Brasilien bezeichnet Merz in einer «schwieriger werdenden Welt» als «Schlüsselpartner». Beide Länder hätten ein gemeinsames Interesse an verlässlichen, regelbasierten Beziehungen.
Zugleich rückt die Frage nach Rohstoffen stärker in den Fokus. Brasilien verfüge über ein «enormes Potenzial» bei seltenen Erden, sagt Merz. Große Chancen sieht er im Abbau von Metallen, die für Elektromobilität und Windkraft benötigt werden. Deutschland sei bereit, Brasilien «mit technologischem Know-how und Expertise zu unterstützen», um diese Beziehungen weiter auszubauen.
Deutschland als «die Lokomotive» Europas
Bei einem weiteren Auftritt betont Merz das wirtschaftliche Gewicht Europas. Die EU habe 450 Millionen Konsumenten – 100 Millionen mehr als die Vereinigten Staaten, sagt er. «Verdammt noch mal: Was hindert uns denn daran, dieses Selbstbewusstsein jetzt auch zu zeigen?» Denn: «Wir brauchen uns nicht zu verstecken.»
Deutschland müsse dabei «das Zugpferd», «die Lokomotive» in der EU sein. Zugleich kündigt der Kanzler an, sich in Brüssel für bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen einzusetzen. «Ich gehe für uns auch in den europäischen Clinch», sagt er. «Notfalls müssen wir dann auch mal öffentlich miteinander streiten, wo wir eigentlich hinwollen in dieser Europäischen Union.»
Industrie warnt vor Dauerkrise
Deutliche Kritik muss Merz von den Vertretern der Industrie einstecken. «Der Reformstau muss endlich aufgelöst werden», fordert der Präsident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, Gunther Kegel. «Die Grenzen der Leidensfähigkeit sind erreicht», sagt Bertram Kawlath vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).
Der Industrieverband BDI kippt angesichts des Iran-Kriegs seine Prognose für 2026 und rechnet bestenfalls noch mit einem Nullwachstum bei der Industrieproduktion. «Der Iran-Krieg sorgt dafür, dass der Aufschwung weit ins zweite Halbjahr verschoben wird, vermutlich eher nach 2027», sagt BDI-Präsident Peter Leibinger. Die Krise in Nahost sei dabei aber nicht die Ursache, sie verschärfen die Lage nur. «Die Ursache liegt bei uns.»
Zwar würden die hohen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung die Nachfrage stützen. «Sie reichen aber alleine nicht aus für einen spürbaren Aufschwung», so Leibinger. «Der Druck auf die Industrie besteht weiter – und wächst.»
Weltgrößte Industrieschau
Mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft zeigen noch bis Freitag auf dem Messegelände ihre Neuheiten. Hauptthemen der Messe sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. Im vergangenen Jahr kamen 127.000 Besucher zu der weltweit wichtigsten Industrieschau.