Lange haben Befürworter gewartet, nun hat der Bundestag eine Cannabis-Teillegalisierung beschlossen. Doch in der Branche ist die Stimmung geteilt. Viele setzen lieber auf Cannabis als Medikament.
Die Erwartungen an die Legalisierung waren riesig. Einer der größten Märkte für den Freizeitkonsum weltweit könnte entstehen, schwärmten Cannabis-Firmen. Fachgeschäfte in deutschen Fußgängerzonen statt Verbotspolitik, legaler Verkauf statt Dealer, Kiffen raus der Schmuddelecke.
In der Hoffnung auf lukrative Geschäfte drängten Start-ups in den Markt, Prominente wie Mario Götze, Moritz Bleibtreu und der US-Rapper Snoop Dogg investieren in Cannabis-Firmen. Die Legalisierung schien das nächste große Ding und Deutschland, als großer Markt auch aus ausländischer Sicht verheißungsvoll. Längst liefen sich Anbieter aus der Schweiz, Kanada und den USA warm.
Doch mit dem Beschluss des Deutschen Bundestags ist endgültig klar, was sich schon seit Monaten abzeichnete: Die Teil-Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum geht lange nicht so weit, wie im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung angepeilt. Zwar soll Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz herausgenommen werden, wo es bisher neben anderen Drogen als verbotene Substanz geführt und mit Strafvorschriften belegt ist.
Besitz und Eigenanbau begrenzter Mengen sollen für Volljährige vom 1. April an erlaubt sein. Und in Vereinen («Cannabis-Clubs») sollen Mitglieder die Droge gemeinsam anbauen und gegenseitig abgeben dürfen. Der einstige Plan aber, Cannabis in Fachgeschäften an Erwachsene zu verkaufen, wurde vertagt. Das soll in Deutschland zunächst in Modellprojekten erprobt werden - Ausgang ungewiss.
Teil-Legalisierung dämpft Euphorie
Das bringt manche Cannabis-Firmen in Bedrängnis, beobachten Branchenexperten. Längst ist die Goldgräberstimmung Ernüchterung in dem umkämpften Markt gewichen. Um neue Cannabis-Geschäftsideen von Schauspielern oder Fußballern ist es ruhig geworden. Und Firmen wie das Berliner Start-up Cantourage, das im Herbst 2022 an die Börse ging, haben Anlegern wenig Freude bereitet. Mit der Aktie ging es seither unterm Strich kräftig bergab.
Klar ist: Einen Freizeitmarkt mit Cannabis-Shops wie in den Niederlanden und einigen US-Bundesstaaten wird es in Deutschland vorerst nicht geben. «Dass der Eigenanbau nun begrenzt erlaubt wird, hilft der Branche nicht», sagt Alessandro Rossoni, Gründer der Medizin-Cannabisfirma Nimbus Health. Das gleiche gelte für Cannabis-Clubs. Einige Cannabis-Firmen seien in Schwierigkeiten geraten, andere verschwunden oder aufgekauft worden. So rutschten laut Fachmedien mehrere Cannabis-Reimporteure in die Pleite. Körperpflegeprodukte auf Cannabis-Basis - es ist ein bunter Markt um Cannabis-Produkte entstanden.
Der Branchenverband Cannabiswirtschaft sieht trotzdem Aufwind für die Firmen. «Eigenanbau und Anbauclubs als Möglichkeiten zur Selbstversorgung sind zwar an sich nicht kommerziell, sie benötigen jedoch Infrastruktur, Ausstattung und Dienstleistungen», sagt Lisa Haag vom Fachbereich Technik, Handel & Dienstleistungen.