein Wahrzeichen, sondern auch ein beliebter Treffpunkt für junge Leute zum Picknick oder Spazierengehen. Als Herzstück der Vía de la Plata (der Silberstraße) empfängt die Stadt auch seit Jahrhunderten Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela.

Wer die Römische Brücke über den Tormes überquert, tritt in die Fußstapfen tausender Wanderer. Das Symbol der Jakobsmuschel begegnet einem in Salamanca immer wieder – am prominentesten am Casa de las Conchas, dessen Fassade mit über 300 Muscheln geschmückt ist.

Die besten Hotels - Info & Buchung

Doch die Stadt hat auch eine düstere historische Seite: Während des Spanischen Bürgerkriegs war Salamanca 1936 bis 1939 das Hauptquartier von Diktator Francisco Franco. Von hier aus steuerte er zeitweise seine militärischen Operationen. Wer heute über die Plaza Mayor schlendert, findet dort Medaillons berühmter Spanier – das Porträt Francos wurde dort nach langen Debatten 2017 entfernt. Diese Spannung zwischen jahrhundertealter akademischer Freiheit und der dunklen Ära der Diktatur macht die Stadt für Geschichtsinteressierte besonders tiefgründig.

Street-Art und Kult-Kneipen in Salamanca: Die modernen Highlights

Abseits der historischen Pfade hat Salamanca eine junge, kreative Seele:

  • Urban Art: Wer moderne Kultur liebt, muss in das Viertel "Oeste". In der "Galería Urbana" wurden hunderte Garagentore und Hausfassaden von Street-Art-Künstlern gestaltet. Ein toller Fotospot für neue Social-Media Bilder.
  • Paniagua: Diese Bar ist eine absolute Institution. Hier gehört es zum guten Ton, mit seiner Truppe ein Bild machen zu lassen. Das Foto wird direkt ausgedruckt und an die riesige Fotowand der Bar gepinnt – man wird also buchstäblich Teil des Ausgehviertels von Salamanca.

Von Nürnberg über Porto nach Kastilien und León

Die Anreise von Franken aus muss nicht teuer sein. Wer clever plant, kann den Besuch auch gut mit einem Trip in den Norden Portugals verbinden und dann weiter nach Salamanca reisen:

  • Flug ab Nürnberg: Man fliegt oft sehr günstig direkt nach Porto in Portugal.
  • BlaBlaCar: Da Züge über die Grenze kompliziert sind, ist die Mitfahr-App BlaBlaCar ein Geheimtipp. Mehrmals täglich gibt es private Fahrten von Porto nach Salamanca (ca. 3 Std.), das spart Geld und man lernt sofort Locals kennen.
  • Hinweis: Der Flughafen in Salamanca selbst wird kaum international angeflogen – die Route über Porto oder Madrid mit Mitfahrgelegenheit und Fernbus ist deutlich sinnvoller.

Die Stadt wartet nur darauf, von Franken entdeckt zu werden. Am besten im Frühjahr oder Spätsommer, während man bei Tapas und Tinto de Verano am Tormes den Blick auf die Kathedralen genießt.

Dieser Artikel enthält Angebote
Vorschaubild: © Horváth Botond